Geldpolitik: EZB scheut nächsten Zinsschritt

Geldpolitik
EZB scheut nächsten Zinsschritt

EZB-Chef Draghi hat an der Zinsfront ausnahmsweise nichts gemacht. Dank der erfolgreichen Anleiheauktion zuvor gab es dafür keinen Grund. Draghi sieht gar Anzeichen für eine Stabilisierung und hält sein Pulver trocken.
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Frankfurt/MainEZB-Chef Mario Draghi sieht positive Signale. „Die Wirtschaft wird sich 2012 wieder stabilisieren, wenn auch nur schrittweise“ und auf niedrigem Niveau, sagte Draghi am Donnerstag nach der EZB-Ratssitzung in Frankfurt am Main. Der Milliarden-Kredit der EZB an die Geschäftsbanken vom Dezember zeige Erfolge: Mit dem Angebot, den Banken für eine Laufzeit von drei Jahren Geld zu leihen, habe vermutlich eine Kreditklemme verhindert werden können, sagte Draghi.

Die Entscheidung der EZB habe für alle Banken der Eurozone "wie eine Versicherung" gegen das Risiko gewirkt, ohne Liquidität dazustehen, gabt sich der Notenbankchef optimistisch. Allerdings könnten Rückschläge nach wie vor nicht ausgeschlossen werden.

Der EZB-Rat hatte auf seiner heutigen Sitzung beschlossen, die Zinsen auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent zu belassen. Zuvor war die erste große Anleiheauktion in diesem Jahr von Spanien und Italien überraschend gut ausgefallen. Spanien verkaufte bei einer Anleiheauktion dreijährige Papiere im Wert von 9,98 Milliarden Euro - fast doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Außerdem musste das Land deutlich weniger Zinsen bezahlen als bei der letzten vergleichbaren Auktion. Die Durchschnittsrendite der Anleihen mit Laufzeit bis Juni 2015 lag bei 3,38 Prozent. Im Dezember hatte Spanien für 2015 auslaufende Bonds noch 5,18 Prozent zahlen müssen.

Einen großen Erfolg feierte auch Italien. Das Land verkaufte wie geplant kürzer laufende Papiere im Wert von zwölf Milliarden Euro und konnte sich über einen regelrechten Zinssturz freuen. 8,5 Milliarden Euro nahm Italien über einjährige Schatzanweisungen auf, für die eine Rendite von 2,735 Prozent bezahlt wurde. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Italien Gläubigern bei der letzten vergleichbaren Auktion hatte bieten müssen. Im Dezember lag die Rendite noch bei 5,952 Prozent. Weitere 3,5 Milliarden Euro nahm das Land mit dem Verkauf von Titeln mit 136 Tagen Laufzeit ein. Hier sank die Rendite von 3,25 auf 1,644 Prozent, den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr.

Zeitbomben: Fällige Staatsanleihen

Quelle: Information Research

An den Märkten wurden die Emissionserfolge der Peripheriestaaten mit deutlichen Kurssteigerungen gefeiert. Der Deutsche Aktienindex baute seine leichten Gewinne aus dem frühen Handel aus und stieg in der Spitze um 1,7 Prozent auf 6.256 Punkte. Später gab er jedoch nach schlechten Einzelhandelszahlen aus den USA einen Teil seiner Gewinne wieder ab.

Die erfolgreiche Auktion könnte ein Indiz dafür sein, dass die Rettungsstrategie der EZB für die Eurozone aufgeht. Im Dezember hatte die EZB bei einem historisch einmaligen Geldmarktgeschäft den Banken in der Eurozone fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre quasi zum Nulltarif zur Verfügung gestellt. Damit wollte sie offensichtlich nicht nur die angeschlagenen Banken stabilisieren, sondern auch die Euro-Krisenstaaten. Statt deren Staatsanleihen selbst zu kaufen, gab die EZB den Banken Unmengen von Billiggeld, damit sie sie kaufen - so das Kalkül.

Diese Rechnung könnte aufgehen. Ende Februar wird die EZB vermutlich erneut eine halbe Billion Euro Billiggeld an die Banken ausschütten. Denn dann wird es eine zweite Dreijahres-Leihe wie die im Dezember geben. Der bei der Ratingagentur Fitch für Finanzinstitute zuständige Direktor James Longsdon rechnet dafür wieder mit rekordverdächtigen Summen. Aus Longsdons Sicht dürfte im Februar zum zweiten Mal ein Betrag von bis zu einer halben Billion Euro von den Banken angefordert werden.

Der Chef des Liquiditäts-Managements der Commerzbank, Thorsten Kanzler, sieht das ähnlich. „Wir werden uns in einer ähnlichen Höhe bewegen wie im Dezember“, sagte Kanzler. Das liege an einer weiteren Erleichterung, die die EZB den Banken zuletzt gewährt hatte. Draghi hatte nämlich nicht nur angekündigt, die Kaution bei den EZB-Geschäften zu halbieren, sondern auch die Liste der dabei akzeptierten Sicherheiten erweitert.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

Kommentare zu " Geldpolitik: EZB scheut nächsten Zinsschritt"

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  • Weltwirtschaftskriese...Gier...Veränderung der Rolle der EZB....Geldflut in den Markt....Rettung der Bankster...Systemrelevanz.
    Hat das was mit dem "Bilderberger Kartell" zu tun?

  • Die EZB sind alles Verbrecher und Betrüger. Es ist doch völlig egal, ob eine private Bank dazwischen ist. Was die EZB rein logisch gesehen macht ist direkte Staatsfinanzierung. Hinter den Kulissen gab es sicherlich einen Verwendungszweck für die 500 Milliarden. Und wer hat diese Bankster und ihren Chef Dracula gewählt, das sie sich berufen fühlen Politiker und Retter zu spielen und damit durch Inflation Ersparnisse vernichten.

    Wer oder was hat die EZB dazu legetimiert, die Ersparnisse kleiner Leute zu inflationieren?

  • @Wanninger01

    Verdammt! Der Himmel ist uns schon wieder nicht auf den Kopf gefallen!

    "Hat da jemand eine Erklärung???"

    Nope ...

    @Stbi

    "Zumindest mit denen, die zu bloed sind, diesen Gelddrucktrick zu durchschauen."

    Eben, wenn SIE eine Bank wären, Sie würden ja so was von ...

    Schilder auf denen steht "Die Welt geht unter!" jetzt im Sonderangebot. Sie bekommen sie jetzt kostenlos und einen gratis Lolli obendrauf ...

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