Frankfurt
EZB lässt Leitzinsen im Keller

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt trotz ihrer wachsenden Besorgnis über Inflationsrisiken die Zinsen zunächst unverändert bei 2,0 Prozent. Viele Ökonomen erwarten jedoch eine baldige Veränderung.

HB FRANKFURT. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin zwei Prozent, teilte die EZB in Frankfurt mit. Volkswirte hatten einhellig mit diesem Beschluss gerechnet. Erwartet wird jedoch auch, dass die Notenbank bereits Anfang Dezember die Zinswende im Euroraum einleiten und den Leitzins auf 2,25 Prozent anheben wird.

Spätestens den Jahresbeginn 2006 gilt ein solcher Schritt aus heutiger Sicht als ausgemacht. Es wäre die erste Zinsänderung seit Juni 2003 und die erste Zinserhöhung seit Oktober 2000. Überraschend gute Konjunkturdaten und Stimmungsindikatoren für die Eurozone sowie eine ungebrochen dynamische Geldmengen- und Kreditentwicklung im gemeinsamen Währungsraum hatten in den vergangenen Wochen zu einer ungewohnt harschen zinspolitischen Rhetorik einiger EZB-Ratsmitglieder geführt.

Die Äußerungen wurden von Beobachtern als starkes Signal gewertet, dass die Zinswende im Euroraum bereits näher gerückt sein dürfte als zuvor angenommen. Beobachter hoffen nun auf klarere Hinweise von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet über den Zeitpunkt der schon lange erwarteten Zinserhöhung. Erst im Oktober hatte der EZB-Rat mit dem Bekenntnis zu „großer Wachsamkeit“ statt zuvor nur „besonderer Wachsamkeit“ über die Risiken für die Preisstabilität seine wachsende Besorgnis verdeutlicht.

Viele Ökonomen bezweifelen jedoch, dass Trichet die Wortwahl bei der anschließenden Pressekonferenz erneut verschärfen wird. Die EZB wolle abwarten, ob sich die noch immer bescheidene Konjunkturerholung weiter festigt, vermuten sie. Der Leitzins liegt angsichts der langen Flaute schon seit Juni 2003 auf dem niedrigsten Niveau der Nachkriegszeit.

Die Zentralbank ließ auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 1,00 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,00 Prozent für Übernachtkredite. Die amerikanische Notenbank Fed hatte am Dienstag wegen der steigenden Verbraucherpreise und Inflationssorgen den Leitzins von 3,75 auf 4,0 Prozent angehoben.

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