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Euro-Krise: Der listige Plan der EZB

Fast 500 Milliarden Euro leihen sich Banken für drei Jahre bei der Zentralbank. Der Geldregen ist aber nicht nur ein Banken-Rettungspaket. Tatsächlich geht es der EZB um die Schuldenstaaten. Und der Steuerzahler haftet.

EZB-Präsident Mario Draghi. Quelle: Reuters
EZB-Präsident Mario Draghi. Quelle: Reuters

In der bürokratischen Sprache der Zentralbanker hört sich das, was am Mittwoch auf den europäischen Finanzmärkten stattgefunden hat, fast wie ein Routinegeschäft an: Um die Liquidität der europäischen Geldmärkte zu stützen, habe der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, zwei längerfristige Refinanzierungsgeschäfte mit einer Laufzeit von 36 Monaten aufzulegen, teilten die Notenbanker mit.

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Tatsächlich aber ist das heutige Geldmarktgeschäft der EZB in seiner Form einmalig: 489 Milliarden Euro haben sich die Geschäftsbanken der Euro-Zone zu Niedrigzinsen von der Zentralbank gepumpt. Analysten hatten im Schnitt mit 310 Milliarden Euro gerechnet, in der Vorwoche waren noch 250 Milliarden Euro erwartet worden - der Geldhunger der Banken übertrifft alle Erwartungen.

Nie zuvor hat die Notenbank den Kreditinstituten über einen so langen Zeitraum Geld geliehen. Zwar gehören längerfristige Refinanzierungsgeschäfte zum Instrumentarium der EZB. Normalerweise hatten diese jedoch eine Laufzeit von drei Monaten. Seit der Lehmann-Pleite im Oktober 2008 hat die EZB jedoch auch schon mehrfach Geld über ein Jahr an die Banken vergeben. Das größte Geschäft war bislang im Juni 2009: Damals stellte die EZB 442 Milliarden über ein Jahr zur Verfügung.

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Mit dem sogenannten Dreijahrestender legt die EZB nun ein weiteres gigantisches Stützungsprogramm auf. Es zielt nur vordergründig auf den Bankensektor. Denn in Wahrheit ist die beispiellose geldpolitische Aktion ein Rettungspaket für die Schuldenstaaten. Die EZB macht mit ihrer Geldschwemme über die Hintertür genau das, wogegen sie sich bislang öffentlich sträubt: Sie wirft die Notenpresse an, um indirekt Schulden der wackelnden Euro-Staaten zu finanzieren.

„Geldpolitik kann nicht alles machen“, hatte EZB-Chef Mario Draghi noch am Wochenende in einem Interview mit der britischen Financial Times Hoffnungen auf massive Anleihekäufe durch die Notenbank eine Absage erteilt. Der heutige Tag beweist, dass sie zwar nicht alles, aber einiges kann.

Die Maßnahmen der Notenbanken gegen die Krise

  • August 2007

    Die Probleme an den Hypotheken- und Kreditmärkten greifen auf den Interbanken-Geldmarkt über. EZB und Fed sehen sich gezwungen, zusätzlich Liquidität in den Markt zu pumpen.

  • 12. Dezember 2007

    Die Notenbanken in den fünf wichtigsten Währungsräumen greifen gemeinsam ein, um ein Austrocknen der Geldmärkte zu verhindern.

  • 15. September 2008

    Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers öffnen die großen Zentralbanken die Geldschleusen, um mitten in der Panik an den Finanzmärkten die Geschäfte am Geldmarkt am Laufen zu halten.

  • 8. Oktober 2008

    Die wichtigsten Notenbanken weltweit senken gemeinsam die Zinsen - ein historischer Schritt. 4. Dezember 2008: Die EZB senkt ihren Leitzins überraschend um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent. Es ist der größte Zinsschritt seit der Einführung des Euro und der Gründung der europäischen Notenbank.

  • 16. Dezember 2008

    Die Fed kappt ihren Leitzins auf eine Spanne zwischen null und 0,25 Prozent - ein Rekordtief.

  • 18. März 2009

    US-Notenbankchef Bernanke kündigt den Ankauf von Staatspapieren für zunächst 300 Milliarden Dollar an. Die Fed erweitert außerdem ihre bestehenden Programme zur Stützung der Kreditmärkte und Banken auf rund eine Billion Dollar.

  • 7. Mai 2009

    Die EZB senkt ihren Leitzins auf das Rekordtief von einem Prozent.

  • 24. Juni 2009

    Die EZB stellt den Banken der Euro-Zone erstmals für ein ganzes Jahr Liquidität zur Verfügung. Mehr als 1000 Banken rufen die Riesensumme von 442 Milliarden Euro ab.  6. Juli 2009: Die EZB beginnt offiziell mit dem Ankauf von Pfandbriefen.

  • 16. Dezember 2009

    224 Banken aus der Euro-Zone rufen beim letzten Jahrestender der EZB knapp 100 Milliarden Euro ab. Das ist ein Wendepunkt.

  • 19. Februar 2010

    Die Federal Reserve erhöht den Zinssatz für Übernachtkredite von 0,5 auf 0,75 Prozent und verteuert damit Notkredite für Banken erstmals seit Ausbruch der Krise.

