Folgen der Japan-Katastrophe: Wirtschaftsweiser gibt Entwarnung für die Weltwirtschaft

Folgen der Japan-Katastrophe
Wirtschaftsweiser gibt Entwarnung für die Weltwirtschaft

Kann das Unglück in Japan die Weltwirtschaft ins Wanken bringen? Wolfgang Franz, der Chef der Wirtschaftsweise gibt eine kleine Antwort: nein! Eine erneute globale Rezession sei nicht zu befürchten.
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FrankfurtDer Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, hat trotz des folgenreichen Unglücks in Japan Entwarnung für die Weltwirtschaft wie auch für die deutsche Wirtschaft gegeben: "Eine erneute globale Rezession befürchte ich nicht, auch nicht eine hiesige deutliche Konjunkturabschwächung", sagte der Chef des Sachverständigenrates dem Handelsblatt. "Nur etwas über ein Prozent unserer Exporte geht nach Japan und knapp drei Prozent unserer Importe beziehen wir von dort", ordnete Franz ein. Einige deutsche Unternehmen könne es allerdings temporär hart treffen, wenn sie sehr stark in Japan engagiert seien. Eine indirekte Wirkung könne zudem von Drittlandeffekten ausgehen: "Länder, deren Exportanteil nach Japan sehr hoch ist und die demzufolge zumindest kurzfristig in Mitleidenschaft gezogen werden, können ihre Importe aus Deutschland zeitweilig zurückfahren". Dies sei aber sehr schwer zu beziffern und "vermutlich eine temporäre Erscheinung", so Franz.

Die Naturkatastrophe erschüttert Japan zu einer Zeit, in der politische Unruhen Nordafrika beherrschen, die US-Wirtschaft fragil ist und Europa gegen die Schuldenkrise kämpft. All diese Entwicklungen seien "höchst unsicher, Prognosen daher auch", gab Franz zu Bedenken. Vor allem die Folgen der Nuklearkatastrophe seien nicht absehbar. "Die Schäden des Erdbebens dagegen dürften auf den Weltmärkten nur kurzfristig zu Produktions- und Nachfrageausfällen führen, lehren uns frühere Katastrophen, die allerdings zugegebenermaßen kleiner waren", sagte er.

Der japanischen Regierung rät der deutsche Ökonom zu Steuererhöhungen: Angesichts der hohen Staatsverschuldung werde sie entgegen erster Ankündigungen wohl nicht umhin kommen zu erwägen, den Wiederaufbau durch einen Zuschlag zur Einkommen- oder zur Umsatzsteuer zumindest teilweise zu finanzieren. "Sie könnte eine Art „Erdbeben-Soli“ erheben", schlägt Franz vor. "Je eher eine solche natürlich unpopuläre Maßnahme umgesetzt wird, um so größer dürfte die Akzeptanz bei den Steuerzahlern sein, wenn sie die Katastrophenbilder frisch in Erinnerung haben", prognostiziert der Wirtschaftswissenschaftler. So könne auch eine Staatspleite vermieden werden.

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