Geldmenge wächst weiter
EZB sieht längerfristige Inflationsgefahr

Das Wachstum der für die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wichtigen Geldmenge M3 ist im April weiterhin hoch geblieben. Auch die Vergabe von Konsumentenkrediten beschleunigte sich. Die übermäßige Geldversorgung weist nach Einschätzung der EZB auf längerfristige Inflationsgefahren hin, womit eine weitere Zinserhöhung wahrscheinlicher wird.

HB FRANKFURT. Im Vergleich zum April 2006 sei M3 bereinigt um 10,4 Prozent gestiegen nach 10,9 Prozent im März, wie die EZB am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Analysten hatten mit 10,7 Prozent gerechnet. Die Vergabe von Buchkrediten an den privaten Sektor beschleunigte sich um 10,3 nach 10,5 Prozent.

Die übermäßige Geldversorgung der Wirtschaft weist nach Einschätzung der EZB auf längerfristige Inflationsgefahren hin. Der starke M3-Anstieg ist deshalb ein Grund für die Zinserhöhungen der EZB. Seit Ende 2005 verteuerte die Zentralbank ihre Kredite an Banken um 1,75 Punkte auf 3,75 Prozent. Die EZB signalisierte bereits, in der kommenden Woche den Zins erneut anzuheben. Analysten rechnen fest mit einem Aufschlag von weiteren 25 Basispunkten auf vier Prozent. Mehr und mehr Experten halten einen weiteren Schritt für notwendig, weil der robuste Aufschwung im Euro-Raum die Inflationsgefahr nicht schwinden lässt.

Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Februar bis April) wuchs die Geldmenge mit einer Jahresrate von 10,4 Prozent nach revidiert 10,2 Prozent im vorangegangenen Zeitraum. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit. Das Geldmengenwachstum liegt schon seit Mitte 2001 über dem Referenzwert von 4,5 Prozent, bis zu dem die Geldversorgung nach Einschätzung der EZB nicht zu einem stärkeren Preisanstieg führt. Innerhalb und außerhalb der Notenbank wird bezweifelt, dass diese Messlatte angesichts vieler Neuerungen an den Finanzmärkten noch gilt.

EZB-Ratsmitglieder halten entgegen, die monetäre Analyse sei ohnehin viel differenzierter als der simple Vergleich der Wachstumsrate mit dem Referenzwert.

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