Forschungsinstitute
Erholung schwächt sich etwas ab

Die Konjunktur in Deutschland verliert nach Ansicht des DIW-Instituts zum Jahresende etwas an Fahrt. Laut einer Ifo-Studie klagen die Unternehmen zudem verstärkt über Kreditbedingungen.
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HB BERLIN. Von Oktober bis Dezember dürfte die Wirtschaft um 0,6 Prozent zum Vorquartal wachsen, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag. Die Berliner Forscher sehen den Aufwärtstrend weiter intakt, äußerten sich aber etwas weniger optimistisch als zuletzt. Bisher hatten sie für das Jahresende ein Wachstum von 0,8 Prozent vorausgesagt. „Grund hierfür ist die Entwicklung in den Industriesektoren, deren Wachstumsdynamik mit 1,6 Prozent weniger kräftig ausfällt als noch im November veranschlagt wurde“, hieß es zur Erklärung.

Im Sommerquartal hatte die deutsche Wirtschaft um 0,7 Prozent zugelegt und sich damit endgültig aus der Rezession gelöst. Für das nächste Jahr erwarten die meisten Experten zwar ein Wirtschaftswachstum von bis zu zwei Prozent, sehen aber vorerst noch keinen stabilen und selbsttragenden Aufschwung. Das DIW veröffentlicht seine neue Konjunkturprognose am 7. Januar.

Nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wird die deutsche Wirtschaft erst Ende 2010 wieder in Fahrt kommen. In den Jahren 2011 bis 2014 werde die Wirtschaft dann wieder stärker wachsen, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Die Konjunktur werde sich bis dahin nach dem drastischen Einbruch in diesem Jahr nur zögerlich erholen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird nach der mittelfistigen Prognose des IWH in den Jahren 2012 bis 2014 pro Jahr um durchschnittlich 2 Prozent zunehmen. Für 2010 geht das Institut von einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent, für 2011 von 1,8 Prozent aus.

Die Unternehmen in Deutschland klagen dem Ifo-Institut zufolge zum Jahresende verstärkt über Schwierigkeiten bei der Kreditversorgung. 44,3 Prozent der befragten Firmen bezeichneten die Kreditvergabe der Banken als restriktiv, das seien 1,4 Prozent mehr als im November, teilten die Münchner Forscher am Dienstag zu ihrer Erhebung unter etwa 4000 Unternehmen mit. Besonders im Bau verschlechterte sich der Zugang der Firmen zu Darlehen; inzwischen klagen in der Branche mehr als die Hälfte aller Unternehmen über Probleme, so viele wie seit über drei Jahren nicht. „Da der Bau eine der Schlüsselbranchen ist, könnte ein Aufschwung an der Kredithürde im Bausektor scheitern, wenn das Bankensystem nicht in die Lage versetzt wird, seine Kredite zu erhöhen“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Im Verarbeitenden Gewerbe entspannte sich die Lage bei den größeren Unternehmen etwas, wenn auch nach wie vor mehr als die Hälfte der Firmen über Restriktionen klagte. Zugleich verschärfte sich der Zugang der kleineren Betriebe zu Fremdkapital. Auch im Handel bezeichneten mehr Firmen als im Vormonat die Kreditversorgung als restriktiv. Die Bundesregierung warnt die Banken seit längerem davor, den Firmen den Geldhahn abzudrehen und damit den Aufschwung zu schwächen.

Die Aussichten für eine schnelle Erholung der Investitionen in Deutschland laut einer weiteren Ifo-Studie düster. Die Leasingbranche erwarte ein schwieriges Jahr 2010, teilte das Münchner Ifo-Institut zum gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen erhobenen Investitionstest mit. Das Barometer deute auf einen weiteren deutlichen Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen.

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