Gefahr steigender Preise
EZB-Ratsmitglieder tendieren zu Zinserhöhung

Die EZB will zurück zur ihrer alten Zinspolitik. Mit Warnungen vor steigenden Risiken für stabile Preise haben EZB-Ratsmitglieder ihre Bereitschaft zu einer weiteren Zinserhöhung bekundet.

HB BRÜSSEL/LISSABON. „Die Gefahren für die Preisstabilität sind weiter auf der Aufwärtsseite, und sie sind zuletzt etwas gestiegen“, sagte der griechische Notenbankchef Nicholas Garganas am Freitag. Höhere Preise für Öl und Nahrungsmittel könnten die Kosten für die Lebenshaltung weiter nach oben treiben. Die Teuerungsrate könnte deshalb 2008 im Schnitt über zwei Prozent liegen und damit höher ausfallen als bislang von der Europäischen Zentralbank vorhergesagt.

Zunehmenden Preisdruck erwartet auch EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark. „Wir betreten jetzt einen Zeitabschnitt, in dem wir eine Teuerungsrate von merklich über zwei Prozent für die verbleibenden Monate 2007 und auch Anfang 2008 erwarten“, sagte Stark in Brüssel. Gedämpft wird der Preisdruck nach den Worten des portugiesischen Notenbankchefs Vitor Constancio durch den starken Euro. Er wirke dem Preisanstieg bei Öl entgegen.

Im September hatte die Teuerung im Euro-Raum mit 2,1 Prozent erstmals seit einem Jahr den von der EZB angestrebten Bereich von knapp unter zwei Prozent verlassen, in dem die Währungshüter Preisstabilität gewährleistet sehen. Bundesbankpräsident Axel Weber hatte bereits am Donnerstagabend gesagt, dass steigende Preise weitere Zinserhöhungen nach sich ziehen könnten: „Drohen sich Risiken für die Preisstabilität zu materialisieren, darf die Geldpolitik ihr primäres Mandat nicht aus den Augen verlieren - auch wenn sie dadurch die ohnehin robuste Konjunktur nicht weiter stützt oder restriktiv wirkt“.

Seit Ende 2005 hat die Notenbank ihren Leitzins stufenweise von zwei auf vier Prozent verdoppelt, um den Preisauftrieb während des Aufschwungs in Schach zu halten. Constancio bezeichnete den Leitzins immer noch als historisch niedrig. Er stelle kein Hindernis für das Wachstum dar. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten hatte die EZB vergangene Woche wie schon im September von einer weiteren Zinserhöhung abgesehen.

Analysten gehen davon aus, dass die Währungshüter ihren Leitzins vorerst nicht antasten, um die Folgen der Finanzkrise besser einschätzen zu können. Stark zufolge wird die Konjunktur im Euro-Raum trotz der Turbulenzen robust bleiben.

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