Frühindikatoren im Härtetest
Wie verlässlich Konjunkturprognosen sind

Von A wie Angstbarometer bis Z wie ZEW-Index – die Liste der Konjunkturindikatoren ist lang. Ihre Aussagekraft unterscheidet sich zum Teil aber erheblich. Eine Übersicht, wie gut Indikatoren die Wirtschaftsentwicklung vorhergesehen haben.
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FRANKFURT. China war das erste Land. Das erste, das wieder Hoffnung schöpfte zu Jahresbeginn. Und das erste, das auf dem Gaspedal stand im Frühsommer, als sich in Europa und den USA gerade ein zartes Erwachen in den harten Daten widerspiegelte. Hatte sich in früheren Krisen stets die US-Wirtschaft zuerst befreit, schritt die chinesische Wirtschaft nun voran.

Dieser Trend ließ sich frühzeitig vor allem an einem Indikator ablesen: dem Einkaufsmanagerindex. Der zeigte, wie effektiv und schnell das chinesische Fiskalprogramm der Wirtschaftskrise entgegen gewirkt hat. Da das private Forschungsunternehmen Markit die Umfrage in vielen Ländern erhebt, erlaubt das Barometer anders als andere Frühindikatoren einen internationalen Vergleich.

Damit, so sind sich viele Volkswirte einig, hat der Index gerade in der weltweiten Finanzkrise an Bedeutung für die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung gewonnen. Das gilt auch für alle, die vor allem die exportabhängige deutsche Wirtschaft im Blick haben.

Die Liste der Konjunkturindikatoren ist lang. Ihre Aussagekraft unterscheidet sich zum Teil aber erheblich. Das hat die Krise gezeigt. Einige Indikatoren haben während der Rezession an Bedeutung gewonnen, andere verloren. Unter dem Strich habe die Krise seine Zunft vor allem eines gelehrt, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Kein Frühindikator sollte isoliert interpretiert werden“.

Nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Bros. im Herbst 2008 war die Weltwirtschaft in eine Schockstarre gefallen. Risikoprämien waren auf Rekordhöhen geschossen, Haushalte beim Kauf langlebiger Konsumgüter ebenso zurückhaltender geworden wie Unternehmen bei Investitionsentscheidungen. „Der Anstieg eines Frühindikators lässt sich nur dann ernst nehmen, wenn zeitgleich die Unsicherheit des Marktes sinkt“, meint Krämer. Wie er die misst? „Am sogenannten Angstbarometer der Wall Street, dem Vix-Index“, sagt er. Das Barometer bildet die Schwankungsanfälligkeit des Marktes ab.

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