Folge der Hitzewelle
Einzelhandels-Umsatz im Juli wieder gesunken

Nach einem leichten Umsatzplus im Juni hat der deutsche Einzelhandel im Juli wie erwartet wieder weniger verkauft.

Reuters BERLIN. Im Vergleich zum Vormonat habe die Branche saisonbereinigt real 1,6 % und in jeweiligen Preisen (nominal) 1,3 % weniger umgesetzt, teilte das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen am Freitag in Wiesbaden mit. Im Juni waren die realen Umsätze noch um 1,2 % gestiegen. Einzelhandelsvertreter hatten mit einem Rückgang der Umsätze im Juli gerechnet, da die Hitzewelle die Hoffnungen auf einen überdurchschnittlich guten Sommerschlussverkauf zunichte gemacht hatte. Auch habe die andauernde Debatte um eine Gegenfinanzierung der geplanten Steuerreform Verunsicherung bei den Konsumenten ausgelöst und so deren Kauflaune eingetrübt.

Damit lagen die Juli-Umsätze unter dem Vorjahresniveau. Im Vergleich zum Juli 2002 fielen die Erlöse der Branche unter Herausrechnung der Inflation (real) um 2,2 % und nominal um 2,1 %. In den ersten sieben Monaten setzten die Einzelhändler real 0,2 % und nominal 0,3 % weniger um als vor Jahresfrist. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) erwartet nach einem schwachen Vorjahr in diesem Jahr nochmals einen Rückgang der Umsätze um ein Prozent.

Wie jüngste Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) zeigen, hat sich die Verbraucherstimmung im August erneut aufgehellt - aber nur sehr leicht. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung der Verbraucherstimmung wird sich das Konsumklima weiter stabilisieren können, aber bislang jeglichen Schwung vermissen lassen“, sagte GFK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Im Einzelhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren stieg der Umsatz im Juli zum Vorjahresmonat nominal um 0,9 % und blieb real auf dem Vergleichsniveau. Supermärkte und Verbrauchermärkte erzielten ein Plus von nominal 0,8 %, während die realen Ergebnisse ebenfalls gleich blieben. Der Facheinzelhandel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten sowie die Apotheken setzte erstmals seit März 2000 nominal wieder weniger um - 0,1 %. Real hingegen stiegen die Umsätze hier um 0,6 %.

Alle anderen Branchen des Einzelhandels blieben nominal und real unter den Vorjahresergebnissen. Der Handel mit Nicht-Nahrungsmitteln - wozu auch Gebrauchs- und Verbrauchsgüter gehören - verzeichnete nominal und real ein Minus von jeweils rund vier Prozent. Der Umsatz bei Bekleidung und Schuhen ging nominal 4,6 % und real um 3,7 % zurück. Das Minus des Versandhandels lag nominal bei acht Prozent und real bei gut sieben Prozent. Kauf- und Warenhäuser verkauften nominal und real je rund sieben Prozent weniger.

Viele Volkswirte hoffen angesichts einer sich abzeichnenden wirtschaftlichen Erholung, dass das zweite Halbjahr für den gebeutelten Einzelhandel etwas besser laufen wird. Allerdings warnen sie, dass die Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes die Kauflaune der Verbraucher weiter bremsen könnte.

Nach dem positiven Trend der vergangenen Monate hatte eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts bereits für August eine leichte Verschlechterung des Geschäftsklimas im Einzelhandel ergeben. Die Einzelhändler beurteilten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Geschäftsaussichten pessimistischer. Das Ifo sieht jedoch in der Stimmungsverschlechterung noch nicht ein Ende der Erholung, sondern nur einen leichten Dämpfer.

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