Euro-Krise: Asmussen erwartet Zypern-Hilfe bis Ende März

Euro-Krise
Asmussen erwartet Zypern-Hilfe bis Ende März

Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied, Jörg Asmussen, erwartet bis Ende März eine Entscheidung über Finanzhilfen für Zypern. Sie müsse in jedem Fall vor der Bundestagswahl getroffen werden.
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BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) drückt bei möglichen Finanzhilfen für Zypern aufs Tempo. "Ich erwarte, dass das Hilfsprogramm für Zypern Ende März steht", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen im Interview mit dem Handelsblatt (Montagsausgabe). „Damit kein Zweifel aufkommt: Wenn Zypern keine externe Hilfe erhält, rutscht es in die Zahlungsunfähigkeit.“ Einen Zeitpunkt, wann dem Euro-Staat das Geld ausgehen könnte, wollte er nicht nennen. "Aber falls jemand die Hoffnung hat, eine Entscheidung bis nach der Bundestagswahl zu verschleppen: Das wird nicht gehen", stellte der Notenbanker klar.

In Deutschland hatten sich führende Politiker von Koalition und Opposition ablehnend zu einer Rettungsaktion geäußert. Asmussen warnte vor den Gefahren einer möglichen Pleite des Landes. "Wenn wir heute ein systemrelevantes Land fallen lassen, riskieren wir den Fortschritt, den wir im vergangenen Jahr bei der Bewältigung der Euro-Krise erreicht haben – und zwar unter hohen finanziellen und politischen Kosten.“ Das Rettungspaket für Zypern ist auch deshalb so umstritten, weil das Land ein beliebter Anlageplatz für Schwarzgeld sein soll. Die Regierung in Nikosia bestreitet das. Asmussen schlug eine Untersuchung durch externe Prüfer vor. "Es wäre eine gute Idee, dass eine große internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft das vor Ort untersucht", sagte er. Diese solle prüfen, ob die Standards zur Geldwäschebekämpfung auch tatsächlich angewendet würden. Zudem werde es weitere harte Auflagen für das Land geben. "Dazu gehört, dass der Bankensektor deutlich verkleinert wird", sagte er. "Zudem muss die Transparenz des Finanzsektors erhöht werden."

Zypern benötigt schätzungsweise 17 Milliarden Euro. Das entspricht fast dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt. Der Schuldenstand des Landes würde durch die Hilfskredite also explodieren. "Deshalb werden wir – ähnlich wie bei Griechenland im Dezember – eine ganze Reihe von Maßnahmen zusammenfügen müssen, um die Schuldentragfähigkeit während der Programmlaufzeit wieder herzustellen", kündigte Asmussen an. Dies sei auch notwendig, damit sich der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligen werde. Auf die Frage, ob es einen Schuldenschnitt geben könne, antwortete der Notenbanker: "Ich glaube, man muss alle Maßnahmen prüfen und die Vor- und Nachteile abwägen."

Kommentare zu "Asmussen erwartet Zypern-Hilfe bis Ende März"

Alle Kommentare
  • Einer von Schäubles größeren Fehlern (...er macht ja verdammt viele und verdammt teure seit einigen Jahren) war es, den in die Wolle rot eingefärbten Sozi Asmussen zu "übernehmen", angeblich wegen seiner finanzwirtschaftlichen Kompetenz. Die besitzt er genausowenig wie Schäuble oder dessen Vorgängen, Steinbrück. Erinnert sich noch jemand daran, wie Super-Spar-Finanzminister Steinbrück die "Pendlerpauschale" verfassungswidrigerweise abgeschafft hat und diese durch Urteil des Bundesverfassungsgericht wieder eingeführt werden musste? Oder Steinbrücks damalige Abschaffung der Eigenheimzulage - und jetzt fehlen in Deutschland die Wohnungen, und die Mieten explodieren. Das alles hat sein roter Staatssekretär Asmussen mit ausgeheckt, und jetzt regelt der als "Notenbanker" Deutschlands Währungsgeschicke. Es könnte einem Angst und Bange werden.

  • Der Asmussen ist unter dem seltsamen Finanzminister Eichel nach oben gekrochen. Schwarz-Gelb hat verpennt das Rotkehlchen zu entsorgen. Er wurde zur EZB weggelobt und nun wird er frech.
    Wieder ein Beispiel für die handwerklichen Fehler unserer "Alternativlosen".

  • Es zeigt sich immer klarer: dieses Europa ist zu einem Selbstbedienungsladen der herschenden Polit-Bankster verkommen, die sich schamlos bei der hart arbeitenden und sparsamen Bevölkerung bedient.

  • und nebst Zypern erwartet Herr Arroganz dann die Rettung der 6000 Banken die nur so vor faulen Bilanzen strozen?

