Geldpolitik: „Der Ball liegt nun in der Hälfte der Regierung“

Geldpolitik
Japans Notenbank gibt klein bei

„Der Ball liegt nun in der Hälfte der Regierung“

Erstens hat die Notenbank nicht nur noch mehr Geld in Aussicht gestellt, sondern auch erstmals klar erklärt, wie sie es langfristig unter das Volk bringen will. Ab 2014 will sie im Rahmen ihres Kaufprogramms von Wertpapieren monatlich 13 000 Milliarden Yen (109 Milliarden Euro) an Anleihen kaufen. 2000 Milliarden sollen in japanische Staatsanleihen fließen, der Rest in Treasury Bills. Darüber hinaus ist das Programm nun zeitlich offen wie bei der US-Notenbank Fed. Bisher hatte die Notenbank es zeitlich begrenzt – zuletzt auf Ende 2013, aber in der Praxis immer verlängert.

Unter dem Strich, also abzüglich von bereits gekauften Staatsanleihen, die in dem Zeitraum fällig werden, erhöht sich das Kaufprogramm damit um weitere 10000 Milliarden auf 111 Milliarden Yen. Dies entspricht zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zusätzlich kauft die Notenbank pro Jahr ohnehin schon seit zehn Jahren jährlich JGBs in Höhe von 21 000 Milliarden Yen, um die Zinsen niedrig und damit den Schuldendienst Japans bezahlbar zu halten.

Darüber hinaus wird sie vierteljährlich im Regierungsausschuss für Wirtschafts- und Haushaltspolitik über ihre Fortschritte Rechenschaft ablegen. Und die Regierung verpflichtet sich in der gemeinsamen Erklärung der Notenbank und der Regierung ebenfalls zu Reformen, die „Japans Wettbewerb und Wachstumspotenzial stärken“. Konkret führt die Regierung Innovationspolitik, „mutige“ Deregulierung und eine bessere Nutzung des Steuersystems auf.

Der Chor der Skeptiker hingegen glaubt, dass die Notenbank sich mit einem Formelkompromiss aus der Schlinge gewunden hat, die Abe ihr umlegen wollte. „Das sieht aus wie ein Spielzeuginflationsziel“, meint Stephen Church, Volkswirt von Japaninvest. Denn die Notenbank musste - anders als von Abe ursprünglich verlangt – nicht versprechen, bis wann sie das Inflationsziel erreichen will.

Dass die Notenbank ihre Inflationserwartungen für die kommenden Jahre nicht verändert hat, stärkt die Ansicht derjenigen, dass hier nur alter Wein in neuen Schläuchen verkauft wird.

Auch in der Bank von Japan feiert man ein wenig. Denn ihrer Ansicht nach hat sie nur klarer beschrieben und teuer verkauft, was sie ohnehin schon macht. Außerdem hat die Regierung anerkannt, dass nicht nur Geldpolitik notwendig ist, um Japan aus seiner Dauerkrise zu reißen. Vielmehr ist auch die Regierung gefordert, durch Strukturreformen für mehr Wachstum der Konjunktur, der Profite und der Gehälter zu sorgen. Und dies ist das Mantra der Notenbank seit Jahrzehnten. Kyohei Morita von Barclays Capital drückt die neue Situation so aus: „Der Ball liegt nun in der Hälfte der Regierung.“

Unabhängig von der Beurteilung der Märkte: Aktienmarktstrategen halten schon länger eine Korrektur der Märkte für wahrscheinlich. Denn der rapide Fall des Yen und der Kursgalopp der Aktien deuten schon länger auf eine Überhitzung der Märkte hin.

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Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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