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Europäische Zentralbank: Draghi öffnet Tür zu Schuldenschnitt

Die Europäische Zentralbank war mit dem Kauf griechischer Staatsanleihen ein Risiko eingegangen. Auf mögliche Gewinne aus den Geschäften könnte sie verzichten und so das Rettungsprogramm für Griechenland unterstützen.

FrankfurtUnmittelbar nach der Einigung der Parteien in Athen auf einen rigiden Sparkurs hat die Europäische Zentralbank (EZB) doch noch ihre Bereitschaft signalisiert, sich an der Umschuldung Griechenlands zu beteiligen - durch den Verzicht auf Gewinn. EZB-Chef Mario Draghi sagte am Donnerstag in Frankfurt zwar, die Notenbank werde auf keinen Fall das Verbot der Finanzierung von Mitgliedstaaten der Währungsunion übertreten oder rechtliche Tricks anwenden, um Griechenland zu helfen. „Wenn die EZB einen Teil ihres Gewinns aber im Rahmen des Kapitalschlüssels an ihre Mitgliedsländer verteilt, wäre das keine Staatsfinanzierung.“

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Wie dies konkret laufen könnte, ließ Draghi wenige Stunden vor einem Treffen der Finanzminister der Euro-Zone zu Griechenland jedoch offen. An dem Treffen sollten vonseiten der EZB Draghi und das deutsche Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen teilnehmen. Eine Möglichkeit wäre, Buch- und Zinsgewinne aus den von der EZB gehaltenen griechischen Staatsanleihen an die Notenbanken der 17 Euro-Länder weiterzugeben.

Ratssitzung EZB belässt Zinsen auf Rekordtief

Die EZB hat auf ihrer Sitzung am Donnerstag den Leitzins bei 1,0 Prozent belassen. Mit Spannung wird nun erwartet, wie stark die Banken beim nächsten langfristigen Finanzierungsgeschäft Ende Februar zugreifen.

Ratssitzung: EZB belässt Zinsen auf Rekordtief

Eine EZB-Sprecherin bestätigte auf Nachfrage, dass Draghi diese Variante gemeint habe. Damit bekäme die Bundesbank den weitaus größten Betrag von der EZB überwiesen, den sie als einen Teil des Bundesbank-Gewinns an den Bundeshaushalt abführen könnte. Deutschland hält etwas mehr als ein Viertel am Kapital der EZB. Die Bundesregierung könnte den Betrag dann an Griechenland weitergeben. Dem Vorschlag, die Zentralbank könne die von ihr seit Mai 2010 erworbenen griechischen Staatsanleihen an den europäischen Rettungsfonds EFSF verkaufen, erteilte Draghi eine klare Absage: „Der EFSF, das sind die Regierungen. Wenn die EZB aber Geld an die Regierungen gibt, wäre das monetäre Staatsfinanzierung.“ Man wolle zudem die seit 2010 erworbenen griechischen Bonds bis zu deren Fälligkeit halten.

Pressekonferenz 9.2.2012 EZB-Präsident Mario Draghi zum Schuldenschnitt

Nach der Zinssitzung am 9. Februar 2012 hat EZB-Präsident Draghi sich zu einer Schuldenschnittbeteiligung in Griechenland geäußert. „Alle diese Gerüchte, dass die EZB die Verluste mitträgt, sind falsch“, sagte er.

Pressekonferenz 9.2.2012: EZB-Präsident Mario Draghi zum Schuldenschnitt

Zuletzt war der Druck auf die Notenbank gestiegen, sich an dem Schuldenschnitt Griechenlands zu beteiligen. Sowohl private Gläubiger, die bei einem Schuldenschnitt viel Geld verlieren werden, als auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten zuletzt gefordert, auch der öffentliche Sektor müsse auf Forderungen verzichten. Die EZB ist wegen ihrer umstrittenen Anleihekäufe größter Einzelgläubiger des griechischen Staates. Sie hat Bonds mit einem Nennwert von etwa 50 Milliarden Euro gekauft, allerdings zu einem klar darunter liegenden Preis. Sie könnte auf diesen Buchgewinn und auch auf Zinszahlungen aus Athen also verzichten, ohne einen Verlust zu machen. Fachleute glauben, dass dann elf bis zwölf Milliarden für Griechenland zusätzlich zusammenkämen.

  • 10.02.2012, 06:15 UhrStubi

    Draghi ist der Ausfuehrende. Es waere kaum zu glauben, unsere Politiker genehmigen dieses Spiel nicht. Da kommt kein Veto. Vielleicht deshalb, weil mittlerweile ohne dieses endlose Geldgedrucke das Konstrukt Euro sehr rasch einstuerzen wuerde.

    Und zum Monatsende erhalten die Banken von der EZB schon wieder jeden gewuenschten Kredit. Unsere Politiker schweigen.

    Uebrigens, gibt es eigentlich noch eine Opposition? Ach so ja, die ist ja mit unserem Herrn Wulff ausgelastet.

  • 09.02.2012, 22:32 UhrAnonymer Benutzer: Mazi

    Interessant dieser Mann, aber gefährlich.

    Da muss man zuerst darauf kommen, Zinsen, die nicht gezählt werden als Gewinn zu deklarieren. Offensichtlich mangelt es an Kontrolle der EZB.

  • 09.02.2012, 21:06 UhrAnonymer Benutzer: Thomas-Melber-Stuttgart

    Schon der Ankauf von Staatsanleihen war rechtlich nicht zulässig, soweit ich weiß. Jeder Marktteilnehmer wußte dies. Die Geschäfte müssen angefochten und rück-abgewickelt werden, weil nichtig.

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