Forderungen nach Rücktritt reißen nicht ab
Druck auf Welteke erhöht sich ständig

Auch nach der Entscheidung, sein Amt ruhen zu lassen, steht Bundesbankpräsident Ernst Welteke unter massivem Rücktrittsdruck. Der Sprecher des Finanzministeriums, Jörg Müller, sagte in Berlin, Die Bundesregierung gehe davon aus, „dass der Bundesbankpräsident in seiner Verantwortung vor dem Amt und der Institution Bundesbank jetzt notwendige Konsequenzen ziehen wird“

HB FRANKFURT. Der kommissarische Bundesbank-Chef Jürgen Stark (55) sagte in einem ZDF-Interview, Kommentare und Erwartungen „von Seiten Berlins“ könnten „als Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit und Unabhängigkeit der Bundesbank“ gewertet werden. Ein Regierungssprecher wies am Freitag Medienberichte zurück, wonach es einen Streit zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Welteke zur Frage des Verkaufs von Goldreserven der Bundesbank gegeben habe. Die Diskussion sei von den aktuellen Vorgängen um den umstrittenen Hotel-Aufenthalt Weltekes zu trennen, hieß es.

Der Vorstand der Bundesbank hatte zuvor nach mehrstündigen Beratungen keinen hinreichenden Grund für eine Abberufung Weltekes feststellen können. Am Donnerstag kündigte er eine Verschärfung der Verhaltensregeln für die eigenen Mitglieder an. Welteke selbst zieht nach eigenen Angaben in Betracht, gegen unzutreffende Medienberichte rechtlich vorzugehen.

Welteke hatte sich und seiner Familie die Unterbringung im Berliner Luxushotel Adlon zur Jahreswende der Euro-Bargeld-Einführung 2001/2002 von der Dresdner Bank bezahlen lassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Frankfurter Großbank wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung. „Wir sehen keinen Anlass für einen strafrechtlichen Vorwurf“, sagte ein Sprecher der Dresdner Bank am Donnerstag.

Von der Bundesbank müsse „weiterer Schaden abgewendet werden“, erklärte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer am Donnerstag. Deshalb müsse Welteke umgehend die nötigen Konsequenzen ziehen. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Michael Glos, warnte die Bundesregierung, eine mögliche Nachfolgefrage mit dem Parteibuch zu verknüpfen. Als Favorit für die Nachfolge Weltekes hatte zuletzt der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Caio Koch-Weser (59), gegolten.

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