Fünf Fragen an: Martin Wansleben
„Exportstärke ist kein Selbstläufer“

Große Konzerne helfen sich selbst. Kleine Unternehmen brauchen die Hilfe der Politik - vor allem im Ausland. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer der DIHK, erklärt im Handelsblatt-Interview, welche Maßnahmen er für nötig hält.

Die deutschen Top-Manager beurteilen in einer Handelsblatt-Umfrage die außenpolitische Grundlinie der Bundesregierung positiv. Vor allem die Großunternehmen sind zufrieden. Woran liegt es, dass ihre Bewertung überdurchschnittlich gut ausfällt?

Großunternehmen verfügen meist über eigene politische Stabsabteilungen, die das Geschehen im In- und Ausland verfolgen. Sie können daher ihre außenwirtschaftspolitischen Interessen gut bei den entsprechenden Regierungsstellen platzieren und so selbst für politische Flankierung auf schwierigen Märkten sorgen. Marktmacht bringt es mit sich, dass man sich auch politisch gut artikulieren kann.

Wie ließe sich die Zufriedenheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen steigern?

Drei Punkte liegen uns besonders am Herzen: Die Delegationsreisen sollten sich mehr auf die Wachstums- und Schwellenmärkte fokussieren, bei denen politische Flankierung notwendig ist. Wirtschaftsbelange sollten in den deutschen Botschaften einen höheren Stellenwert bekommen, zum Beispiel bei der zügigen Vergabe von Visa für ausländische Geschäftspartner. Und die Politik sollte - gerade mit Blick auf kleine und mittlere Unternehmen - allen überzogenen Formalismen im Warenverkehr entgegentreten.

Auch der außenpolitische Auftritt der Bundeskanzlerin wird von Großunternehmen etwas besser beurteilt als von kleinen und mittelständischen Firmen. Kümmert sich die Regierungschefin zu sehr um die stärker in der Öffentlichkeit stehenden Konzerne?

Eine Auslandsreise der Kanzlerin genießt immer ein außerordentlich hohes Interesse im jeweiligen Land. Wir würden gerne noch mehr Mittelständler für Wirtschaftsdelegationen vorschlagen. Gerade ihnen hilft eine hochrangige politische Flankierung.

Wie ließen sich das außenwirtschaftliche Dienstleistungsangebot und die Arbeit der deutschen Botschaften verbessern, um die deutschen Unternehmen im Ausland optimal zu unterstützen?

Die Exportstärke des deutschen Mittelstands ist angesichts wachsender weltweiter Konkurrenz kein Selbstläufer - umso wichtiger ist eine gute Beratung. Über ihre gute weltweite Vernetzung und ihre Dienstleistungsmarke "DEinternational" sind die Auslandshandelskammern in dieser Hinsicht bereits gut aufgestellt. Ziel ist jetzt eine stärkere Bündelung der deutschen Außenwirtschaftsförderung unter der Adresse der jeweiligen Auslandshandelskammer (AHK). Den Botschaften kommt die wichtige Aufgabe zu, die maßgeschneiderte Beratung der AHKs durch eine passende politische Flankierung gegenüber Regierungsstellen zu ergänzen.

Je höher die Exportquote der Unternehmen, desto unzufriedener sind die Unternehmen mit der Vertretung ihrer branchenspezifischen außenwirtschaftspolitischen Interessen durch die Botschaften. Woran fehlt es den Unternehmen?

Ein typischer Mittelständler ist im Schnitt bereits jetzt auf 16 Märkten tätig. Viele Unternehmen benötigen eine umfassende Hilfestellung auf ganz unterschiedlichen Märkten - komplexe Verbundlösungen sind gefragt. Das kann keine Institution mehr allein leisten. Umso mehr kommt es darauf an, dass alle Akteure der Außenwirtschaftsförderung, einschließlich der Botschaften, bei der Betreuung der Unternehmen arbeitsteilig vorgehen.

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