Forscher erwarten höhere Inflation
Institute erhöhen offenbar Wachstumsprognose

Die sechs führenden deutschen Forschungsinstitute beurteilen die deutsche Konjunktur in ihrem Frühjahrsgutachten nach Angaben aus Koalitionskreisen deutlich zuversichtlicher als im Herbst.

HB BERLIN. Die Mehrwertsteuererhöhung wird ihren Berechnungen zufolge den Aufschwung 2007 dann aber deutlich abbremsen und die Inflation in die Höhe treiben, gleichzeitig aber die Neuverschuldung deutlich reduzieren.

Die Wirtschaftsforscher rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum von 1,8 Prozent, nachdem sie im Herbst lediglich 1,2 Prozent veranschlagt hatten und die Wirtschaft 2005 um 0,9 Prozent gewachsen war, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus mit dem Gutachten vertrauten Kreisen der Regierungskoalition. Für das kommende Jahr prognostizieren die sechs Institute eine Abschwächung des Wachstums auf 1,2 Prozent.

Die Arbeitslosenquote wird der Prognose zufolge in diesem Jahr auf 10,6 Prozent und 2007 auf 10,2 Prozent sinken, nachdem sie im vergangenen Jahr noch bei 11,7 Prozent gelegen hatte.

Die Institute stellen ihr Frühjahrsgutachten offiziell am Donnerstag vor. Die Regierung geht bislang in diesem Jahr von einem Wachstum von 1,4 Prozent aus. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wird jedoch als Grundlage für die Steuerschätzung am Freitag eine überarbeitete Prognose vorlegen. In Regierungskreisen hatte es vor einigen Tagen geheißen, dass die neue Regierungsprognose auf etwa 1,6 Prozent erhöht werden könnte, vielleicht sogar etwas darüber. Banken-Volkswirte rechnen ebenfalls im Schnitt mit einem Wachstum in dieser Größenordnung. Angesichts der vom Ifo wiederholt festgestellten Hochstimmung deutscher Firmen halten jedoch immer mehr auch eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um zwei Prozent für möglich.

Weiter rechnen die Forscher den Angaben zufolge in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen Inflation von 1,6 Prozent. Für 2007 errechnen sie einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,5 Prozent. Die Steuererhöhung wird den Angaben zufolge Anfang 2007 zwar einen Preissprung auslösen, gleichzeitig jedoch eine Wohltat für die Staatsfinanzen sein. Dank des Aufschwungs kann die Bundesrepublik nach Einschätzung der sechs Institute bereits 2006 wieder den europäischen Stabilitätspakt einhalten: Die Ökonomen rechnen für das laufende Jahr mit einer Defizitquote von 2,9 Prozent. Im kommenden Jahr sollen es rund zwei Prozent sein - gut einen Punkt unter der erlaubten Obergrenze.

Die Bundesregierung geht bislang von deutlich pessimistischeren Annahmen aus. Für 2006 erwartet Finanzminister Peer Steinbrück eine Defizitquote in Höhe von 3,3 Prozent. Allerdings hatte er mehrfach betont, ein Unterschreiten der Drei-Prozent-Grenze für möglich zu halten. Im kommenden Jahr wird die Defizitquote nach Berechnungen seines Ressorts bei 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen.

Bei ihren Prognosen unterstellen die Institute den Angaben der Koalitionskreise zufolge in diesem Jahr einen Ölpreis von 65 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter), der 2007 auf 60 Dollar sinkt. Weiter nehmen sie für beide Jahre einen durchschnittlichen Euro-Kurs von 1,20 Dollar an. Die Europäische Zentralbank wird der Prognose zufolge in diesem Jahr den Leitzins um insgesamt 0,5 Basispunkte auf 3,0 Prozent erhöhen und ihn 2007 auf diesem Niveau belassen, hieß es weiter.

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