Frühindikatoren brechen ein
Das Rezessionsrisiko im Euroraum steigt

Die jüngst veröffentlichten Konjunkturdaten haben die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Die Eurozone ist womöglich auf dem direkten Weg in eine Rezession.

dj FRANKFURT. So ist nicht nur der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex im Juli auf den niedrigsten Stand seit September 2005 gefallen, seine Pendants aus Frankreich und Italien erreichten ihrerseits die niedrigsten Niveaus seit fünf bzw. fast sieben Jahren. Zudem liegen die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor der Eurozone deutlich unter der Marke von 50 Punkten, was eine rückläufige Aktivität in beiden Sektoren anzeigt.

Der Einbruch der Frühindikatoren auf breiter Front zeigt, dass die Belastungen aus Finanzkrise, Ölpreis, Euro-Stärke und US-Schwäche in der Eurozone zu einer deutlicheren Konjunkturabkühlung geführt haben. Aus Sicht von Bankvolkswirten ist die Situation nunmehr kritisch. "Mit dem starken Rückgang der Frühindikatoren sind die Rezessionsgefahren für die Eurozone insgesamt deutlich gestiegen", sagt Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Besonders bedenklich ist für ihn, dass jetzt auch mit Frankreich die zweitgrößte Ökonomie in Bedrängnis gerät.

Zuvor hatten sich die meisten Experten bereits damit abgefunden, dass von den großen Euro-Mitgliedsländern Spanien und Italien konjunkturell stärker abrutschen, und von den kleinen Ländern besonders Irland und die Niederlande. Für Sebastian Wanke von der DekaBank sind die kurz- bis mittelfristigen Aussichten der Eurozone-Wirtschaft damit "sehr schlecht", zumal neue Impulse fehlten. "Die Zeiten werden wieder schwerer", fasst er die Lage zusammen.

Obwohl sich die deutsche Wirtschaft noch gut hält - die Einkaufsmanagerindizes notierten auch im Juli über 50 Punkten - sieht auch Lavinia Santovetti von Lehman Brothers gestiegene Rezessionsrisiken für die Eurozone als Ganzes. Es sei gut möglich, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten und dritten Quartal ein negatives Vorzeichen aufweisen wird, deutet die Volkswirtin die Möglichkeit einer "technischen Rezession" an.

Angesichts der erhöhten Rezessionsgefahr gerät die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) besonders ins Visier, nachdem die Notenbank Anfang Juli wegen der hohen Inflation erstmals seit gut einem Jahr wieder die Leitzinsen erhöht hatte. Nach den schwachen Daten und dem starken Rückgang der Ölpreise in den vergangenen Tagen "ist der Raum für weitere EZB-Zinserhöhungen beschränkt", meinen James Ashley und Nick Matthews Barclays Capital. Zudem halten sie es für möglich, dass die Teuerung mit 4 Prozent ihren Gipfel gesehen hat.

Lehman-Volkswirtin Santovetti glaubt ebenfalls, dass die Inflation ab Oktober - begünstigt durch Basiseffekte - wieder fallen dürfte. "Damit könnte sich der Fokus der EZB von den inflationären auf die deflationären Kräfte verlagern", sagt sie und hält bereits eine erste Zinssenkung im Januar 2009 für möglich.

Den Weg dafür bereiten könnten auch Abwärtsrevisionen bei den vierteljährlichen EZB-Projektionen für das Wirtschaftswachstum. Im Juni war die EZB noch relativ optimistisch, für 2008 und 2009 sagte sie - im Mittel ihrer Projektionen - BIP-Wachstumsraten von 1,8 bzw. 1,5 Prozent voraus. "Wir gehen davon aus, dass die EZB schon im September ihrer Wachstumsschätzungen nach unten nehmen wird", meint Holger Schmieding von Bank of America. Vor diesem Hintergrund rechnet er damit, dass die Notenbank ihren Leitzins nicht weiter erhöhen, aber vorerst auch nicht senken wird.

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