Folgen der Krise
Industrieproduktion sinkt im Rekordtempo

Wegen der anhaltenden Auftragsflaute hat die Industrie in den 16 Euro-Ländern ihre Produktion in Rekordtempo gedrosselt. Die weltweite Rezession dämpfte auch das Wachstum der Industrieproduktion in China.

HB BRÜSSEL/PEKING. Die Unternehmen der Euro-Zone stellten im März 20,2 Prozent weniger her als vor einem Jahr, wie Eurostat am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Verglichen mit dem Vormonat sank die Produktion um zwei Prozent und damit doppelt so stark wie von Experten vorhergesagt. Zudem fiel der Rückgang im Februar mit 2,5 Prozent deutlicher als zunächst gemeldet aus.

Damit wird wahrscheinlicher, dass die Wirtschaft des Euro-Raums im ersten Quartal so stark geschrumpft ist wie noch nie. „Die Zahlen bestätigen, dass sich die Rezession zu Jahresbeginn verschärft hat“, sagte Volkswirt Ben May von Capital Economics. Analysten rechnen mit einem Minus von zwei Prozent. Die Daten werden an diesem Freitag veröffentlicht. Die Industrie macht etwa 17 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus.

Die weltweite Rezession macht sich auch in China bemerkbar: Das Wachstum der Industrieproduktion ging im April deutlich zurück. Verglichen mit dem Vorjahr stellten die Industriebetriebe nur noch 7,3 Prozent mehr her, nach 8,3 Prozent im März, wie das nationale Statistikamt am Mittwoch mitteilte. Allerdings war das Wachstum in den ersten beiden Monaten des Jahres noch deutlich schwächer. „Wir können daraus schließen, dass die Wirtschaft ihre Talsohle findet“, sagte Xing Zhiqiang von der China International Capital Corp. Positive Nachrichten kamen vom Einzelhandel, wo die Umsätze mit 14,8 Prozent überraschend stark zulegten.

Experten warnten zwar davor, den Einzelhandelsumsätzen zu viel Gewicht beizumessen, weil sie sowohl die Ausgaben der Verbraucher als auch des Staates enthalten. Dennoch zeige sich, dass das Konjunkturprogramm der Regierung in Peking die heimische Nachfrage ankurble, sagte Brian Jackson von der Royal Bank of Canada. Die schwache Nachfrage aus dem Ausland bremse aber die Wirtschaft ab.

China leidet besonders unter dem Einbruch des Welthandels; die Exporte gingen zuletzt kräftig zurück. Die Regierung in Peking will mit einem umgerechnet 585 Milliarden Dollar schweren Konjunkturpaket gegenhalten und die heimische Nachfrage stärken. Im ersten Quartal ging das Wachstum auf 6,1 Prozent zurück und war damit so niedrig wie seit mindestens 17 Jahren nicht mehr. 2008 war die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt noch um neun Prozent gewachsen. Nach Regierungsschätzungen haben inzwischen 23 Millionen Wanderarbeiter ihre Stelle verloren.

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