EZB-Ratssitzung: Draghi dämpft Angst vor den Italo-Clowns

EZB-Ratssitzung
Draghi dämpft Angst vor den Italo-Clowns

Durch die Italien-Wahl ist die Euro-Krise wieder aufgeflammt. EZB-Chef Draghi tut das Einzige, was er machen kann: Er spielt mit warmen Worten die Gefahren herunter. Dabei steckt er in einem Dilemma.
  • 28

DüsseldorfEZB-Chef Mario Draghi ließ keinen Zweifel aufkommen. Die Vorstellung, dass Italien nach der Wahl von seinem eingeschlagenen Sparkurs abkommen könnte, sei Angstmacherei, sagte er auf der Pressekonferenz nach der heutigen Ratssitzung. „Die meisten Sparmaßnahmen sind ohnehin beschlossen und werden jetzt automatisch fortgeführt.“ Jede Woche gebe es ein neue Angstwelle, beschwerte er sich. „Letztes Mal war es die EZB-Bilanzsumme.“

Zu seinem Optimismus hat Draghi kaum eine Alternative. Druck ausüben kann er nicht mehr. Dabei bringt ihn die Italien-Wahl in ein schweres Dilemma. Seine Ankündigung, im Notfall Anleihen der Krisenländer zu kaufen, hat die Märkte beruhigt. Er hat sie jedoch an das Versprechen geknüpft, nur dann aktiv zu werden, wenn ein Land unter den Rettungsschirm schlüpft und Reformauflagen akzeptiert. Dieses Versprechen kann Draghi nun jedoch kaum noch halten, falls es zum Ernstfall kommt.

So lange der bei den Euro-Rettern geschätzte Mario Monti Reformen durchsetzte, gab es kein Problem. Italien reformierte und EZB-Chef Draghi verschaffte seinem Heimatland die nötige Zeit. Jetzt gibt es kaum Aussichten auf weitere Reformen.

Rund 55 Prozent der italienischen Wähler haben Komiker Beppe Grillo oder Skandalpolitiker Silvio Berlusconi ihre Stimme gegeben. Beide Politiker lehnen die Sparpolitik und wirtschaftliche Reformen ab. Wer im Wahlkampf Silvio Berlusconi zuhörte, musste sich fühlen wie im Märchenland: Der Cavaliere versprach, die verhasste Immobiliensteuer abzuschaffen und eine weitreichende Steueramnestie einzuführen.

Damit war er erfolgreich. Sein Parteienbündnis erreichte so viele Stimmen, dass es ohne Berlusconi oder Grillo in Rom keine neue Regierung geben kann. Italien droht ein monatelanger Stillstand. Schlimmstenfalls könnten sogar Reformen wieder zurückgenommen werden.

Die Märkte reagierten entsprechend ängstlich. Nach der Wahl stiegen die Zinsen für italienische Staatsanleihen zeitweise um einen Prozentpunkt. Draghi befindet sich in einem ähnlichen Dilemma wie viele Politiker bei der Bankenrettung. Wenn sich die Krise in Italien verschärft, kann er kaum tatenlos zusehen.

Seite 1:

Draghi dämpft Angst vor den Italo-Clowns

Seite 2:

Er kann seine Landsleute nur zu Reformen ermuntern

Kommentare zu "Draghi dämpft Angst vor den Italo-Clowns"

Alle Kommentare
  • Schlimm genug das Weidmann "Draghi´s Hündchen "ist.

  • Angstwellen kommen noch reichlich, obwohl uns ständig eingeredet wird, dass die Pfeifen mit ihrer rettungsroutine alles im griff haben, und wir auf einem guten Weg sind.

  • sehr gute aussage,so begibt sich das Handelsblatt direkt auf den Weg nach unten, auf Bild Zeitungs Niveau.

  • Weder Grillo noch Berlusconi sind Clown's oder Komiker. Beide sind Realisten. Die Clown's und Komiker, sofern man das negativ besetzen will, sitzen zuerst einmal in Berlin, Brüssel und bei der EZB, angeführt von Merkel, Steinbrück, Draghi und Barroso.

    Italien hat gewählt. Auch wenn es den vorgenannten nicht in den Kram passt, die Wahl ist zu akzeptieren denn es war eine demokratische Entscheidung des italienischen Volkes. Und das war eine gute Entscheidung.

  • 'R.Rath' sagt
    -----------------
    Nicht nur Berlusconi und Grillo, sondern auch Bersani hat öffentlich erklärt, er werde die Reform-und Sparpolitik nicht fortsetzten.
    Wenn sich die EZB und Draghi einer Erpressungspolitik ausgesetzt sieht wird die EZB finanzieren, da der Euro unter "allen erdenklichen Umständen" gerettet werden soll.
    -----------------

    Sie haben es leider nicht verstanden: Rettung des Euro und Rettung Italiens sind zwei verschiedene Stiefel.

