Folgen der Euro-Rettung Deutsche Bank erwartet Inflation in Europa

Anshu Jain und Jürgen Fitschen malen einen (bekannten) Teufel an die Wand: Nach ihrer Überzeugung führt die Euro-Rettung geradewegs in die Inflation. Schlimm sei das nicht, denn der Schritt werde sich langfristig lohnen.
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Jürgen Fitschen und Anshu Jain (re.) erwarten eine steigende Inflation in Europa. Quelle: Reuters

Jürgen Fitschen und Anshu Jain (re.) erwarten eine steigende Inflation in Europa.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/BerlinDie immensen Kosten der Euro-Rettung werden Europa nach Überzeugung der neue Führungsspitze der Deutschen in eine Inflation führen. „Das ist ein Preis, den wir für Europa werden zahlen müssen“, sagte Co-Chef Anshu Jain der „Welt am Sonntag“. Langfristig werde sich dies aber lohnen. Co-Chef Jürgen Fitschen sagte in dem Interview mit der Doppelspitze der Bank: „Es ist essenziell, dass der Euro gerettet wird.“

Zudem stellte er sich ausdrücklich hinter die angekündigten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) und damit gegen die Vorbehalte der Deutschen Bundesbank. „Es ist gut, dass die Europäische Zentralbank handelt“, sagte Fitschen.

Grundsätzlich zeigte sich Fitschen zuversichtlich, dass die europäischen Krisenländer ihre Schuldenprobleme in den Griff bekommen. „Wir sollten mit unseren europäischen Nachbarn mehr Geduld haben, die Fortschritte sind jetzt schon größer, als sie in der Öffentlichkeit dargestellt werden“, sagte er. Es handele sich um sehr ernsthafte Reformbemühungen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will Euro-Krisenländern mit dem unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen unter die Arme greifen, unter strengen Voraussetzungen. Mit dem Programm könnte die Zinslast für angeschlagene Euro-Schwergewichte wie Spanien und Italien gedrückt werden. Faktisch würden die Anleihenkäufe durch die Notenpresse finanziert. Kritiker befürchten dadurch eine übermäßige Geldversorgung, die längerfristig die Inflation anheizen könnte.

Bereits im August kletterte die Jahresteuerung nach endgültigen Daten der Statistikbehörde Eurostat bei 2,6 Prozent. Im Juli waren es noch 2,4 Prozent. Grund dafür sind vor allem der hohe Ölpreis. Energie kostete 8,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, Lebensmittel verteuerten sich um 2,6 Prozent. Auch Alkohol und Tabak (plus 4,5 Prozent) sowie Verkehrskosten (plus 4,8 Prozent) sorgten für Preisauftrieb. Die Teuerungsrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel lag bei lediglich 1,5 Prozent.

Inflation hat Deutschland längst erreicht

Das teure Öl trieb auch in Deutschland die Teuerung nach oben, wo die Preise im europäischen Vergleich (HVPI) um 2,2 Prozent stiegen. Die Inflationsrate in den 17 Staaten des Euroraums ist damit höher als der EZB lieb sein dürfte. Die Europäische Zentralbank sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. EZB-Chef Mario Draghi erwartet jedoch, dass sich die Teuerungsrate in der wachstumsschwachen Eurozone im Laufe des nächsten Jahres wieder unter dieser Schwelle einpegeln wird.

  • dpa
  • afp
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17 Kommentare zu "Folgen der Euro-Rettung: Deutsche-Bank-Spitze sieht die Inflation kommen"

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  • ..wen wollen Sie denn wählen?

  • @Das lässt sich denken, dass Fitschen & Co zufrieden sind. Andere haben ihnen - den Banken allgemein – das Risiko abgenommen, dass ihre gut verzinsten Darlehen an die Südländer womöglich nicht zurückgezahlt werden.
    Denn das tun ja jetzt die europäischen Bürger – allen voran die deutschen. Die BANKER bekommen den Zins, WIR die Inflation. IHRE Gehälter und Boni werden immer über der Inflationsrate liegen, UNSERE Sparvermögen dagegen werden sinken, und zwar erheblich.
    Mit so einer feinen Lösung wäre ich als Banker auch sehr zufrieden.

    Bürger wählen sich frei.
    Freie Bürger wählen Freie Wähler.

  • Jain:Inflation ...das ist der Preis für Europa. Das stimmt natürlich nicht.Es ist der Preis für die überschuldeten Südstaaten und deren Banken und für den gegen jede ökonomische Vernunft zu früh eingeführten Euro, NICHT für Europa. Daß Herr Jain diese von Politikern gebrauchte Täuschung verwendet muß man ihm als Investmentbanker nachsehen. Wann sagen Investmentbanker schon die volle Wahrheit.

  • Super, auf den Punkt gebracht!

    Die Sachlage ist offensichtlich! Unser Geld wird schleichend entwertet:

    - niedrige Kapitalzinsen
    - Kürzung unserer Renten
    - höheres Renteneintrittsalter = Rentenkürzung
    - Preisteigerungen ( Mieten., Energie,..)
    - ect. pp.....

    Wann gehen wir auf die Straße?