  • Ach jetzt ist Cyperussland auch schon systemrelevant!? Wann treten Fidschi, Palau und N'drangheta der Systemrelevanz bei? Dieses Land "Systemrelevant" muss ja das Paradies auf Erden sein. Kaum dort angekommen ist man - Banker, Politiker, Mafioso, Zocker oder Zinker - unantastbar, konsequenzenlos, grenzenlos korrupt, dekadent, moralisch und ökonomisch auf höchsten Niveau verkommen, bleibt dennoch Intimfreund der EZB namentlich des Herrn Asmussen. Was muss die EZB eigentlich noch alles an Halbverdautem auswürgen bis alle Bürger sich erbrechen über den Auswurf des 1. Messdieners seiner Heiligkeit Draghi.

  • Zypern ist also systemrelevant??? Der gute Jörg hat vergessen das Wort "alternativlos" einzubauen!

  • Man muß nur den Begriff 'Systemrelevanz' im Sinne von Asmussen richtig interpretieren: Das System ist ein Zusammenspiel von Politikmacht und Geldmacht - zum beiderseitigen Nutzen.

    Zypern ist lediglich ein kleines Instrument bei der Tätigkeit der Operateure ... wie ein Tupfer oder eine Aderklemme bei der Beschneidung der Wählermacht.

  • Der Tatbeitrag Zyperns geht weit hinaus über Geldwäsche - Zypern stellt die Betrugsinfrastruktur, die bestimmte Verbrechen überhaupt erst ermöglicht.

    Erinnert sei an die Razzia im Kloster Vatopedi auf dem Berg Athos Ende 2011. Von den Mönchen bis zum Abt waren die Kirchenmänner beteiligt an einem 100 Millionen-€-Betrug zu Lasten des griechischen Volkes. Tatbeteiligt auch 2 Minister der (damaligen) Regierung Kostas Karamanlis. Eine Schiebung um 260 staatl. Liegenschaften.
    Zypern stellte dabei die verdunkelnde Briefkasteninfrastruktur, die Verbriefungsbetrug und anonyme Begünstigung erst ermöglicht.
    Doch nicht nur Griechenlands Diebeseliten werden von Zypern tat-unterstützt. Auch russische Abgabenbetrüger können auf die Strohmann- und Betrugskultur Zyperns bauen.
    Zypern ist auf dem "Fest Europa" wie ein schlechter Gast, der alle eingeräumten EU-Freiheiten nur dazu nutzt, die übrigen Gäste komfortabel zu bestehlen.

  • Mit Blick auf den zypr.Antrag auf Gewährung von Finanzhilfen bemerkte CDU-Haushaltspolitiker Willsch im HB-Interview, Zypern habe die Einwohnerzahl und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) einer deutschen Großstadt.

    „Das kann unmöglich den Euro-Raum als Ganzes bedrohen“, sagte Willsch. „Sonst kann man gleich Abreißblöcke mit Kreditantragsformularen drucken lassen.“

    Hintergrund seiner Bemerkungen ist die gezielt verdrängte Tatsache, dass selbst nach den wachsweichen Regeln von EFSFund ESM Hilfen nur zulässig sind, wenn sie der Stabilität der Euro-Zone als Ganzes dienen.

    Was Willsch höflicherweise verschweigt, ist, dass mit Zypern nicht der Patient sondern die Krankheit gerettet würde.
    Zyperns via Ouzobonds ins Wanken geratene Briekastenwirtschaft lebt von Geldwäsche/Steuerschiebung zu Lasten (nicht nur) der EU- Bündnisstaaten.

  • Asmussen sickerte als Vertreter der True Sale International in das BMF ein. Zweck der TSI:
    Ausweitung des Verbriefungsmarktes (dessen ABS-Papiere den Kern der Subprimekrise bilden).

    TSI-Gesellschafterbeirat Asmussen agitierte als BMF-Abteilungsleiter für das Aufweichen von Prüfpflichten.
    So in der "Zeitung für das gesamte Kreditwesen": Das BMF müsse darauf achten, "dass Instituten keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten entstehen, wenn sie in gängige ABS-Produkte mit gutem Rating investieren".
    Pech für die IKB, die an diesen Produkten erstickte: Der ABS-Lobbyist war dort Aufsichtsrat, als Vertreter des Bundes.
    Bizarr: Steinbrück setzte den Lobbyisten als Bankenretter ein + machte ihn zum Staatssekretär. Der führte seinen Minister in der HRE-Rettungsnacht vor - mit bekannten Folgen.
    Später übernahm Asmussen die Vertretung Schäubles. Ob Bafin, SoFFin, Wirtschaftsfonds Deutschland oder EZB: Asmussen ist Garant für lobbygerechte Lösungen.
    Aktuell wirbt das Lobbyvehikel für Zyperns Schwarzgeldrettung.

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