Geldpolitik hat wenig Biss EZB erhöht den Leitzins

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erwartungsgemäß die Leitzinsen im Euro-Raum erneut erhöht. Es ist bereits die vierte Straffung seit Dezember des vergangenen Jahres. Führende Volkswirte sehen aber dennoch keine Gefahr für das Wirtschaftswachstum.

HB FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank hat den entscheidenden Leitzins im Euro-Raum um 0,25 Prozentpunkte auf 3,00 Prozent erhöht. Das teilten die Währungshüter im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt am Main mit.

Führende Volkswirte treten an den Märkten aufflackernden Ängsten entgegen, die weltweite Straffung der Geldpolitik könnte das Wirtschaftswachstum oder Aktien- und Anleihemärkte unter Druck bringen. „Weder die Zinsentwicklung noch das Geldmengenwachstum in den G3-Ländern liefern Belege dafür, dass ein restriktiver geldpolitischer Kurs verfolgt wird“, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank, dem Handelsblatt vor der EZB-Zinsentscheidung am heutigen Donnerstag. „Liquidität ist noch reichlich vorhanden, und die Zinsen sind historisch gesehen nominal und real nach wie vor sehr niedrig“, bestätigt Klaus Holschuh, Leiter Research und Volkswirtschaft der DZ Bank. „Im historischen Vergleich liegen die Realzinsen um zwei Prozent über dem aktuellen Niveau; das gilt für den Euro-Raum, für Japan und auch für die USA.“

Die US-Notenbank Fed hat im Juni ihren Leitzins mit dem siebzehnten Zinsschritt in Folge auf 5,25 Prozent angehoben. Die Bank of Japan hat sich Anfang Juli von ihrer Nullzinspolitik verabschiedet und erstmals seit sechs Jahren den Notenbankzins auf 25 Basispunkte angehoben.

Mayer hält die Befürchtung für unbegründet, dass aufgrund der bisher erfolgten Zinserhöhungen das Wachstum der realen Investitionen gebremst werden könnte. „Der reale Leitzins der G3-Länder hat im Juni bei 0,6 Prozent gelegen; das ist das gleiche Niveau wie im November 2005“, erklärt Mayer. Infolge der steigenden Inflationsraten hätten die Zinserhöhungen real keine Wirkung gezeigt. Und für die reale Wirtschaftsaktivität seien nicht die Nominalzinsen, sondern die Realzinsen entscheidend. Nach wie vor liege der G3-Durchschnittszins noch um 0,3 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Jahre 1999 bis 2006 von 0,9 Prozent.

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