Folgen der Subprime-Krise
Notenbanken springen in die Bresche

Die sieben wichtigsten Zentralbanken der Welt haben in einer konzertierten Aktion die Finanzmärkte mit zusätzlichem Geld versorgt. Dadurch soll eine schwere Liquiditätsklemme für die Banken verhindert werden. Die weltweiten Börsen reagierten mit Kursgewinnen. Experten sahen in der Finanzspritze auch Anzeichen dafür, dass die Zentralbanker befürchten, die Krise könnte noch lange anhalten.

DÜSSELDORF. Die US-Federal Reserve, die Europäsiche Zentralbank (EZB), sowie die Zentralbanken der Schweiz, Kanadas, Großbritanniens, Schwedens und Japans schlossen sich einer Vereinbarung an, die vor allem darauf abzielt, den Finanzinstituten zusätzliche Dollar-Liquidität bereit zu stellen. Eine derartige konzertierte Aktion gab es zuletzt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Hintergrund ist die von Problemen am US-Immoblienmarkt ausgelöste Krise an den Kreditmärkten. Ausfälle bei zweitklassigen Hypotheken (Subprime) haben zu teilweise dramatischen Wertverlusten von verbrieften Krediten und daraus abgeleiteten Finanzinstrumenten geführt, die direkt oder indirekt mit solchen Hypothekenforderungen besichert sind. Da laufend neue Verluste und Abschreibungen bei den Finanzinstituten bekannt werden, ist noch nicht klar, wie groß die Verluste sind und bei wem sie anfallen. Dadurch ist der Geldmarkt, auf dem die Banken sich untereinander mit Liquidität versorgen fast ausgetrocknet.

Auch der in der Vergangenheit stark beschrittene Weg, sich zu refinanzieren, indem man vergebene Kredite in Wertpapiere umwandelt und an den Kapitalmarkt weiterreicht, steht den Banken nur noch sehr eingeschränkt offen, da diese Wertpapiere in Verruf geraten sind. Wenn sie nicht genug Kredit bekämen, um die Aktivseite ihrer Bilanz zu refinanzieren, müssten die Banken ihre Aktiva verkaufen. Das könnte, wenn es auf breiter Front passiert, dazu führen, dass die Kurse in den Keller gehen und die Krise auf immer mehr Wertpapierarten übergreift.

„Die Art der Maßnahmen deutet darauf hin, dass es hier nicht nur darum geht mögliche Verspannungen zum Jahreswechsel abzumildern“, sagte Thomas Mayer, Ko-Leiter Volkswirtschaft der Deutschen Bank. „Die Zentralbanken scheinen davon auszugehen, dass die Krise an den Kreditmärkten noch Monate anhält.“

Die Federal Reserve hat als zusätzliches Instrument der Liquiditätsversorgung eine regelmäßige Versteigerung an Zentralbankkrediten eingeführt, an der im Prinzip alle Banken teilnehmen können. Bereits am nächsten Montag werden die ersten 20 Mrd. Dollar versteigert, am 20. Dezember folgt das nächste Geschäft. Weitere Auktionen von Krediten, die jeweils 35 Tage laufen kündigte die Federal Reserve bis Ende Januar an. Eine Fortsetzung darüber hinaus stellte sie in Aussicht.

Der Europäischen Zentralbank stellt die Fed in einem so genannten Swap Agreement 20 Mrd. Dollar zur Verfügung, welche die EZB ebenfalls in Form einer Versteigerung unter die Banken bringt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%