Forschungsinstitute in der Kritik
Bundesregierung strebt neues Verfahren für Konjunkturprognose an

Die Diskussion um die Zukunft der Gemeinschaftsdiagnose verschärft sich. Nach Informatioen des Handelsblattes favorisiert die Spitze des Bundeswirtschaftsministeriums die Lösung, die Konjunkturprognosen nach dem Vorbild der Steuerschätzung zu erstellen, was den Instituten Kopfschmerzen bereitet.

DÜSSELDORF. Die Experten befürchten, dass sie ihre Prognosen bald nicht mehr losgelöst von verschiedenen Interessen erstellen können. Noch in diesem Jahr werden sie sich mit Ministeriumsvertretern zusammensetzen, um über die Zukunft des halbjährlichen Gutachtens zu sprechen. Eine endgültige Lösung soll es aber erst im kommenden Jahr geben, hieß es in Regierungskreisen. Mindestens das Frühjahrsgutachten 2007 werde noch in der alten Form erstellt.

Bereits vor einigen Wochen waren Überlegungen des Bundeswirtschaftsministeriums bekannt geworden, das Verfahren der Gemeinschaftsdiagnose zu verändern. Das Frühjahrs- und Herbstgutachten, das seit 1950 die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erstellen, war zuletzt zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. So hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel unmittelbar vor der Veröffentlichung des Herbstgutachtens im Oktober kritisiert, angesichts der erheblichen Schwankungen zwischen Frühjahrs- und Herbstprognose würde „ein bisschen Vorsicht vielleicht den Wirtschaftsforschungsinstituten ganz gut tun“. Sie sollten künftig stärker deutlich machen, wie wahrscheinlich das Eintreffen ihrer Prognosen sei. Im Herbstgutachten hatten die Institute ein Wachstum von 2,3 Prozent für 2006 vorausgesagt, im Frühjahrsgutachten noch 1,8 Prozent geschätzt.

Im Durchschnitt der vergangenen vier Jahrzehnte schrammten die Prognosen in der Gemeinschaftsdiagnose um 1,4 Prozentpunkte an der tatsächlichen Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes vorbei, in den vergangenen zehn Jahren um einen Punkt, hat der Leipziger Wirtschaftsforscher Ullrich Heilemann berechnet. International rangierten die deutschen Prognostiker damit im Mittelfeld.

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