Euro-Krise: Wundersame Geldvermehrung stößt auf Skepsis

Euro-Krise
Die verlorene Unschuld der EZB

Wundersame Geldvermehrung stößt auf Skepsis

Für die Gegner dieser Politik, allen voran Bundesbankchef Axel Weber und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, war das ein bitterer Tag. An ihm wurde die Saat für die späteren Rücktritte der beiden Notenbanker gelegt. Stark und Weber fühlen sich der Inflationsbekämpfung verpflichtet, dem Ursprungsauftrag der EZB. Jetzt war die Mehrheit von gestern zur radikalen Minderheit im EZB-Rat geworden.

Damit hatte die Zentralbank den Rubikon überschritten. „Wir wollten bei der Gründung der Europäischen Zentralbank ausschließen, dass die Notenbanken den Staat finanzieren“, sagte der ehemalige Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger zwei Tage nach der Brüsseler Nacht dem Handelsblatt.

Es sollte nicht der letzte sonntägliche Krisen-Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs dieser Art gewesen sein. Die hektischen nächtlichen Sitzungen am Sonntag kurz vor Börsenbeginn gehören mittlerweile zum Ritual europäischen Krisenmanagements. Das Ergebnis ist immer das gleiche: mehr Milliarden zur Rettung des Euros, mehr Zugeständnisse der EZB, jenseits ihres eigentlichen Auftrags als Lückenbüßer für die Politik an den Finanzmärkten aktiv zu werden.

Mittlerweile hat die EZB Staatsanleihen im Volumen von 213 Milliarden Euro aufgekauft. Die Bilanzsumme der Notenbank hat sich nicht zuletzt wegen der großzügigen Stützungsaktionen der EZB für die Banken beinahe verdoppelt – von 1,3 Billionen Euro im Januar 2008 auf 2,7 Billionen Euro im Januar 2012.

Die wundersame Geldvermehrung stößt vor allem in Deutschland auf Skepsis. Das war von Anfang an so. Die am Montagmorgen des 20. Mai von Trichet zur Schau gestellte Einmütigkeit im EZB-Rat war nur Fassade. Bei der erwähnten Telefonkonferenz der Notenbank-Gouverneure hatten sich die beiden Deutschen im obersten Führungsgremium der Notenbank, Jürgen Stark und Axel Weber, erbitterte Wortgefechte mit ihren französischen und italienischen Kollegen geliefert. Die deutsche Seite, so berichten Teilnehmer, sei kurz davor gewesen, die Telefonhörer aufzulegen.

„Um unser primäres Ziel von Preisstabilität zu gewährleisten, muss Geldpolitik wirken“, rechtfertigte Trichet die unkonventionellen Maßnahmen. Die Störungen ergeben sich aus Sicht der EZB dadurch, dass sich die Zinssätze auf Staatsanleihen deutlich voneinander unterscheiden.

Doch das Argument überzeugt die Deutschen nicht. Ihr Unmut richtet sich vor allem gegen die Willfährigkeit, mit der die EZB den Wünschen der Politiker erlag. Die hatten eine konzertierte Aktion angemahnt. Ihr Wille geschah.

Anders als bei bisherigen Meinungsverschiedenheiten blieb der Groll diesmal nicht hinter verschlossener Tür. Dafür sorgte Bundesbank-Präsident Axel Weber. „Der Ankauf von Staatsanleihen birgt erhebliche stabilitätspolitische Risiken, und ich sehe diesen Teil des Beschlusses kritisch“, sagte er am 11. Mai 2010 im Gespräch mit der „Börsenzeitung“.

Damit zeichnete sich schon im Frühjahr 2010 der Bruch innerhalb der EZB ab. Bundesbank-Chef Weber und EZB-Chefvolkswirt Stark traten aus Protest gegen die EZB-Aktionen zurück. Streitpunkt war immer wieder der Aufkauf von Staatsanleihen, den die EZB seit August vergangenen Jahres auf die großen EU-Staaten Spanien und Italien ausweitete.

Kommentare zu " Euro-Krise: Die verlorene Unschuld der EZB"

Alle Kommentare
  • Mal eine ganz saudumme Frage: Was ist eigentlich schlimm daran, die Unschuld zu verlieren?

    Weil, äh, im Grunde hat man "danach" seine Angst von "davor" verloren und kann endlich, endlich, endlich Sex haben.

    Die Unschuld bewahren sollten doch eigentlich nur katholische Priester % Nonnen behalten müssen - und ehrlich, von denen möchte ich nicht regiert werden.

    "Die Unschuld verlieren" ist so was von doof als Bild, weil es immer so tut, als sei Unschuld ein erstrebenswerter Zustand.

