Geldpolitik

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Klassiker der Geldpolitik: Goethe liefert Weidmann die Argumente

Der Bundesbankchef mag in der Europäischen Zentralbank isoliert sein. Doch in Deutschland kann sich Weidmann auf höchste Autoritäten berufen: Was die EZB betreibt ist „Alchemie mit anderen Mitteln", wusste schon Goethe.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Quelle: dapd
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Quelle: dapd

FrankfurtJens Weidmann ist bewusst, dass in der aktuellen Diskussion über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Hält der Bundesbank-Präsident seine sture Linie gegen die geplanten Staatsanleihenkäufe der EZB durch? Argumentiert er weiter gegen diese Form der Staatsfinanzierung an? Er tut es – und bringt dafür sogar den Dichterfürsten Johann Wolfgang Goethe in Stellung.

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Frankfurt feiert gerade mal wieder den Dichter, im Rahmen der Festwoche lud die Bundesbank zu einem hochrangigen Kolloquium mit dem historischen, aber hochaktuellen Motto „Papiergeld – Staatsfinanzierung – Inflation“, und bot den eigenen Präsidenten als Eröffnungsredner auf.

Faust II Was Goethe von Geld wusste

  • Faust II: Was Goethe von Geld wusste
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Fast genüsslich zitiert Weidmann aus Goethes Faust und lässt Mephisto auftreten, der als Narr verkleidet, um frisches Geld bettelt. Der Kaiser antwortet entnervt: „Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff’ es denn.“ Gemeint ist damit die Gelschöpfung am Hofe von Herzog Karl August in Weimar vor knapp 200 Jahren. Doch es passt so treffend auch auf die selbsternannten Retter der Euro-Zone, die für Griechenland, Spanien oder Italien immer mehr Geld fordern. Und für die EZB, die am Ende immer aushilft.

Weidmann könnte Mephistos Antwort weglassen, aber er tut es nicht und liest: „Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr.“ Das ist natürlich nicht seine eigene Rolle. Weidmann warnt immer wieder vor den Staatsanleihekäufen, die für ihn zu nahe an der Staatsfinanzierung per Notenpresse sind. Aber sieht er bei diesen Worten womöglich EZB-Chef Mario Draghi vor seinem geistigen Auge?

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Goethe wusste, wovon er redete. Er arbeitete als Finanzminister in Weimar. Keine einfache Aufgaben, denn auch der Kleinstaat war so gut wie pleite. Die Eltern von Karl-August trieben Sachsen-Eisenach-Weimar mit ihrer Verschwendungssucht in den Ruin. Alleine der Hofstaat, der für die Gesellschaft und geistige Betätigung der Herzogin zuständig war, belief sich auf knapp 40 Personen. Zum Vergleich: Weimar selbst zählte zu dieser Zeit nur 6000 Einwohner.
Da erschien der Ausweg durch die Notenpresse verheißungsvoll. Doch Goethe, der gerade im Karlsbad bei einer Kur die katastrophalen Auswirkungen einer Inflation persönlich miterlebte, stellte sich quer. Die wertungebundene Geldschöpfung erschien ihm als moderne Alchemie, denn bei den Banknoten wird aus dem Nichts ein Wert geschaffen.

  • 19.09.2012, 18:25 UhrDelinix

    @Euro
    Den Frieden in Europa haben wir NOCH. Wenn wir den € so behalten in unserer Bankokratie, wie er im Moment ist, werden wir den Frieden aufgeben müssen. Denn kein Volk nimmt es ohne Murren oder sogar ohne einen Aufstand hin, wenn seine Gelder in Länder fließen, deren Einwohner es besser geht als ihnen selbst. Der Begriff Solidarität ist überstrapaziert. Das empfinden nicht nur die Deutschen so, sondern auch Niederländer, Finnen und Österreicher. Und natürlich erst recht kleine Länder wie die Slowakei, deren Rentner mit einem Drittel der Einkommen griechischer Rentner zurecht kommen müssen und die TROTZDEM bezahlen müssen.
    Die Banken und unsere Politiker werden schon dafür sorgen, dass es nicht friedlich bleibt. Und das alles aus Gier (Banken) und vor lauter Angst, sich zu einem schlimmen Fehler bekennen zu müssen und die Karriere zu opfern (Politiker).

  • 19.09.2012, 18:06 UhrDelinix

    @popper
    Sie gehören wohl auch zu den Lemmingen wie Trittin, die vor lauter Angst, eine Minderheitenmeinung zu vertreten, sich lieber ins allgemeine Untergangsgetümmel stürzen.

  • 19.09.2012, 13:43 UhrMIRO

    Respekt vor Hern Weidmann.An seinem Verhalten und seinen Äußerungen zu dem Problem der Staatsfinanzierung durch die EZB, dem ist nichts hinzuzufügen.Wo er Recht hat, hat er Recht.Genau wie in Goethes Mephisto wird uns die Politik und EZB in den unvermeidlichen Ruin führen.Alles nur eine Frage der Zeit.Generationen nach uns, werden noch die Schulden daraus bezahlen dürfen.gez.walterwerner.de

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