Forsa-Umfrage zur Konjunktur
SPD-Anhänger wollen Haushaltsloch statt Schlagloch

Mehr Investitionen, mehr Schulden: Davon hält SPD-Chef Gabriel nichts. Er peilt einen ausgeglichenen Haushalt an. Doch die eigenen Wähler sehen das anders. In punkto Rezession sind sich die Deutschen aber einig.
  • 8

FrankfurtDie Schwarze Null steht bei den roten Wählern nicht hoch im Kurs. Die Mehrheit der SPD-Anhänger will mehr Investitionen – auch zulasten eines ausgeglichenen Bundeshaushalts, an dem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und die Regierungskoalition weiterhin festhalten will, wie er am Dienstag sagte.

Die Wachstumsschwäche in Europa lasse sich nicht durch eine veränderte Finanzpolitik in Deutschland beheben, sagte er am Dienstag. „Mehr Schulden in Deutschland schaffen kein Wachstum in Italien, Frankreich, Spanien oder Griechenland.“

In den eigenen Reihen kommt dieser Kurs allerdings nicht gut an: Die Mehrheit der SPD-Anhänger ist bereit, das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts zugunsten höherer Investitionen aufzugeben. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts für das Handelsblatt hervor.

Forsa befragte dafür am 13. und 14. Oktober insgesamt 1001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger. Demnach wollen nur 45 Prozent der SPD-Anhänger am Ziel eines ausgeglichenen Haushalts in Deutschland festhalten – 52 Prozent sprechen sich hingegen für höhere Investitionen aus, auch wenn dafür neue Schulden gemacht werden müssten.

Infografik

Verfall der deutschen Infrastruktur

Mrd. Euro


Angesichts schwacher Konjunkturdaten steht die Bundesregierung unter Druck. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte in seinem jüngsten Wirtschaftsausblick Deutschland dazu aufgerufen, mehr in Infrastruktur zu investieren.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher bezeichnete die Nullverschuldung als das „völlig falsche Signal an die Wirtschaft“. Wenn es zu einer konjunkturellen Abschwächung kommen sollte, habe er allerdings die Hoffnung, dass es zu einer Abkehr von der Schwarzen Null kommen werde.

Seite 1:

SPD-Anhänger wollen Haushaltsloch statt Schlagloch

Seite 2:

Deutsche halten Rezessionsangst für übertrieben

Kommentare zu " Forsa-Umfrage zur Konjunktur: SPD-Anhänger wollen Haushaltsloch statt Schlagloch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Korrektur des letzten Beitrages:

    Zu Zeiten Kohls wurde der Spitzensteuersatz enorm gesenkt!

    Begründung, der ältere Wähler wird sich erinnern:

    Auf diese Weise fließt mehr Geld in die Wirtschaft, die Wirtschaft wird angekurbelt...

    So erzählte der "christliche" Kohl!

    Geflossen ist das freiwerdende Geld sicherlich, wenn auch nicht unbedingt in die Wirtschaft!

    Vor dieser Zeit wurde kein Hoeneß bekannt, keine Alice Schwarzer, keine geschätzten 200 Mrd. die allein in der Schweiz schwarz und "steuermildernd" geparkt wurden, es gab keine tausende Selbstanzeigen, das Geld wurde schlicht und einfach in Deutschland ausgegeben.

    Es wurde kein Strom abgeschnitten, den Alleinerziehenden drohte kein Leben unter dem Existenzminimum, die Renten wurden ohne Steuern und Krankenversicherung bezahlt.

    Der Abstand des Einkommens zwischen der unteren Hälfte der Bevölkerung und den Reichen war im Rahmen einer sozialen Marktwirtschaft erklärbar.

    Lang, lang ist's her!

    Aber die Schwarz/Rot/Grün(/Gelbe) Koalition ist sich einig, der Spitzensteuersatz darf nicht erhöht werden, nur die Sozialbeiträge, die kann man fleißig "anpassen", zumindest, solange die Bezahlenden unter der Beitragsbemessungsgrenze liegen. Im Gegensatz zu den Reichen werden diese sich nicht wehren!

  • Wie sagte Merkel vor der Wahl sinngemäß:
    "Uns ging es seit der Wiedervereinigung noch nie so gut!"

    Die Billionen Volksvermögen steigen und steigen,

    parallel zu der Anzahl der Schlaglöcher, möchte ich ergänzen!

    Was stellte die neutrale OECD fest:
    - Die Wirtschaftspolitik in Deutschland ist unsozial!

    - Die maximale Abgabenbelastung ist, auch wenn Merkel andauernd von den ach so sehr belasteten starken Schultern spricht, eben nicht bei den Reichen sondern beim Mittelstand. (Ergänzung von mir: ganz zu schweigen von der Belastung der Arbeitslosen, die dank Vorsorge für das Alter keinen Cent von der Arbeitsagentur erhalten, aber u.a. Krankenversicherungsbeiträge bezahlen müssen.)

    Kann es sein, dass genau deswegen die oben angegebenen Billionen wachsen?

    Und die Lösung wäre so einfach!

    Nehmen wir doch Merkel beim Wort!
    Die Abgabenbelastung muss stetig mit dem Einkommen wachsen.
    Die starken Schultern müssen auch relativ mehr bezahlen als z.B. Arbeitslose!

    Weg mit den Steuerschlupflöchern!

    Und schon wäre genügend Geld für die Beseitigung der Schlaglöcher da.

  • "Haushaltsloch statt Schlagloch"
    Wollen wir wetten, daß wir alle letztendlich BEIDES bekommen (bzw. behalten) werden?!
    Die Straßen sind teilweise auf dem Weg zum ostzonalen Zustand der letzten "DDR"-Jahre. Man baut darauf, daß der dt. Michel das erst nach Jahren so richtig wahrnimmt und sich schon lange vorher an diesen schleichenden Zustand gewöhnt hat.
    Das Geld wird bei uns für viel Wichtigeres benötigt als für Mobilität oder gar für eine funktionierende Wirtschaft ("*Igittpfuibäh*"), z.B. für die Folgeschäden der "Energiewende" sowie v.A. für den massenhaften Import von hochqualifizierten, hochmotivierten und kostenträchtigen Spitzenkräften aus aller Herren Länder nach DE sowie für deren Bewachung durch die grüne bzw. blaue Trachtentruppe.
    Die gerechteste Lösung kann eigentlich nur darin bestehen, den Kauf und den Unterhalt von geeigneten geländegängigen Fahrzeugen großflächig zu subventionieren! Erst wenn JEDER sein SUV hat, spielt der Straßenzustand keinerlei Rolle mehr. DANN spart der Staat richtig Geld!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%