    Finanzierung der italienischen Schuldenpolitik per EZB wäre nicht die Rettung, sondern das Ende des Euro.

    +++

    'R.Rath' sagt
    -----------------
    In der EZB wird sich eine Mehrheit finden, wie sich immer eine Mehrheit gefunden hat.
    -----------------

    Geschwätz - bis jetzt hat sich in der EZB eine Mehrheit dafür gefunden das bedingungslose "Securities Markets Programme" durch die an scharfe Bedingungen geknüpfte "Outright Market Tranactions" zu ersetzen.

    Das SMP ist beendet - seit über einem Jahr hat die EZB keine einzige Staatsanleihe gekauft.

    +++

    'R.Rath' sagt
    -----------------
    Vielleicht wirft Weidmann nach Weber auch das Handtuch, das wird aber auch alles sein.
    -----------------

    Sollte die EZB zur Staatsfinanzierung schreiten dann wäre das ein Bruch der europäischen Verträge - die Bundesbank müßte sich an rechtswidrigen Aktionen der EZB nicht beteiligen.

    Das wäre zwar nicht unbedingt das Ende des Euro als Währung, aber das (vorübergehende?) Ende des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) wie es in den europäischen Verträgen vorgesehen ist.

    +++

    Es ist bedauerlich, daß Sie und Ihre Mitstreiter zu einer differenzierten Beurteilung der Lage nicht im Stande sind und die Flinte ins Korn schmeißen bevor die Hauptschlacht überhaupt geschlagen wurde.

    +++

    Bersani und Clowns werden dumm gucken, wenn Ihnen die Finanzmärkte die Rechnung für ihre geplante Schuldenwirtschaft präsentieren.

  • Ist wirklich wahr: Dem Steinbrück was nachzuplappern ist höchste, journalistische Schule.
    Was Draghis Verlegenheit angeht, findet man die Ursache im ungelegenen Timing. Oder hat irgendwer ernsthaft erwartet, dass die EZB ohnehin nichts anderes als die unendliche Druckschleife durchzieht? Man ziert sich halt gerne etwas, bevor man seine Unschuld genussvoll verliert. Schon, weil es ja verboten ist.

  • Es ist unglaublich, wie man als Steuerzahler und Bürger in diesem Land von der Polit-, Bänker- und Medienmafia vear… und für blöd verkauft wird.

    „Seine Ankündigung, im Notfall Anleihen der Krisenländer zu kaufen, hat die Märkte beruhigt. Er hat sie jedoch an das Versprechen geknüpft, nur dann aktiv zu werden, wenn ein Land unter den Rettungsschirm schlüpft und Reformauflagen akzeptiert.“

    Wie hat denn unser lieber Gold(man) Junge Draghi dem anderen Goldjungen Monti Zeit für seine „Reformen“ verschafft?

    Etwa so?

    „Nach Bilanzdaten der Europäischen Zentralbank (EZB) für den 31. Dezember 2012 war Italien im Hinblick auf die angekauften Summen am stärksten begünstigt.

    …Laut EZB hatten die Zentralbanken der Eurozone Ende 2012 italienische Staatsanleihen mit einem Nominalwert von 102,8 Milliarden Euro in den Büchern. Die Papiere mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 4,5 Jahren haben einen Buchwert von 99,0 Milliarden Euro.“

    Quelle:http://www.finanzen.net/nachricht/anleihen/Angestrebte-Transparenz-Italien-profitiert-am-staerksten-durch-EZB-Staatsanleihekaeufe-2283724

    Aber vielleicht ist mir ja was entgangen und Italien ist bereits unter dem „Rettungsschirm“ geschlüpft???

    Liebe Redakteure des Handelsblatts, ohne Draghis Stützungskäufe, wären in Italien schon alle Lichter aus. Hilft aber auch nichts mehr. Deshalb hören sie bitte auf, ihre Leser zu verar….!!! Danke.

  • Draghi ist der europaische Ober-Clown der Mächtigen! Ein Clown hackt dem andern kein Auge aus - nix für ungut cari amici.Clowns gibt´s überall,auch in Germania wie wir täglich zu hören und sehen bekommen in Politik und Wirtschaft.Hauptsache die Börse steigt... weiter kann man nicht mehr denken.Alles andere ist eh Wurscht.

  • Berlusconi ist wohl Teil einer alten siziliansich- studentischen "Akademiker-Verbindung" und Mr. Grillo so ein "Turnschuh Kritiker". Das Berliner Pfeifenquartett mit angedockten Hilfsschule EU Parlament hingegen tritt nicht nur bei Karneval pflichtschuldigst auf, nein, sie leben dies Filosofie.

  • @Sapere_aude

    Oh mein Gott - haben Sie sonst keine Pobleme?

Serviceangebote