Furcht vor Überhitzung
China bremst Märkte mit Leitzinserhöhung aus

Erstmals seit dem Ende der weltweiten Wirtschaftskrise hat die chinesische Notenbank am Dienstag den Leitzins angehoben. Mit dem Schritt sollen der Anstieg der Verbraucherpreise gedämpft und die boomende Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit gedrängt werden. An den Kapitalmärkten reagieren die Anleger verunsichert.
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HB PEKING. Aus Furcht vor einem zu starken Anstieg der Immobilien- und Verbraucherpreise hebt China seinen Leitzins nach fast dreijähriger Pause an. Geschäftsbanken müssen ab diesem Mittwoch für einen einjährigen Kredit von der Zentralbank 5,56 Prozent Zinsen zahlen - 0,25 Prozentpunkte mehr als bislang. Die Notenbank begründete am Dienstag ihre erste Zinserhöhung seit Dezember 2007 nicht. Experten gehen davon aus, dass weitere Schritte folgen werden.

Die überraschende Ankündigung sorgte an den Börsen weltweit für teils kräftige Kursverluste. Der Dow Jones Index büßte am Nachmittag knapp ein Prozent ein, der Dax verlor 0,5 Prozent. Der Dollar legte dagegen deutlich zu, während der Euro unter Druck geriet. Am Nachmittag kostete ein Euro mit gut 1,38 Dollar mehr als einen Cent weniger als am Vortag. Öl und andere Rohstoffe verbilligten sich.

„Die Zinserhöhung liegt völlig außerhalb der Markterwartungen“, sagte der Chefvolkswirt von Citic Securtities in Peking, Zhu Jiangfang. Grund dafür sei die im internationalen Vergleich hohe Inflationsrate von zuletzt 3,5 Prozent. „Deshalb hat die Zentralbank den Leitzins so hastig angehoben.“ Die Volksrepublik sorgt sich zudem vor einem Platzen der Immobilienblase. Günstige Kredite hatten zu einem beispiellosen Immobilienboom geführt, der die Preise für Wohneigentum kräftig nach oben trieb.

Wind aus den Segeln der Wirtschaft

Der Leitzins legt fest, zu welchem Preis sich Geschäftsbanken bei der Notenbank mit Geld eindecken können. Steigt der Leitzins, werden Kredite teurer. Das wiederum dämpft die Nachfrage, was Wachstum und Preisanstieg drosseln kann. Die Notenbank hob auch den Einlagezins um 0,25 Punkte auf 2,5 Prozent an. Damit wird es für Banken attraktiver, ihr Geld bei der Zentralbank zu parken statt es als Kredite an Unternehmen und andere Banken weiterzureichen.

„Die Entscheidung der Zentralbank folgt der Notwendigkeit, der Wirtschaft etwas Wind aus den Segeln zu nehmen“, sagte Analyst Simon Derrick von der Bank of New York Mellon. Viele Experten rechnen mit weiteren Zinserhöhungen. Dafür spricht auch, dass die Entscheidung zwar von der Notenbank verkündet, aber von der Staatsführung getroffen wird. Hat sie sich einmal auf Zinserhöhungen oder -senkungen geeinigt, folgten bislang immer mehrere in Folge.

China koppelt sich ab

„Die Zinssatz ist zu niedrig für eine Volkswirtschaft, die um rund zehn Prozent wächst“, sagte Nomura-Analyst Rob Subberaman. „Um größere Störungen zu vermeiden, muss China den Leitzins auf ein angemesseneres Niveau heben. Chinas Konjunktur scheint sich von den anderen großen Volkswirtschaften abzukoppeln, also muss es dies auch bei der Geldpolitik tun.“

Das Bruttoinlandsprodukt der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft war im zweiten Quartal um 10,3 Prozent gewachsen. Für das dritte Quartal erwarten die von Reuters befragten Analysten ein Plus von 9,5 Prozent. In den USA und Japan sind die Zentralbanken wegen der wackligen Erholung zu einer Nullzinspolitik übergegangen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Mit einer Anhebung wird frühestens im zweiten Halbjahr 2011 gerechnet.

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  • Ganz im Sinne von Axel Weber und seiner Anti-inflations-Hysterie. Oder sieht er nun plötzlich Gefahren für die deutsche Export-Maschine?

  • die "gelbe Gefahr", China koppelt sich nicht ab.
    Aber unsere Wehrwirtschaftsführer mit ihrer geballten Kompetenz, das sind Führer gegen die andere "Führer" wie Stoffpuppen aussehen.

    Toll. Nicht?

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