Finanzsystem anfällig für abrupte Kurskorrekturen
EZB sieht wachsende Risiken

Das Finanzsystem der Eurozone ist nach Ansicht der EZB derzeit insgesamt stabil genug, um die insbesondere aus globalen Ungleichgewichten resultierenden steigenden Risiken absorbieren zu können. Das Gefüge sei aber zunehmend anfällig für plötzliche Kurskorrekturen, vor allem am Rentenmarkt.

HB FRANKFURT. Die Sicherheit des Finanzsystems beruhe auf einem „empfindlichen Gleichgewicht“, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Halbjahresbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Finanzstabilität. „Der Ausblick für die Finanzstabilität ist gemischter als vor sechs Monaten“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Tommaso Padoa-Schioppa bei der Vorstellung des Berichts. Eine ungeordnete Korrektur von Preisblasen sei möglich. Insgesamt hat sich die Stabilität des Finanzsystems der EZB zufolge zwar verbessert, doch die Suche nach höheren Renditen habe womöglich dazu geführt, dass Risiken unterschätzt würden und festverzinsliche Anlagen überbewertet seien.

Dies habe sich jüngst an der Marktreaktion auf die Ratingherabstufungen amerikanischer Automobilhersteller gezeigt, die auch die Renditen europäischer Unternehmensanleihen nach oben schnellen ließ. „Finanzinstitute, einschließlich der Banken im Euro-Raum, die festverzinsliche Wertpapiere halten, könnten jetzt höheren Kreditrisiken als üblich ausgesetzt sein“, warnte die EZB. Die Zinsabstände bei Unternehmensanleihen könnten sich rasch ausweiten.

Auch die globalen Ungleichgewichte, die in der Vergangenheit den Dollar belasteten, führte die EZB weiter als Gefahrenquelle auf. Entscheidend sei, in wie weit asiatische Notenbanken weiter Dollar-Vermögenswerte kauften und damit das große Defizit in der US-Leistungsbilanz und im US-Staatshaushalt finanzierten. Sollte ihr Interesse erlahmen, drohten Verwerfungen bei den Wechselkursen.

Kleine und mittlere Firmen könnten besonders unter den hohen Ölpreisen leiden, wenn diese auf hohem Niveau verharren sollten. Diese Unternehmen könnten zudem unter der schwachen Binnennachfrage im Euro-Gebiet leiden, schrieb die EZB weiter. Krisenanfällig wären auch Privathaushalte in den Ländern, in denen Immobilienpreise eine angemessenes Niveau überschritten hätten.

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