  • 25. März 2010

    EZB-Chef Trichet kündigt an, dass die Notenbank auch über das Jahresende 2010 hinaus Sicherheiten mit einem schwächeren Rating als „A-“ akzeptieren wird. Sie hilft damit indirekt den griechischen Banken und erleichtert die Refinanzierung Griechenlands.

  • 10. Mai 2010

    Die EZB kündigt im Kampf gegen die eskalierende Schuldenkrise in der Euro-Zone an, am öffentlichen und privaten Anleihemarkt in großem Stil aktiv werden zu wollen. Die Notenbank gibt damit ihren Widerstand gegen den Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Länder auf, der Kritikern zufolge zu einem Ansteigen der Inflation führen könnte. Laut EU-Vertrag kann die EZB die Anleihen nur am Sekundärmarkt erwerben und nicht direkt bei den Regierungen.

  • 10. August 2010

    Die Fed stoppt unter dem Eindruck der nur zähen Konjunkturerholung in den USA und der andauernden Misere am Arbeitsmarkt den begonnenen Exit. Sie will Geld, dass sie durch Fälligkeit bereits erworbener Immobilienpapiere bekommt, wieder reinvestieren und neue Staatsanleihen kaufen.

  • 5. Oktober 2010

    Japans Notenbank zieht im Kampf gegen Wirtschaftskrise, Deflation und den starken Yen weitere Register. Sie senkt den Leitzins auf null und legt einen fünf Billionen Yen (60 Milliarden Dollar) schweren Fonds auf, über den sie die unterschiedlichsten Wertpapiere ankaufen und so weiteres Geld in die Wirtschaft pumpen will.

  • 3. November 2010

    Die Fed beschließt den Ankauf von weiteren Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar bis Ende der ersten Jahreshälfte 2011. Zusätzlich sollen auslaufende Papiere aus dem Bestand ersetzt werden. Insgesamt hat die neuerliche Geldspritze damit ein Volumen von 850 bis 900 Milliarden Dollar.

  • 16. Dezember 2010

    Die EZB beschließt eine Verdoppelung ihres Grundkapitals auf knapp elf Milliarden Euro. Bezahlen müssen dies die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken: Die Bundesbank muss entsprechend des Kapitalschlüssels gut eine Milliarde Euro auf ihren Anteil dazupacken.

  • 18. März 2011

    Nach Erdbebenkatastrophe, Tsunami und Atomdebakel in Japan intervenieren die wichtigsten Notenbanken der Welt gemeinsam am Devisenmarkt.

  • 8. August 2011

    Die EZB beginnt mit dem Ankauf von Anleihen Italiens und Spaniens. Beide Länder waren zuvor ins Visier der Märkte geraten.

  • 9. August 2011

    Die Fed erklärt, dass sie ihren Leitzins wegen der mauen Konjunktur noch für „mindestens“ zwei Jahre nahe Null halten will.

  • 30. November 2011

    In einer koordinierte Aktion stellen EZB und Fed sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz den von der Krise gebeutelten europäischen Banken Dollar zur Verfügung. Den Instituten fiel es zuletzt schwer, sich Dollar-Kredite zu beschaffen - viele US-Investoren haben ihnen aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise den Geldhahn zugedreht. Fast gleichzeitig lockert auch die chinesische Notenbank unerwartet ihre Geldpolitik. Sie senkte erstmals seit drei Jahren die Mindestreserve-Anforderungen der Banken.

114 Kommentare

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  • 04.01.2012, 21:53 UhrAnonymer Benutzer: Bruno

    Die akzeptierten "Sicherheiten" bei der EZB sind ja nicht nur Staatsanleihen der Pleitestaaten! Im Rahmen eines "quantitativen easings" wird kolportiert, dass auch schon gebrauchte Tempotaschentücher zur Sicherung ausreichen !

  • 23.12.2011, 11:49 UhrAnonymer Benutzer: ursularenner

    Es geht nicht um die Subventionierung der Banken. Es geht darum, daß es der EZB untersagt ist, mit der Notenpresse Staatsschulden zu finanzieren. Draghi tönt allerorten, daß er das auch nicht will und - genau das macht, wenn auch durch die Hintertür. Das ist bodenlose Bauernfängerei. Die EZB wird immer mehr zur bad Bank in Europa, für die wir zu 28% haften. Aber unser Publikum regt sich ja lieber über einen Bahnhof oder einen Privatkredit auf!

  • 23.12.2011, 11:49 UhrAnonymer Benutzer: ursularenner

    Es geht nicht um die Subventionierung der Banken. Es geht darum, daß es der EZB untersagt ist, mit der Notenpresse Staatsschulden zu finanzieren. Draghi tönt allerorten, daß er das auch nicht will und - genau das macht, wenn auch durch die Hintertür. Das ist bodenlose Bauernfängerei. Die EZB wird immer mehr zur bad Bank in Europa, für die wir zu 28% haften. Aber unser Publikum regt sich ja lieber über einen Bahnhof oder einen Privatkredit auf!

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