Geheime Maulwurfjagd
Undichte Stelle bei US-Fed brachte Händlern profitable Tipps

Bei der Federal Reserve fingen die Alarmglocken an zu läuten: Innerste Geheimnisse der US- Notenbank waren an die Wall Street durchgesickert. Eine Jagd nach dem Maulwurf begann – Komplett im Verborgenen.
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WashingtonDas Papier löste eine Jagd nach dem Maulwurf aus, die bis in die höchsten Ränge der Notenbank ging: Im September 2012 waren vertrauliche Überlegungen des Offenmarktausschusses (FOMC), die ein Handeln der Federal Reserve im Dezember signalisierten, in ein Analysepapier gelangt, das unter Händlern kursierte.

Die Geschichte über die durchgesickerten Informationen aus dem FOMC zeigt, wie weit Außenstehende gehen, um an Interna der Fed zu gelangen und wie wertvoll ein derartiger Zugang sein kann. Die Fed hat weder die Untersuchung noch ihre Ergebnisse bekannt gegeben.

Öffentliche Erklärungen von Fed-Repräsentanten bewegen in der Regel die Märkte, und die Notenbanker wandeln bei der Erörterung von Informationen auf einem schmalen Grad. Sie dürfen ihre eigene Ansicht bekunden, es ist ihnen aber untersagt, nicht-öfffentliche Informationen über FOMC-Entscheidungen preiszugeben.

Das Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses, ein 12- Mitglieder umfassende Gremium zur Festlegung der Geldpolitik, ist so sensibel, dass ein versehentliches Durchsickern im April 2013 für Aufregung sorgte. In jüngster Zeit konzentrierte sich das Problem von undichten Stellen bei der US-Notenbank auf die Federal Reserve Bank of New York, wo ein Mitarbeiter vertrauliche Informationen an einen Banker von Goldman Sachs gab.

Die Analyse zur FOMC-Sitzung vom September 2012 kam von Medley Global Advisors. Medley wurde 1997 von Richard Medley, dem früheren politischen Chef-Strategen von George Soros gegründet. Firmen wie Medley versuchen Informationen und Einblicke in die Politik zu erhaschen und damit Hedgefonds und andere Kunden zu bedienen.

Medley brachte den FOMC-Bericht am 3. Oktober 2012 heraus, einen Tag bevor die Fed das Sitzungsprotokoll veröffentlichte. Wer den Medley-Bericht kannte, hätte sich positionieren, um von einem Kursrückgang bei US-Treasuries zu profitieren, der nach der offiziellen Verlautbarung der Fed erfolgte.

Medley gehört zur FT Group, einer Tochtergesellschaft der Pearson Plc. Weder Medley noch ihren Mitarbeitern ist ein Fehlverhalten vorgeworfen worden. Die Fed sei nicht an die Gesellschaft herangetreten, sagt Dan Bogler, Präsident von Medley Global Advisors. Der Bericht vom 3. Oktober ist von Regina Schleiger verfasst worden, einer früheren Finanzjournalistin, die nun ein Senior Managing Director bei Medley ist.

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Medley-Kunden wussten früher, was kommen würde

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  • Da war weder etwas undicht noch geschah es unabsichtlich - jedenfalls bei den Beteiligten.

    Der Informationsaustausch vor der offiziellen "forward guidance" der Fed - womit er teilweise offiziell wurde -, war durchaus beabsichtigt, geplant und auch Teil des Systems von Cronies unter führenden Leuten bei Fed, Treasury und (Investment-) Banken.

    Sonst hätte sich die ausweitende Entwicklung bei den Bewertungen an den Märkten für alle möglichen Assets nicht betreiben lassen.

    Die Devise ist lange bekannt: pumpt alles voll - dann schwimmt alles oben.
    Man vergaß hinzuzufügen: sofern es schwimmen kann.

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