  • Dass Inflation dann kommt, wenn die Geldmenge stärker steigt, als das BIP, weiß jeder.

    Daß aber unsere Enteignung von uns hingenommen werden muß, damit der Club-Med weiterhin über seine Verhältnisse leben kann, ist neu.

    An diesem Statement kann man sehen, wo die Reise hingeht.

    Die Inflation ist von Merkel/Schäuble gewollt, mit der Absicht, sich langfristig zu entschulden.

    Wir haben im nächsten Herbst die Möglichkeit, uns kurzfristig des unheilbringenden Duos Merkel/Schäuble zu entledigen.

    Das sollten wir aber auch machen, denn sonst haben die beiden wieder 4 Jahre Zeit, unser Vermögen zu veruntreuen.

  • Man kann die Pferde zur Tränke führen....

    ...aber saufen müssen sie schon selbst. Sie tun es aber nicht, d. h. es wird nicht investiert oder konsumiert, sondern gespart. Das sollte es ja auch, um von den hohen Schulden runterzukommen. Dies gilt sowohl für den privaten, wie auch den staatlichen Sektor. Dann kann man aber nicht erwarten, daß das Kreditvolumen, welches die Banken vergeben, ausgeweitet werden kann. Was sollen also die Banken mit dem ganzen Geld anfangen, das ihnen die Zentralbank zur Verfügung stellt? Sie müssen es ja irgendwie anlegen. Also investiert man selbst in vorhandene Wirtschaftsgüter, wie in Aktien, Immobilien, Anleihen oder aber in Zockerpapiere. Da pumpt sich dann u. U. die nächste Blase auf und hinterher reibt man sich dann verwundert die Augen und fragt sich, wie konnte das wieder passieren, warum hat man da nicht besser aufgepaßt. Der Effekt der Staatsanleihekäufe ist der gleiche: In dem Maß, wie die Zentralbank kauft, steigen deren Kurse. Die Banken steigen als Folge aus diesen riskaten Anlagen aus und müssen nun dies Geld anders verwenden. Wobei bei der Anlage in Papiere m. E. die Vervielfachung der Zentralbankgeldmenge, wie im normalen Kreditgeschäft gar nicht möglich, weil zu riskant ist. Daher dürfte der gewünschte Effekt, Wachstum zu erzeugen, weitgehend verpuffen. Das Geld kann nicht effektiv im Sinne des gewünschten Effekts eingesetzt werden.

  • Ich befürchte die beiden haben Recht, es gibt keinen anderen Ausweg als Inflation (evtl. Schuldenschnitt).

    Wer glaubt alles passiert gegen den Willen von Merkel und Schäuble ist naiv.

    Sie könnten sich leicht ändern, sie wollen es aber nicht, wofür auch? Alle Staaten werden ihre Schulden los. Sie können gemütlich ihre Party noch lange weiter machen.

    Ein Austritt Deutschlands aus dem Euro wird es auf keinen Fall geben. Alle unsere führenden Poliker wären ihren Job los, das werden sie niemals zulassen.

    Draghi macht nur die Drecksabeit. Entschuldung über Inflation. Der sanfteste Weg und die längste Weg aus der Kriese, aber eine Option.

    Unsere "Führer" sind nur scheinheilig und wollen offiziell in der Geschichtsbüchern die sein, die dagegen waren...

    Also heiß es nun: Nicht rumjammern, einfach das Beste aus der Situation machen. Es wird sich sowieso nichts ändern.

    Gegen Inflation schützen mit Aktien und Edelmetallen. Dann kann einem die Inflation egal sein.

    Inflation hat in den südlichen Ländern auch für viele Jahre prima geklappt.

    Es profitieren Menschen mit Schulden. Für unsere Banken, Exportindustrie ist es auch prima.

    Für Leute die Rente oder Harz IV bekommen ist es egal, da passt sich alles mit der Inflation "in etwa" an.

    Angeschmiert sind nur Sparer mit Lebensversicherung und privater Rente, usw. die können sich am schlechtesten wehren.

    Schuldenabbau ohne auf der anderen Seite Vermögen vernichten geht nicht. Den letzten beissen bekanntlich die Hunde....

  • :)
    Jep, so kann diese Bank ja die verbrannte nasse Kohle wenigstens noch gut "anlegen".

  • Klar lohnt es sich - für die Deutsche Bank und Konsorten. Deshalb stoßen die ins altbekannte Horn und deklamieren, das System "Kapital + Zins + Zinseszins" sei das Nonplusultra. Es wird Zeit für eine kraftvolle Gegenbewegung in Sachen Geldsystem.

  • "Nach ihrer Überzeugung führt die Euro-Rettung geradewegs in die Inflation. Schlimm sei das nicht, denn der Schritt werde sich langfristig lohnen. "

    Fuer die Deutsche Bank halt. Aber die Aussage selber ist an Dreistigkeit nicht mehr zu ueberbieten. Was kuemmert mich das Volk und seine Altersvorsorge, das Volk und seine Ersparnisse, etc. Aber andererseits kenne ich jetzt die Gesinnung der Deutschen Bank. Also ich werde mich als Anleger dort nicht bewegen.

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