  • Es geht nicht darum, eine Weisung zu erteilen. Es geht vielmehr darum, auf den Vertragstext zu bestehen. Bedenkt man, dass Merkel gegenüber dem russischen Präsidenten Rechtssicherheit einforderte, dann sollte der Schritt für Merkel eine Sache der Glaubwürdigkeit sein.

    Aber, was schreib' ich hier.

  • Der Artikel beleuchtet eindrucksvoll die gravierenden Fehlentwicklungen vor allem der letzten beiden Jahre. Wer hätte bei der Errichtung der Währungsunion gedacht, dass die damals gemachten Versprechen so nachhaltig gebrochen werden. Die Folgen dieser entarteten Politik werden allerdings erst mit einiger Zeitverzögerung deutlich.Die Vorstellung, dass alle EZB-Ratsmitglieder uneingeschränkte Priorität dem Stabilitätsziel des Vertrages einräumen und keinerlei nationale Interessen verfolgen, erweist sich ebenfalls als eine Mär.Die Realität sieht leider völlig anders aus.

  • Richtig, das war ja auch der Grund, warum man in Europa die Bundesbank abschaffen wollte. Jetzt, wo die europäischen Gartenzwerge das geschafft haben, sieht man ja, warum sie das wollten.

    Und weil der deutsche Gartenzwerg die Angewohnheit hat, sich von der Natter einreden zu lassen, dass eigentlich er Schuld am schlechten Wetter ist, lässt er die anderen Gartenzwerge das ganzes Gemüse aus seinem Garten holen.

    Blöderweise zertrampeln die dabei alles, aber das macht ja nix, denn Gartenarbeit ist im 21. Jahrhundert ja eh' out.

  • Hilfslos, ohnmächtig und wütend - genau das beschreibt seit mehreren Jahren meine Gefühlslage.

    Zuerst dachte ich, dass die Politiker unsere großen Partein gewissenlos wären und nur Ihre eigenen Interessen vertreten.

    Mittlerweile stellt sich der Eindruck ein, dass Sie einfach zu schwach und auch zu feige sind, um die Interessen Ihres Landes und Ihrer Bevölkerung zu vertreten.

    Wir sitzen auf dem Kreuzfahrtschiff "Costa Germania" und *alle* Kapitäne der letzten 15 Jahre fahren weiter über das gleiche Riff.

    Ich habe nie verstanden warum mein (gut bürgerlicher Nachbar) die DVU gewählt hat. Mittlerweile würde ich jeden wählen (rechts wie links), der uns aus diesem Europa-Wahnsinn rausbringt.

  • Sollte ein Staatsoberhaupt der EZB Weisungen erteilen? Dies wäre ein Präzendezfall für andere Politiker, dasselbe zu tun - mit Blick auf die Abstimmungsverhältnisse ein gefährlicher Vorgang, oder nicht?

  • Es verleitet dazu, zum Artikel Stellung zu nehmen. Aber jetzt ist es vorbei. Merkel hat einen Eid geschworen und zwar Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

    Jetzt ist es Chefsache. Merkel muss einschreiten, auf Rechtssicherheit bestehen und die EZB in ihre vertraglichen Schranken weisen.

    Es sei auch nochmals an die "alternativlose Entscheidung" zum Rettungsfonds erinnert, der nur mit den Gegenstimmen der Linken unser Parlament passiert hat und ohne den die Griechen ihre bestellten Panzer nicht bezahlen könnten.

    Das gehört sich nicht.

    Wenn Frau Merkel nicht das Machtwort schwingt, dann ist das Verfassungsgericht gefragt. Es muss sein eigenes, gesprochenes Urteil nochmals neu beleuchten muss. Dabei hat es zu beachten, mit welchen Charakteren es hier auf der Gegenseite zu tun hat. Da hilft nur ein grober Keil.

  • Die EZB ist nichts anderes als eine kriminelle Vereinigung.
    Draghi kennt dies aus seinem Heimatland ja sehr gut.Dort
    bezeichnet man diese Vereinigungen als Mafia.Mann braucht sich also nicht zu wundern über das handeln der EZB.
    Dazu alles unterstützt durch Merkel-Schäuble.
    Deutschland wird ausgeplündert auf Generationen und die
    Deutschen schauen gelassen zu und aplaudieren den Akteuren auch noch.Bei den nächsten Wahlen, werden sie wieder die selben Leute wählen die jetzt schon für diesen Unsinn verantwortlich sind.

  • 1) 1%, nicht 0,5%.
    2) Wenn der 3-Jahrestender zu 1% gemeint ist: Sicherheiten?
    3) Gewinn nur dann, wenn die Papiere im Kurs nicht gefallen sind...

  • Immun vor Strafe und das Gehalt natürlich immer schön alles steuerfrei damit man ja nicht dann doch irgendwann mal für seine Fehltritte zahlen muss. So lebt es sich doch recht genüsslich in der EZB.

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