G7-Finanzministertreffen
Deutschland und USA ermahnen Japan im Währungsstreit

Finanzminister Schäuble erinnerte auf der Konferenz der G7-Finanzminister an das Versprechen, Währungen nicht zu manipulieren. Auch die USA ermahnte Tokio. Der japanische Notenbankchef wehrt sich gegen die Vorwürfe.
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AylesburyWegen des drastischen Yen-Kursrückgangs zeichnet sich beim G7-Treffen in Großbritannien eine erneute Debatte über die Gefahren eines Währungskriegs ab. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erinnerte zum Auftakt der Konferenz am Freitag Japan ausdrücklich daran, dass sich die großen Schwellen- und Entwicklungsländer (G20) zugesichert hätten, ihre Währungen nicht zu manipulieren, um sich dadurch Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Auch Schäubles US-Kollege Jack Lew ermahnte die Regierung in Tokio. Der japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda versicherte dagegen, sein Land betreibe keine gezielte Wechselkurspolitik.

Der Dollar hat sich zur japanischen Währung zuletzt über die psychologisch wichtige Marke von 100 Yen hinaus verteuert. Auch gegenüber dem Euro verlor der Yen deutlich an Wert. Der Euro lag mit knapp 132 Yen auf dem höchsten Kurs seit Januar 2010. Ein schwacher Yen verschafft Japan auf dem Weltmarkt Vorteile, weil sich dadurch japanische Produkte verbilligen.

EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn mahnte zu Beginn des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten im südenglischen Aylesbury: „Es ist wichtig, dass es entsprechend den Zusicherungen in der G20 und im IWF zu keiner Währungskrieg-Debatte kommt.“ Es sei ein Verdienst der G7, also der wichtigsten etablierten Industrieländer, und der G20, dass diese Debatte heruntergefahren werden konnte.

Japan wehrte sich gegen die Mahnungen der Partner wegen des Yen-Kursverfalls, der seine Ursache in der ultra-lockeren Finanz- und Geldpolitik des Landes hat. Notenbankchef Kuroda sagte: „Unsere geldpolitische Stimulierung zielt auf eine Inflationsrate von zwei Prozent.“ Japan will damit die jahrelange Deflationsgefahr, die die Wirtschaft ins Tief brachte, bannen. „Wir streben ein ausgewogenes Wachstum an“, erläuterte er. Wechselkursbewegungen seien nur einer von mehreren Faktoren, die sich daraus ergäben. „Die Bank von Japan will nicht die Wechselkurse direkt beeinflussen, die werden von den Märkten gebildet“, sagte er.

Schäuble erklärte, das Thema werde sicherlich beim G7-Treffen zur Sprache kommen, dessen Hauptthema eigentlich die Finanzmarktregulierung sein sollte. Der Bundesfinanzminister erinnerte Japan daran, dass das Land seinen G20-Partnern erst jüngst zugesagt hätte, vorsichtig zu agieren, damit die Diskussion über einen Abwertungswettlauf nicht wieder auflebe. US-Finanzminister Lew sagte, Japan habe ein Wachstumsproblem, das man angehen müsse. Allerdings müsse man so agieren, dass die Versuche zur Stimulierung der Wirtschaft im Rahmen dessen blieben, was man zur Vermeidung eines Abwertungswettlaufs vereinbart habe.

Kontroversen deuteten sich vor dem G7-Treffen auch über das Dauerstreitthema an, wie eine richtige Balance von Sparpolitik zur Sanierung der Staatsfinanzen und Wachstumsförderung zur Ankurbelung der Wirtschaft aussehen sollte. Dabei sind in der Regel Deutschland mit seiner Betonung der Haushaltskonsolidierung und die USA mit ihrer Forderung nach mehr Wachstumspolitik die wichtigsten Antipoden. EU-Kommissar Rehn sagte: „In Europa können wir uns im Moment einen etwas lockereren Kurs der Finanzanpassungen leisten.“ Zugleich bedürfe es weiterer Strukturreformen, sagte Rehn und nannte dabei Frankreich, Italien und Spanien als Adressaten seiner Mahnung.

Schäuble nahm für Deutschland in Anspruch, eine ausgewogene Politik aus Konsolidierung und Wachstumsförderung zu verfolgen. Letztlich bräuchten Deutschland, Europa und die ganze Welt nachhaltiges Wachstum - und dessen notwendige Voraussetzung seien solide Staatsfinanzen. In diesem Sinne äußerte sich auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Die Bedeutung eines nachhaltigen Wachstums unterstrich auch IWF-Chefin Christine Lagarde.

Die britische G7-Präsidentschaft verspricht sich von dem Treffen nach den Worten von Finanzminister George Osborne Fortschritte bei der Finanzmarktregulierung. Zudem möchte Osborne darüber sprechen, was die Zentralbanken noch zusätzlich tun können, um dem globalen Wachstum stärker auf die Beine zu helfen. Das Treffen sei „eine Möglichkeit darüber zu diskutieren, was an geldpolitischen Aktivitäten noch möglich ist, um den Aufschwung zu unterstützen“, sagte er. Auch das Thema Banken-Union in Europa dürfte zur Sprache kommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Santos, im Gegensatz zu China hat Japan Europa und den USA nichts (mehr) zu bieten. Japan wird sich politisch und wirtschaftlich in den nächsten Jahren drastisch zurückentwickeln. Ich sehe Japan langfristig sogar auf den Status eine Dritte-Welt-Landes zurückfallen. Bei China gibt es jedoch Wachstumsperspektiven, daher das Interesse an guten Beziehungen mit dem Westen.
    Japan hat es nie geschafft, ein tatsächlich modernes Land zu werden - die technologischen Fortschritte und die Bilder Tokioter Hochhausschluchten mögen manche getäuscht haben, aber unter der demokratischen, glitzernden Oberfläche sind die Japaner nie wirklich im 20., geschweige denn im 21. Jahrhundert angekommen.
    Ich sehe für Japan eine Abspaltung von den USA, Remilitarisierung, und erneute Aggressionshaltung gegenüber den Nachbarstaaten, die Japan längst wirtschaftlich überholt haben werden. In Ostasien ist reichlich Konfliktpotential vorhanden, und wer dort mal längere Zeit gelebt hat, muss erkannt haben, dass das Image des "pazifistischen Japan" inzwischen eine reine Farce geworden ist.

  • nicht zu Manipulieren? haha, da reden gerade die richtigen, gell?

  • Ein Sparer wird heute durch die Nullzinspolitiken dupiert. Erstens decken die Zinsen die Inflation nicht mehr. Zweitens wird er verfolgt, wenn er das Geld nicht deklariert, um vom Steueramt regelrecht noch "bestohlen" zu werden. Ich frage mich, ob Sparen noch überhaupt einen Sinn hat. Das war früher gut.Lieber das Geld sofort ausgeben oder in Edelmetallen anonym investieren. Ich bin bei Immobilien auch skeptisch (Blasengefahr).

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