Geldpolitik China entzieht den Banken Geld für Kredite

Chinas Notenbank tritt auf die Bremse: Angesichts steigender Preise und einer nur leichten Abkühlung am Wohnimmobilienmarkt zog die chinesische Notenbank bereits zum dritten Mal binnen eines Monats die geldpolitischen Zügel an.
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Chinesische Banken wir die ICBC bekommen weniger Geld für Kredite. Quelle: Reuters

Chinesische Banken wir die ICBC bekommen weniger Geld für Kredite.

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HB PEKING. Die Notenbanker hoben am Freitag die Mindestreserveanforderungen an und entzogen so den Banken Geld für die Kreditvergabe. Experten hatten mit einem Gegensteuern der Zentralbank gerechnet, nachdem der Preisdruck zuletzt wieder zugenommen hat.

Zugute kommt der Notenbank, dass die Wirtschaft auf Hochtouren läuft. Sowohl Importe als auch Exporte stiegen im November auf Rekordwerte. Experten sehen das als doppelt gutes Zeichen für die Weltwirtschaft. Das Exportplus deutet darauf hin, dass die US-Wirtschaft wieder stärker in Schwung kommt. Die wachsenden Importe signalisieren zudem eine Belebung der chinesischen Binnennachfrage.

Vor allem der Immobiliensektor boomt, so dass die Banken derzeit unerwartet viele Kredite vergeben. Die Regierung in Peking beobachtet diese Entwicklung seit längerem mit Sorge und hat erst vor kurzem signalisiert, geldpolitisch gegenzusteuern.

Experten sehen die Entscheidung, nun lediglich die Mindestreserveanforderungen für die Banken um 50 Basispunkte zu erhöhen, als Signal, dass die Regierung die Inflation immer noch für kontrollierbar hält. Inzwischen müssen zwar die Banken mit 18,5 Prozent so viel Geld hinterlegen wie nie zuvor. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass im kommenden Jahr die Anforderungen weiter verschärft werden. "Ich gehe davon aus, dass die Quote bis auf 23 Prozent steigt", sagte Lu Zhengwei von der Industrial Bank in Shanghai. Auch Zinserhöhungen rücken in Reichweite.

Damit versucht die Notenbank, die Teuerung in den Griff zu bekommen, die Berichten zufolge im November bei 5,1 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 28 Monaten lag. Zugleich bedeuten höhere Reserveanforderungen, dass die Banken nicht mehr so viel Geld verleihen können. Das dürfte auch den Preisanstieg am Wohnimmobilienmarkt weiter dämpfen, der im November bei 7,7 Prozent verglichen mit dem Vorjahr lag und damit seit sieben Monaten an Schärfe verliert. Die Regierung in Peking befürchtet, dass eine Blase bei Wohnimmobilien entstanden ist und hat deswegen in den vergangenen Monaten wiederholt die Anforderungen für die Käufer von Häusern und Wohnungen verschärft.

Auch der Außenhandel boomt. Die Einfuhren legten mit 37,7 Prozent weitaus stärker zu als erwartet - Analysten hatten lediglich einen Anstieg um 24,2 Prozent vorhergesagt. Die Ausfuhren schnellten um 34,9 Prozent in die Höhe, während von Reuters befragte Analysten nur mit einem Anstieg von 22 Prozent gerechnet hatten. Das zeige, dass die US-Wirtschaft an Kraft gewinne, sagte Wang Han von CEBM in Shanghai. Die USA sind der wichtigste Handelspartner Chinas und Abnehmer der meisten Produkte der Volksrepublik.

Der Handelsüberschuss lag bei 22,9 Milliarden Dollar und dürfte erneut Kritik an der Wechselkurspolitik Pekings laut werden lassen. Die USA und Europa werfen China vor, den Kurs der Landeswährung Yuan künstlich niedrig zu halten und so den Exporteuren Vorteile am Weltmarkt zu verschaffen. Angesichts der guten Konjunkturaussichten und der steigenden Preise gehen Experten jedoch davon aus, dass der Yuan im kommenden Jahr ohnehin stärker an Wert gewinnt.

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  • Zu wenig bremse und zuviel "Umgehungsgeschäft" treiben China auf die unvermeidliche Katastrophe zu. Die Exportzuwächse notabene verdanken sich zu einem ansehnlichen Teil Preisanhebungen und Wechselkursdehnungen - neben dem stets extremen Weihnachtsgeschäft.

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