Geldpolitik

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Härtere Strafen: EU rüstet zum Kampf gegen die Euro-Fälscher

In Deutschland zirkuliert immer mehr Falschgeld. Die EU-Kommission will nun den Fälschern das Handwerk legen. Die Strafen werden erhöht und die Polizei soll leichter ermitteln können.

Die EU will beim Kampf gegen Geldfälscher auf neue Ermittlungsmethoden zurückgreifen. Quelle: Getty Images
Die EU will beim Kampf gegen Geldfälscher auf neue Ermittlungsmethoden zurückgreifen. Quelle: Getty Images

FrankfurtEr gilt als einer der besten Geldfälscher der Welt. Als die Polizei 2007 das Kölner Atelier von Hans-Jürgen Kuhl stürmte, fand sie kistenweise Dollar-Blüten in perfekter Qualität - der größte Fund in Deutschland. Mehr als acht Monate hatte die Polizei zuvor den heute 71-Jährigen observiert. Zwei verdeckte Ermittlerinnen, drei dutzend Observationsteams, zwei Staatsanwälte und Agenten des amerikanischen Geheimdienstes CIA waren an den Ermittlungen beteiligt. Über 16 Millionen Dollar Falschgeld stellte die Polizei sicher.

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Der Dollar ist die Lieblingswährung der Geldfälscher. Er wird am meisten auf der Welt gefälscht. Gleich danach kommt jedoch schon die europäische Gemeinschaftswährung. Einen Schaden von mehr als 500 Millionen Euro haben Geldfälscher seit ihrer Einführung 2002 angerichtet. Die EU will deshalb nun die Gesetze verschärfen. „Wir müssen gesetzliche Schlupflöcher schließen, um Geldfälschung in der EU zu stoppen,“ sagte dazu heute die EU-Justizkommissarin Viviane Reding. Gemeinsam mit Währungskommissar Olli Rehn und Betrugsbekämpfungs-Kommissar Algirdas stellte sie am Dienstag dafür einen Gesetzentwurf vor.

Alles zu den neuen Euro-Scheinen

  • Eine Mammutaufgabe

    Derzeit sind Fünf-Euro-Scheine im Wert von 7,7 Milliarden Euro im Umlauf. Bei einem Gesamtbestand von rund 900 Milliarden Euro in Papiergeld sollen die Zehner, Zwanziger, Fünfziger, Hunderter, Zweihunderter und Fünfhunderter erst in den Jahren darauf folgen.

  • Grund des Austauschs

    Fälschern soll das Handwerk schwerer gemacht und die zuletzt im Juli veröffentlichte Falschgeld-Bilanz der EZB verbessert werden. Die kann sich sehen lassen: Im ersten Halbjahr wurden 251.000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen, 15,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zur gleichen Zeit waren 14,6 Milliarden echte Banknoten in Umlauf.

  • Neue Sicherheitsmerkmale

    Drei neue Sicherheitsmerkmale hat Draghi bereits verraten: Der aufgedruckte Wert des Geldscheins ändert seine Farbe beim Kippen von Smaragdgrün in tiefes Blau, und für das Wasserzeichen und das Hologrammporträt wurde als Motiv die griechische Mythenfigur Europa gewählt.

  • Die Kosten

    Die Merkmale der neuen Fünf-Euro-Banknoten seien hochmodern - und „deshalb geringfügig teurer zu produzieren als die alten, die im Durchschnitt weniger als acht Cent gekostet haben“, heißt es in der EZB. Weil die neuen Scheine aber länger haltbar sein sollen, sei die Kostensteigerung „insgesamt sehr begrenzt“.

  • Hier wird gedruckt

    Die Druckaufträge für die Produktion der verschiedenen Stückelungen verteilen die Nationalen Zentralbanken untereinander. Wer keine eigene Druckerei besitzt wie etwa die Bundesbank, vergibt die Aufträge. Wer eine eigene Druckerei hat, ist dazu nicht verpflichtet.

Bei Fälschungen im Wert von mehr als 10 000 Euro sollen den Kriminellen mindestens sechs Monate Haft in allen 27 EU-Ländern drohen. In Deutschland geht das Strafgesetzbuch bereits darüber hinaus, in vielen anderen EU-Ländern jedoch noch nicht.

Die Höchststrafe soll nach den EU-Plänen bei acht Jahren liegen. Außerdem darf die Polizei bei den Ermittlungen gegen Geldfälscher EU-weit auf Methoden zurückgreifen, die sie bei anderen Schwer-Verbrechen anwendet. Gemeint sind verdeckte Ermittlungen, Telefonüberwachung und Konto-Kontrollen.

In Deutschland war im vergangenen Jahr deutlich mehr Falschgeld im Umlauf als in den Vorjahren. Vor allem 20-Euro-Scheine wurden nachgemacht. Insgesamt zogen die Behörden 2012 rund 41.500 falsche Euro-Banknoten aus dem Geldverkehr und damit etwa 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte.

Euro-Doppelgänger Mit diesen Münzen wird getrickst

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Die Gefahr, eine Blüte im Portemonnaie zu haben, ist nach Angaben der Bundesbank hierzulande aber rein rechnerisch relativ gering. Auf 10.000 Bundesbürger kamen demnach fünf falsche Euro-Scheine. Dennoch rät die Bank, Geldscheine stets gut zu prüfen, weil es für Falschgeld keinen Ersatz gibt.

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Der durch Falschgeld in Deutschland verursachte Schaden stieg 2012 auf Jahressicht nur geringfügig von 2,1 Millionen auf 2,2 Millionen Euro und blieb damit auf einem niedrigen Niveau. Grund für den geringen Anstieg war, dass die Fälscher deutlich weniger 50-Euro-Blüten in Umlauf brachten und stattdessen auf kleinere Scheine setzten. Während die Zahl der falschen 50-Euro-Scheine um 16 Prozent fiel, stieg die Zahl der 20-Euro-Blüten um mehr als ein Drittel, erklärte die Bundesbank. Fast 19.100 oder 46 Prozent der im vergangenen Jahr einkassierten Blüten waren demnach 20-Euro-Noten.
Beim gefälschten Hartgeld lag die Zwei-Euro-Münze vorn, von der die Behörden gut 40.800 aus dem Verkehr zogen. Insgesamt wurden 2012 hierzulande rund 52.000 gefälschte Münzen sichergestellt und damit etwa so viele wie im Vorjahr.

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  • 05.02.2013, 20:37 Uhrstatesman

    Der beste Geldfälscher der Welt ist M.D. in F.

  • 05.02.2013, 17:24 Uhrfjv2

    "Die Höchststrafe soll nach den EU-Plänen bei acht Jahren liegen. "

    oh oh, bald sind wir ohne Politiker....

  • 05.02.2013, 16:57 UhrNumismatiker

    @ DoktorDip


    "Mario D. aus F"
    Ist er nach F ausgewandert?

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