Gefahr der Überhitzung
Der unheimliche Deutschland-Boom

Deutschland wächst ungebremst in XXL; Produkte "Made in Germany" sind weltweit beliebt, die Unternehmen investieren und befeuern die Konjunktur. Trotzdem bekommen es Ökonomen mit der Angst zu tun.
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DüsseldorfDeutschland geht es schlicht zu gut. Die Volkswirtschaft lässt sich von den zahlreichen internationalen Risiken einfach nicht beeindrucken. Und schon warnen Ökonomen vor der Gefahr einer Konjunktur-Überhitzung. "Für das stark wachsende Deutschland dürften die EZB-Leitzinsen noch lange viel zu niedrig bleiben", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer Handelsblatt Online. Schließlich nehme die Europäische Zentralbank Rücksicht auf die darbenden Peripherieländer. Zu niedrige Zinsen fachten aber das Wachstum in Deutschland zunehmend an. "Langfristig droht eine Überhitzung - so wie Anfang der 70er Jahre vor dem Ölpreisschock", warnte Krämer.

Damals habe die Bundesbank die lockere Politik der US-Notenbank kopieren müssen, um im Festkurssystem von Bretton-Woods eine Aufwertung der D-Mark gegenüber dem Dollar zu verhindern. "Allerdings mag es noch einige Jahre dauern, bis die deutsche Wirtschaft überhitzt", so Krämer. Denn der Wettbewerbsdruck sei hoch und werde die Lohnanstiege nur langsam zunehmen lassen. "Bis zuletzt hat sich der Lohnanstieg kaum beschleunigt, obwohl die Arbeitslosigkeit drastisch gefallen ist."

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. "Tatsächlich stehen wir langsam an der Schwelle zur Überhitzung, denn das Vorkrisenniveau ist erreicht, der Arbeitsmarkt ist sogar weit stärker ausgelastet als damals", sagte Kater Handelsblatt Online. Trotzdem seien derzeit "noch keine typischen Überhitzungserscheinungen festzustellen". Die Lohnsteigerungen hielten sich in diesem Jahr auf einem moderaten Niveau, und die Inflation werde in den kommenden Monaten wieder zurückkommen. Gleichwohl mahnte Kater: "Wir müssen genau beobachten, wie weit das Aufschwungspendel ausschlägt. Da heißt es dann, insbesondere auch für die Finanzpolitik: in guten Zeiten Polster aufbauen für die schlechteren, die auch wieder kommen werden, wenngleich dieser Aufschwung noch eine längere Lebensdauer vor sich hat."

Zuvor waren verschiedene Konjunkturdaten veröffentlich worden. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bleibt demnach stabil. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Monat Mai lag nach Angaben des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung unverändert bei 114,2 Punkten. Aufgrund der starken Binnen-Nachfrage wächst die Wirtschaft weiter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden legte sie in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal real um 1,5 Prozent zu. Damit bestätigte die Behörde vorläufige Berechnungen

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  • Einen Boom hatten wir über Jahrzehnte hinweg, allerdings immer mit den höchsten Löhnen in ganz Europa. Mehrmals wurden wir sogar damit Exportweltmeister.
    Heute erzeugen wir einen künstlichen Boom, aufgebaut auf staatlich verordnete Dumpinglöhne und Kredite der DBB an die Zentralbanken der PIIG(F)S, damit die auch unsere Waren bezahlen können. Das wäre eigentlich nichts ungewöhnliches. Ungewöhnlich wird es aber, weil unsere Exporte mit Billiglöhnen erwirtschaftet werden, die nicht mal mehr ausreichen, um eine Familie zu ernähren. 7,2 Mio. Deutsche sind auf staatliche Leistungen angewiesen! Daran sollten wir uns messen, was wir von dem Export-Boooom XXL eigentlich haben. Dazu kommt noch, dass durch diese Meldungen das eigentliche Problem verschleiert werden soll. Wir dürfen jetzt auch noch die Kredite zurückzahlen, die wir den PIIG(F)S zur Finanzierung unserer Exporte gegeben haben. Mit Löhnen, die in den letzten 10 Jahren um 20% zurück gingen, in anderen EU-Staaten um über 50% gestiegen sind. Noch perverser geht nicht mehr. Wer hat da in der Schule nicht aufgepasst.

    Diese Meldungen passen genau in den Zeitraum, da unsere Politiker schon wieder ein paar Mrd an bankrotte Staaten locker machen müssen, damit die ihre Schulden bei unseren Banken bezahlen können. So schreitet die Kernschmelze unseres Wohlstandes dahin. Das grenzt schon an Hochverrat!!

    Bereits vor ein paar Monaten äußerte sich ein EU-Parlamentarier dazu dahingehend: „Wir machen erst mal einen Schritt, um zu sehen, wie das (Deutsche) Volk reagiert, dann den nächsten und immer so weiter“.

    Diese Boom-Meldungen sollte man sich doch mal nüchtern betrachten, um die nächsten Attacken auf die Sparbücher und Lebensversicherungen der Deutschen besser verstehen zu können.
    Von einem Boom können wir erst reden, wenn die Bürger durch Lohnerhöhungen eine größere Kaufkraft haben.

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schwacher-einzelhandel-die-maer-vom-konsumwunder/60056414.html

  • Da der Aufschwung vor allem durch die starken Export-Steigerungen initiiert wird, ist eine Zinserhöhung zur Dämpfung des Inland-Konsums nicht sonderlich zielführend. Eher schon würde eine geschickte Eindämmung der Rohstoff-Spekulation helfen. Dass die möglich ist, konnte man ja Anfang Mai sehen, als die Börse in NY höhere Sicherheitsleistungen für Rohstoff-Spekulationen verlangt hat und die Rohstoff-Notierungen unmittelbar danach heftig einbrachen.

  • Wieder so eine dämliche selbstlob-arie. Hauptsache XXL für deutschland. was mit den anderen ist, ist doch egal ! Nun werden wir sehen, ob das so egal wirklich ist. Wer wird zahlen, wenn die zigmilliarden Bürgschaften fällig werden. Deutschland hat dieses geld in keiner weise, nicht einen cent. 4 bundesländer sind, wie wir gestern gehört haben, in einem finanziell völlig abgewirtschafteten zustand. Die wirtschaft hat die taschen voller geld, der Staat geht auf den Bankrott zu, trotz verkündeter Jubel-mehreinnahmen. Jegliches Maß ist doch hier verlorengegangen.

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