G20-Gipfel
Warum Deutschland Gipfel-Gewinner ist

Schärfere Spielregeln für die Märkte, gestutzte Managergehälter, hartes Vorgehen gegen Steueroasen: Die Staats- und Regierungschefs der G20 haben sich viel vorgenommen für die Zukunft, um die globale Wirtschafts- und Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Doch was nützen die Beschlüsse Deutschland?

DÜSSELDORF. Führende Ökonomen in Deutschland haben sich positiv überrascht von den Ergebnissen des G20-Gipfels gezeigt. Der Chefvolkswirt für Deutschland der US-Großbank Goldman Sachs, Dirk Schumacher, stellte die Vorteile für Deutschland heraus. "Der wichtigste Punkt aus deutscher Sicht scheint mir die Unterstützung für den Welthandel zu sein", sagte Schumacher am Freitag im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Exportfinanzierung wieder ans Laufen zu bringen ist sicher ein notwendiger Teil der Gesundung der Weltwirtschaft." Dass der der Internationale Währungsfonds (IWF) finanziell aufgepolstert wird nannte Schumacher ebenfalls eine gute Nachricht. Das verhindere, "dass sich die Krise in den Schwellenländern ungebremst ausbreitet".

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht Deutschland ebenfalls als Profiteur des Weltfinanzgipfels. „Beim Gipfel wurde die Grundlage dafür geschaffen, dass die Weltwirtschaft in den nächsten sechs bis 18 Monaten wieder in Gang kommen kann“, sagte DIHK-Außenhandelschef Axel Nitschke der Nachrichtenagentur Reuters. „Davon würden wir als Exportweltmeister besonders profitieren.“ Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise erwartet positive Impulse für die heimische Wirtschaft: „Deutschland kommen alle Schritte sehr gelegen.“ Dazu gehöre, dass die Absatzmärkte in den Schwellenländern nicht mehr unter der Furcht der Zahlungsunfähigkeit ganzer Staaten immer weiter in die Krise gerieten. Auch von den Handelsfinanzierungen würden die heimischen Außenhändler profitieren. „Das ist für Deutschland eine sehr wichtige Sache.“

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, sprach von respektabeln Ergebnissen des Gipfels in London. Gehandelt werden müsse nun aber wieder auf nationaler Ebene, mahnte Hüther in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt (Freitagausgabe). Notwendig seien eine Stärkung der Finanzaufsicht und eine Lösung der Bad-Bank-Frage. "Bei beiden Themen hat die Bundesregierung noch viel zu liefern", merkte Hüther kritisch an. Eine Bad-Bank-Lösung sei erforderlich, um den Geschäftsbanken den Blick auf die zukunftsgerichteten Geschäfte wieder frei zu machen.

Das Münchner Ifo-Institut hofft auf Konjunkturimpulse durch die G20-Beschlüsse. "Man hat mehr erreicht, als man erwarten konnte, das ist schon eine positive Überraschung", sagte der Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. Die Aufstockung der Mittel für den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank könnten den Welthandel in Schwung bringen und so indirekt auch die Exportchancen für Deutschland wieder verbessern. Auch die beschlossene Regulierung von Hedgefonds begrüßte der Experte.

Die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der G20-Gruppe hatten als Lehre aus der schweren Krise bei ihrem Treffen am Vortag in London ein schärferes Regelwerk für die Finanzmärkte sowie eine Billion Dollar an internationalen Geldspritzen für strauchelnde Staaten und den Welthandel beschlossen. Den Welthandel wollen die G20 durch Bürgschaften und andere Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 250 Mrd. Dollar wieder in Schwung zu bringen.

Auch DIW-Chef Klaus Zimmermann bewertete die Gipfel-Ergebnisse positiv. Dass sich Frankreich und Deutschland in der Frage der Regulierung der Finanzmärkte hätten durchsetzen können, sei so vorher nicht unbedingt zu erwarten gewesen, sagte Zimmermann, der "Thüringer Allgemeinen". Er kritisierte aber, dass zu den Institutionen "leider wenig Konkretes zu erfahren" gewesen sei. "Die Kontrolle bleibt wohl vorerst in regionaler Hand."

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