Folgen der Finanzkrise
US-Wirtschaft schrumpft

Die Folgen der Finanzkrise lassen sich in den USA nun auch an der Wirtschaftsleitung ablesen: Die US-Wirtschaft ist im Sommer so stark geschrumpft wie seit sieben Jahren nicht mehr. Allein die Ausgaben für Verbrauchsgüter wie Lebensmittel brachen so stark ein wie nie seit Ende 1950. Experten sehen das Land bereits auf dem Weg in die Rezession.

HB WASHINGTON. Hauptgrund für das Schrumpfen waren die sinkenden Ausgaben der Verbraucher und nachlassende Investitionen der Firmen, wie das US-Wirtschaftsministerium am Donnerstag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Zwischen Juli und September sank das Bruttoinlandsprodukt mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 0,3 Prozent. Dies war der stärkste Rückgang der seit Sommer 2001. Analysten hatten sogar ein Minus von 0,5 Prozent erwartet. Im Frühjahrsquartal hatte es noch ein Wachstum von 2,8 Prozent gegeben.

Die Verbraucher gaben 3,1 Prozent weniger aus als im Frühjahr. Dies war der erste Quartalsrückgang beim privaten Konsum seit Ende 1991 und das stärkste Minus seit 1980. Die Ausgaben für Verbrauchsgüter wie Lebensmittel und Papierwaren brachen so stark ein wie nie seit Ende 1950. Die Konsumausgaben sind für die Wirtschaft in den USA so wichtig, da sie rund zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes ausmachen.

Die verfügbaren Einkommen in den USA sanken im dritten Quartal mit einer Rekordgeschwindigkeit von 8,7 Prozent. Das Exportwachstum schwächte sich von 12,3 Prozent im Vorquartal auf 5,9 Prozent ab. Die Importe sanken um 1,9 Prozent, nachdem sie im Vorquartal noch um 7,3 Prozent gefallen waren. Die Investitionen der Unternehmen sanken um 1,0 Prozent, nach einem Zuwachs um 2,5 Prozent im Quartal zuvor.

Die größte Volkswirtschaft der Welt steht nach Ansicht von Experten am Rande einer Rezession. „Die USA befinden sich eindeutig in einer Rezession und dies wird nun durch die BIP-Daten belegt“, sagte Roger Kubarych, US-Chefvolkswirt von Unicredit sogar. Seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 hat die US-Notenbank ihre Geldpolitik kräftig gelockert, um der schwächelnden Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Am Mittwochabend senkte die Federal Reserve ihren Leitzins von 1,5 auf 1,0 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit Mitte 2004. Die Zentralbanker um Ben Bernanke begründeten ihren Schritt mit dem kräftigen Abschwung, für den sie vor allem auch die Zurückhaltung der US-Verbraucher verantwortlich machten.

Die annualisierte Kernrate des Preisindex PCE sprang im dritten Quartal auf 2,9 Prozent. Dies ist die höchste Rate seit über zwei Jahren. Im Vorquartal hatte sie noch bei 1,8 Prozent gelegen. Die Kernrate des PCE wird von der US-Notenbank besonders stark beachtet. Der Gesamtindex des PCE stieg um 5,4 Prozent und damit so stark wie seit rund 18 Jahren nicht mehr.

Nach den Hilfen für die Finanzbranche stehen US-Regierung und Regulierungsbehörden Kreisen zufolge kurz vor der Fertigstellung eines milliardenschweren Pakets für Hausbesitzer. Mit möglichen Regierungsgarantien in Höhe von bis zu 600 Milliarden Dollar sollten verschuldete Eigentümer vor Zwangsvollstreckungen geschützt werden, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die erwarteten Kosten für die Regierung würden aber nur einen Bruchteil des Volumens der Garantien betragen, da es Ziel des Programms sei, Zahlungsverzüge bei Häuserkrediten zu verhindern.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA hat sich in der abgelaufenen Woche indes überraschend nicht verändert. Die Zahl habe bei 479 000 verharrt, teilte das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mit. Volkswirte hatten zuvor mit einem Rückgang auf 475 000 gerechnet. Der Wert der Vorwoche wurde von 478 000 auf 479 000 revidiert. Im aussagekräftigeren Vierwochendurchschnitt sank die Zahl der Erstanträge um 5 000 auf 475 500.

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