G8 warnt angesichts Energiepreisentwicklung vor globaler Rezession
Ministerium fürchtet Gaspreis-Explosion

Bereits am Freitag war der Ölpreis auf ein neues Allzeithoch bei über 139 Dollar je Barrel der US-Sorte WTI gestiegen. Und schon folgt die nächste Hiobsbotschaft: Das deutsche Umweltministerium befürchtet, dass Gas im Herbst nochmal deutlich über die bereits angekündigten 25 Prozent hinaus teurer werden wird.

HB BERLIN. Die Gaspreise werden nach Ansicht des Bundesumweltministeriums in diesem Jahr weitaus deutlicher ansteigen als bislang erwartet. "Über die bereits bekanntgewordenen 25 Prozent hinaus kann es im Herbst noch einmal eine Erhöhung des Gaspreises um bis zu 40 Prozent geben", sagte der parlamentarische Staatssekretär Michael Müller der "Welt am Sonntag". Grund seien der hohe Ölpreis und Spekulationsgewinne.

Nach Ansicht des Staatssekretärs ist die Preisbindung von Öl und Gas nicht mehr zeitgemäß. "Die Bundesregierung sollte prüfen, ob sie in Abstimmung mit der Europäischen Union eine Strategie zur Entkopplung erarbeitet, damit es zu einer kostengerechten Preisentwicklung kommt, die spekulative Überhöhungen ausschließt", sagte der SPD-Politiker.

Auch der Energieexperte der SPD-Fraktion, Ulrich Kelber, befürchtet nach eigenen Worten einen weiteren Anstieg des Gaspreises. Die Politik dürfe die Verbraucher mit den Auswirkungen nicht allein lassen. „Wir müssen uns um eine andere Preisgestaltung kümmern“, sagte er dem Blatt. Als Beispiele nannte er Sozialtarife für Energie und eine Entfernungspauschale für Geringverdiener. „Vor allem aber müssen wir den Menschen helfen, ihren Energieverbrauch zu senken“, sagte Kelber.

Am Freitag hatte der Ölpreis mit mehr als 139 Dollar pro Barrel ein neues Rekordhoch erreicht. Ende Mai hatte es in Presseberichten gehießen, der deutsche Versorger Eon wolle den Gaspreis um bis zu 25 Prozent erhöhen. Eon selbst wollte dazu keine Stellung nehmen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat bereits vorsorglich angekündigt, die Energiekonzerne bei Preiserhöhungen über das Kartellamt stärker kontrollieren zu lassen.

Auch weltweit sind die Energiepreise Topthema: Die Energieminister der Gruppe der sieben reichsten Industrienationen und Russlands (G8) warnten vor einer globalen Rezession durch die stetig steigenden Ölpreise. Auf ihrem eintägigen Treffen zur Vorbereitung des G8-Gipfels im kommenden Monat im japanischen Aomori riefen sie die größten Energieverbraucher der Welt zum schnellen Handeln auf, um einen Abschwung abzuwenden. Japans Wirtschaftsminister Akira Amari sagte am Sonntag, die Energiepreisentwicklung stelle eine "extreme Herausforderung" dar. Der Ölpreis habe ein "anormales" Niveau erreicht. An dem Treffen nahmen auch Delegationen aus China, Indien und Südkorea teil. "Die Lage bezüglich der Ölpreise wird extrem schwierig", sagte der japanischen Handels- und Energieminister Akira Amari. Sollte das Problem nicht angegangen werden, "könnte dies sehr wohl eine globale Rezession auslösen".

Die Opec sieht die jüngste Rekordjagd des Ölpreises nach Informationen aus Kreisen des Kartells nicht als Anlass für eine Dringlichkeitssitzung. Die Ölminister würden sich nur dann vor ihrer bereits geplanten Zusammenkunft im September treffen, wenn es eine reale Bedrohung für die Ölversorgung gebe, verlautete am Sonntag aus den Kreisen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec).

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