Frankreich und Deutschland bremsen
Mäßige Wachstumsaussichten für die Euro-Zone

Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone hat sich im dritten Quartal verlangsamt und wird nach den Prognosen der EU-Kommission auch in den nächsten Monaten nicht spürbar an Fahrt gewinnen. Schuld daran ist vor allem der hohe Ölpreis

HB BRÜSSEL. In den beiden größten Ländern - Deutschland und Frankreich - kam die Erholung sogar fast völlig zum Stillstand.

Nach den am Freitag veröffentlichten vorläufigen Berechnungen des Europäischen Statistikamts Eurostat legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum im dritten Vierteljahr um 0,3 % zum Vorquartal zu nach 0,5 im zweiten Quartal. „Das ist mit Blick auf die Erholungsperspektiven ziemlich trostlos und schickt die klare Botschaft an die EZB, dass sie jeden Gedanken an eine baldige Zinserhöhung vergessen kann“, kommentierte David Brown, Chefvolkswirt bei Bear Stearns die niedrigste Wachstumsrate seit mehr als einem Jahr.

Volkswirte hatten ursprünglich ein Wachstum von 0,4 % erwartet, ihre Prognosen nach den schwachen Zahlen aus Deutschland vom Donnerstag aber zurückgeschraubt. Im dritten Quartal lag das BIP noch 1,9 % über dem Vorjahresniveau nach 2,0 % im Vorquartal.

Allerdings entwickelte sich die Wirtschaft in den Ländern der Euro-Zone sehr unterschiedlich. In Frankreich kam das Wachstum mit einem BIP-Anstieg um 0,1 % wie in Deutschland fast völlig zum Erliegen. „Maßgeblich für die merkliche Verlangsamung der Konjunktur war wohl in erster Linie die schwache Entwicklung bei den Ausfuhren“, schrieben die Volkswirte der Commerzbank zur französischen Wirtschaft. Anders als in Deutschland habe aber wohl auch die Inlandsnachfrage an Schwung verloren. In Deutschland waren die Exporte im dritten Quartal gesunken, während die Investitionen zugelegt hatten. „Die deutsche Erholung ist mausetot und auch der französische Aufschwung scheint gegen die Wand gefahren zu sein“, sagte Bear-Stearns-Ökonom Brown.

Dagegen meldeten Spanien und Italien mit 0,6 beziehungsweise 0,4 % im Quartalsvergleich ein robustes Wachstum. Insgesamt blieb die Euro-Zone aber erneut deutlich hinter den USA zurück, wo die Wirtschaft im Sommer um 0,9 % gewachsen war. Die EU-Kommission geht auch nicht davon aus, dass Europa in naher Zukunft aufschließen kann. Für das vierte Quartal senkte die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose auf 0,2 bis 0,6 % nach zuvor erwarteten 0,3 bis 0,7 %. Für das erste Quartal 2005 rechnet sie ebenfalls mit einem Zuwachs von 0,2 bis 0,6 %.

Angesichts der jüngsten Daten und der Entwicklung des Ölpreises und des Euro warnten Ökonomen die Europäische Zentralbank (EZB) vor zu schnellen Zinsanhebungen. „Das ist eine ernstzunehmende Wachstumsverlangsamung und die EZB sollte damit darauf reagieren, indem sie jeden Hinweis auf eine Zinserhöhung wieder in die Schublade packt“, sagte Holger Schmieding von der Bank of America.

Unterdessen bekräftigte EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell die Sicht der Notenbank, dass die Wirtschaft der Euro-Zone im kommenden Jahr um etwa zwei Prozent wachsen wird. Die Auswirkungen des Ölpreises und des Euro seien spürbar, hielten sich aber in Grenzen. Allerdings machte die Österreicherin auch noch einmal die Haltung der EZB zum jüngsten Höhenflug des Euro deutlich: „Die EZB ist der Auffassung, dass brutale Veränderungen im Wechselkurs nicht willkommen sind.“

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