Geldpolitik

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Eurokrise: Notenbanker warnen vor verfrühter Euphorie

Für die deutschen Währungshüter Jens Weidmann (Bundesbank) und Jörg Asmussen (EZB) bleibt die Eurokrise auch im neuen Jahr ein Dauerbrenner. Es blieben viele ungelöste Probleme. Ihre Bewältigung werde Jahre brauchen.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann spricht am 19.11.2012 auf der "Euro Finance Week" in Frankfurt am Main. Quelle: dpa
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann spricht am 19.11.2012 auf der "Euro Finance Week" in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Frankfurt am MainFührende deutsche Notenbanker sehen noch längst kein Ende der Euro-Schuldenkrise. „Die Krise scheint sich im Augenblick etwas beruhigt zu haben. Es gibt Fortschritte bei den Reformen“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Aber die Ursachen sind noch lange nicht alle beseitigt.“

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Auch EZB-Direktor Jörg Asmussen warnt, die Probleme seien noch nicht überwunden. „Die Anpassungsprozesse, die Beseitigung der Struktur- und Wettbewerbsprobleme werden noch Jahre dauern“, sagte Asmussen den „Stuttgarter Nachrichten“ (Montag). Der Reformeifer in der Eurozone dürfe deshalb nicht nachlassen.

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Weidmann sagte, wenn sich nun Krisenmüdigkeit ausbereite, könne das zur Gefahr werden. „Nämlich dann, wenn die Politik mit der Krise nichts mehr zu tun haben will und erwartet, dass die Notenbank die Kastanien aus dem Feuer holt.“

Weidmann kritisierte erneut die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unbegrenzt Anleihen der Krisenstaaten zu kaufen. Er befürchte „stabilitätspolitische Risiken und die Gefahr einer Vermischung von Geld- und Finanzpolitik“, sagte Weidmann. „Das Eurosystem sollte nicht umfassend staatliche Solvenzrisiken vergemeinschaften und sich in die Nähe zur monetären Staatsfinanzierung begeben.“

Asmussen verteidigte die Rolle der EZB. „Wir haben sie übernommen, weil andere Institutionen nicht handlungsfähig waren“, sagte er den „Stuttgarter Nachrichten“. Er räumte aber ein: „Wir müssen in der EZB in der Tat aufpassen, dass wir unser Mandat nicht überdehnen. Das ist in Krisenzeiten manchmal erforderlich. Wenn wir uns normalen Zeiten nähern, müssen wir zurück aus diesem Krisenmodus.“

Euro in der Krise

Weidmann verwies darauf, dass Sparer durch die Politik der EZB zur Eurorettung belastet würden, weil die Zinsen für Sparguthaben niedriger seien als die Inflationsrate: „Negative Realzinsen sind Folgen der expansiven Geldpolitik in der Krise, die der Sparer unmittelbar spürt.“

„Die Verstrickung mit der Finanzpolitik macht es schwerer, uns auf unsere eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren“, sagte Weidmann. Die Inflationsrisiken nehmen seiner Ansicht nach zwar kurzfristig eher ab. Aber: „Wenn jetzt wieder darüber diskutiert wird, ob man nicht ein bisschen mehr Inflation zulassen sollte, halte ich das für brandgefährlich.“

 

  • 30.12.2012, 13:46 Uhrberkmann

    Was ist denn wirklich passiert?
    Herr Draghi hat angekündigt, unbegrenzt Geld zu drucken und den Pleitebanken und Pleitestaaten zur Verfügung zu stellen, damit die Euro-Schulden-Union nicht auseinanderfällt.
    Zusätzlich hat Herr Gauck den ESM-Blankoscheck unterschrieben.
    Die deutschen Euro-Fanatiker klatschen Beifall und erklären die Krise für beendet, während Herr Weidmann mal wieder mahnend warnt (Weber und Stark sind noch zurückgetreten.) Gelöst ist gar nichts.
    Am Ende wird der einfache Bürger den ganzen Wahnsinn über eine massive Geldentwertung bezahlen.
    Aber solange wir offiziell 2 % Teuerung haben und die Masse des Volkes diese Propaganda noch glaubt, bleibt wohl auch in 2013 alles beim Alten.

  • 30.12.2012, 14:46 UhrBrasso

    Danke Herr Weidmann.
    Ich weiss we lange die Euro-Krise dauern wird. Genau so lange, bis die Staatsschulden auf ein für sie erträgliches Mass weg inflationiert ist.

  • 30.12.2012, 16:37 UhrStarTwO


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