Geldmarkt
Liquiditätsproblem schwelt weiter

Die Zinssätze für Ausleihungen unter Banken mit Fälligkeit in zwei und drei Monaten haben gestern neue Rekorde aufgestellt. Bei vielen Instituten geht die Angst um, sich nicht ausreichend refinanzieren zu können. Unterdessen versucht die Europäische Zentralbank, den Markt zu beruhigen.

FRANKFURT. Der Satz für Tagesgeld wird heute in einer Spanne von 3,89 bis 3,92 Prozent erwartet, nachdem er am gestrigen Dienstag nach der Zuteilung des jüngsten Hauptrefinanzierungs-Tenders der Europäischen Zentralbank (EZB) auf 3,90 Prozent gefallen war. Aufgrund der großzügigen Zuteilung dürfte er tendenziell weiter zurückgehen, sagte ein Disponent. Er vermutet, dass sich die Abschwächung bis kommenden Dienstag fortsetzt.

Die EZB hat am Dienstag dem Geldmarkt 163 Mrd. Euro zugeteilt. Das sind zehn Mrd. Euro mehr, als nach der Prognose der EZB zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage erforderlich gewesen wären. Wie die EZB mitteilte, gaben bei einem Mindestbietungssatz von vier Prozent 273 Banken Gebote für insgesamt 253 Mrd. Euro ab; zugeteilt wurde in einer Spanne von 4,18 bis 4,30 Prozent. „Viele haben aus Angst, sich nicht ausreichend refinanzieren zu können, 4,30 Prozent auf ihre Gebote geschrieben“, sagte ein Händler. Damit seien 20 bis 23 Basispunkte zu viel geboten worden, um die nötige Liquidität zu erhalten. Die Zinssätze für Ausleihungen unter Banken mit Fälligkeit in zwei und drei Monaten haben am Dienstag neue Rekorde aufgestellt. Der Drei-Monats-Euribor kletterte auf 4,86 Prozent. Das ist der höchste Satz seit dem 29. Dezember 2000.

Julian Callow, Chefvolkswirt Europa von Barclays Capital, schlägt vor, dass der EZB-Rat bei seiner morgigen geldpolitischen Sitzung weitere Beschlüsse zur Entlastung des Geldmarktes fasst. So könnte die Spanne zwischen dem Notenbankzins von derzeit vier Prozent und den Sätzen, zu denen die Banken bei der EZB über Nacht Geld leihen (Spitzenrefinanzierungsfaziltität) oder anlegen (Einlagenfazilität) können, von plus/minus ein Prozent auf 50 Basispunkte verringert werden.

Die EZB versucht indessen weiterhin, den Markt zu beruhigen. Sie strebe nach wie vor eine ausgewogene Liquiditätslage am Ende der Mindestreserve-Erfüllungsperiode an, teilte die Notenbank mit. Sie sei auch bereit, zu Beginn der Erfüllungsperiode, wenn der Liquiditätsbedarf besonders hoch ist, steuernd einzugreifen.

Der EZB-Rat hat mit Blick auf den Jahreswechsel beschlossen, die Laufzeit des am 19. Dezember 2007 abzuwickelnden einwöchigen Hauptrefinanzierungsgeschäfts auf zwei Wochen zu verlängern. Sie endet am 4. Januar statt am 28. Dezember. Damit werde der Liquiditätsbedarf des Bankensektors über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel gedeckt. Möglicher weiterer Liquiditätsbedarf könne durch das am 28. Dezember fällige Hauptrefinanzierungsgeschäft befriedigt werden.

Die Liquiditätsspritzen der EZB in den Geldmarkt hätten zwar die Finanzkrise nicht behoben, aber geholfen, die Bedingungen zu normalisieren, sagte der griechische Notenbankgouverneur Nicholas Garganas am Dienstag in Athen. Mit der Vorlage geprüfter Bankbilanzen werde sich die Transparenz wieder erhöhen und damit ließen auch die Turbulenzen allmählich nach.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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