Gefährdung der Unternehmen
Bundesbank kritisiert Firmenaufkäufe

Die Deutsche Bundesbank warnt in ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht vor Risiken, die durch die stark steigende Zahl der Firmenaufkäufe entstehen. Es komme dabei zu Auswüchsen, die das Überleben der gekauften Unternehmen und deren Finanzstabilität gefährdeten.

FRANKFURT. „Der zuletzt deutlich gestiegene Fremdkapitalanteil bei kreditfinanzierten Übernahmen dürfte bereits als Ausdruck einer Überhitzung zu werten sein“, warnt die Bundesbank. Allein im dritten Quartal 2006 seien in Westeuropa Kredite in Höhe von fast 50 Mrd. Euro für kreditfinanzierte Firmenkäufe vergeben worden, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Edgar Meister bei der Vorstellung des Berichts. Im Zuge von Übernahmen werde den gekauften Unternehmen zunehmend eine größere Schuldenlast aufgebürdet, um damit Sonderdividenden für die neuen Eigner zu finanzieren. Die hohen Schulden machten die Unternehmen verwundbar. Steigende Zinsen oder eine Eintrübung der wirtschaftlichen Lage könnten zur Insolvenz führen.

Diese kritische Sichtweise hat auch in der Private-Equity-Branche Anhänger. Wolfgang Alvano, Managing Director von Granville Baird Capital Partners sagte dazu dem Handelsblatt: „Wenn die Unternehmen wegen zu hoher Kaufpreise, die sie selbst aus ihrem Cash-Flow refinanzieren müssen, unter der Schuldenlast zusammenbrechen, könnte dies den gesamten Private-Equity-Markt in Verruf bringen.“ Beispiele für solche Überhitzungen seien Kreditangebote von Banken, die die vereinbarten Kaufpreise sogar überstiegen. „Darin liegt eine ernst zu nehmende Gefahr: Wenn die Kaufpreise auf Grund der Fremdkapitalquoten in die Höhe getrieben werden, ist das Risiko groß, dass die Unternehmen von der zukünftigen Schuldenlast erdrückt werden.“ Erst am Montag hatte Johannes Huth, Europa-Chef des Finanzinvestors KKR, gesagt, durch die günstigen Finanzierungskonditionen der Banken sei eine „Liquiditätsblase“ entstanden.

Eine Befragung von sechs bei dieser Art von Finanzierungen aktiven deutschen Banken durch die Bundesbank ergab, dass diese einen großen Teil des Risikos verbrieften und an institutionelle Investoren weiterreichten – vor allem an Hedge-Fonds, vermutet die Bundesbank. Damit haben die Risiken zwar das Bankensystem verlassen, doch sind gerade die Hedge-Fonds mit ihrer geringen Transparenz und den möglicherweise gleichgerichteten Risiken der Bundesbank ein Dorn im Auge. Möglicherweise holten sich die Banken die ausgelagerten Risiken indirekt wieder zurück, indem sie sich an Hedge-Fonds beteiligten, mutmaßen die Autoren des Berichts.

Als Gegenmaßnahme sieht die Bundesbank nur eine gute Beaufsichtigung der Banken, damit diese nicht zu hohe Risiken eingehen. „Gegen Auswüchse innerhalb der Private-Equity-Branche ist es sicherlich schwer, eine nationale Lösung zu basteln“, räumte Meister ein. Damit würde man leicht die ganze Branche treffen. Man dürfe nicht übersehen, dass viele Investoren sehr wohl mit einem längerfristigen Planungshorizont ein solches Investment eingehen, nahm Meister die Private-Equity-Branche in Schutz.

Insgesamt stellt die Bundesbank den Finanzinstituten des Landes ein gutes Zeugnis aus. „Die Stabilität des deutschen Finanzsystems hat sich in diesem Jahr weiter verbessert“, lautet ihr Befund. „Damit setzte sich der 2003 begonnene Festigungsprozess fort.“

Den Banken versprach Meister, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Bundesbank würden ihre Aufgaben bei der Bankenaufsicht künftig besser aufteilen. Die Aufseher reagierten damit auf die Kritik der Kreditwirtschaft über zu großen bürokratischen Aufwand und Doppelarbeit beider Institutionen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%