Forschungsoffensive
Der Innovationsmotor läuft

Die Industrie will die Erträge aus der guten Konjunkturlage nutzen, um in Forschung und Entwicklung zu investieren. Denn nur Innovationen sichern auch langfristig den Erfolg auf den Weltmärkten. Doch für eine große Forschungoffensive fehlt den Firmen das Fachpersonal.
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BERLIN. Die deutsche Wirtschaft will die gute Ertragslage des aktuellen Aufschwungs nutzen, um ihre Wettbewerbsposition weiter zu stärken. Bereits in der jüngsten Krise hatten die Unternehmen – anders als in früheren Rezessionen – ihr finanzielles Engagement im Bereich Forschung und Entwicklung kaum reduziert. Und nun wollen sie noch einmal stark nachlegen, wie eine Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zeigt.

Nach den bislang unveröffentlichten Daten, die dem Handelsblatt vorliegen, wollen 2011 fast doppelt so viele Unternehmen wie im abgelaufenen Jahr ihre „Innovationsaktivitäten“ verstärken. Darunter fallen beispielsweise ein Ausbau von Forschung und Entwicklung, entweder in Eigenregie oder in Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten, ebenso eine engere Kooperation mit Hochschulen oder auch die Absicht, zusätzliches Personal für diese Bereiche zu rekrutieren.

Die Prognose stützt sich auf eine Befragung von 800 Firmen. Konkret verweisen 33 Prozent der Unternehmen darauf, dass sie ihren Innovationsaufwand schon in den vergangenen zwölf Monaten erhöht hätten. Für die kommenden zwölf Monate kündigten nun sogar 60 Prozent zusätzliche Aktivitäten an – eine „rekordverdächtige Entwicklung“, urteilt DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. „Deutsche Unternehmen investieren im kommenden Jahr massiv in neue Produkte und Dienstleistungen.“

Dazu habe, neben den Unternehmen selbst, auch die Regierung einen guten Beitrag geleistet, lobt Driftmann: „Die Politik hat ihrerseits die Mittel für Forschung und Wissenschaft zuletzt ebenfalls ausgeweitet – trotz notwendiger Haushaltskonsolidierung.“ Und auch aus dem Blickwinkel der Betriebe habe die Innovations- und Förderpolitik „unterm Strich ein recht ordentliches Zeugnis verdient.“

Die Ergebnisse sind auch deshalb beachtlich, weil sich damit das Bild der deutschen Wirtschaft in einem weiteren Punkt zu ändern beginnt: Nach dem Aufstieg vom „kranken Mann“ zur „Konjunkturlokomotive“ profiliert sie sich nun auch als Forschungsstandort. Die Zeit, in der Deutschlands Gesamtaufwendungen für Forschung und Entwicklung bei 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dümpelten, scheint vorbei. Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat für 2008 soeben einen Wert von 2,8 Prozent ermittelt – besser als die USA. Nun rücke 2011 sogar erstmals das stets beschworene „Drei-Prozent-Ziel“ in greifbare Nähe, erwartet der DIHK.

Mit dem Innovationseifer wächst indes die Gefahr, dass Unternehmen durch einen Mangel an Fachkräften ausgebremst werden. Laut DIHK-Report stufen die Firmen den Ausbau der Fachkräftebasis als Top-Priorität für den „Innovationsstandort Deutschland“ ein – mit klarem Abstand vor den Dauerbrenner-Themen Steuervereinfachung und Bürokratieabbau.

„Der zunehmende Mangel an Forschern und Spezialisten wird zu einem gravierenden Innovationshemmnis“, warnt Driftmann. Umso mehr müsse die Politik „schnell und wirksam handeln“ – etwa indem sie die Zuwanderung Hochqualifizierter vereinfache. 30 000 Fachkräfte und Forscher fehlten bereits, rechnet Driftmann vor. Allein deswegen „unterbleiben in Deutschland geschätzt rund vier Milliarden Euro an Innovationsausgaben.“

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Also ich habe ein innovative idee für die eine Millarde Euro EU Forschungsgeld zur Verfügung gestellt wurde.

    Leider haben die Dr. Titel inhaber der Elite Uni Karlsruhe, die nebenbei nach Südafrika fahren wo auch Daimler dominiert, diese vernichtet.

    Eine andere idee von mir wurde an der Uni Freiburg umgesetzt. mein Gedanke wurde wissenschaftlich bestätigt: Pflanzen senden Signale aus und rufen "gegebenenfalls" um Hilfe.

    in Emden ist man in der Landwirtschaft schon lange soweit gewesen, zwischen die Felder Naturwiesenstreifen zu pflanzen, um die Pestizide und damit das bienensterben und andere Umweltbelastungen zu verringern, auch ohne beweise.

    Mariana Myer, seit 6 Jahren aufgrund von zahlreichen Mobingattacken in leiharbeitsunternehmen der bahnindustrie arbeitslos.
    ich sitze hier nur stupide seit 6 Jahren rum und blogge.

    Das ist die Förderung von Wissenschaft und insbesondere Frauen mit Kindern in Deutschland in unserer Higttechindustrie.
    Gewalt gegen Frauen wird jedoch wirtschaftlich belohnt, in unserem 3. Welt Entwicklungsland deutschland. Seit Jahren werde ich von allem ausgegrenzt, weil ich ein Sozialhilfeempfängerkind bin und weil meine Eltern und Großeltern nicht in den Parteien des nationalsozialismus vertreten oder wenigstens sonstiges schäbiges Einkommen und Vermögen aufgrund von der Ausbeutung anderer Menschen erwirtschaftet haben.

    bei uns gibt es kein"Jugend forscht" mit innovationspreis.

  • @Diskutierender.... da kann ich nur zustimmmen....
    Sollte es jemals in einigen Jahren zu einem Fachkräftemangel kommen dann erkennt man das an einer bewegung bei den Löhnen.

    Solange sich da nichts tut können die so viel über Fachkräftemangel schreiben wie sie wollen - es gibt keinen

  • Liebe Deutsche Unternehmen!

    Schaut einfach mal nach Süden und schaut, wie viele hochqualifizierte Deutsche ihr mit Eurer kurzsichtigen und asozialen Personalpolitik in die Schweiz vertrieben habt (mich als promovierten Physiker übrigens auch).

    Euer Fachkräftemangel ist selbst verschuldet. Heult lieber nicht herum, sondern zahlt mir ein Gehalt, mit dem ich einen Lebensstandard wie hier in der Schweiz erreiche. Dann würde ich vielleicht zurück kommen.

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