Geldpolitik

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Konjunktur: US-Starökonom Roubini fordert aktivere EZB

exklusivNouriel Roubini malt ein düsteres Bild von der europäischen Wirtschaftslage. „Die Rezession könnte auch den Kern der EU infizieren“, sagt der US-Ökonom. Roubini fordert Infrastrukturprojekte – und erwartet Zinssenkungen.

Nouriel Roubini fordert eine noch aktivere Rolle der EZB in der Bekämpfung der EU-Krise. Quelle: Reuters
Nouriel Roubini fordert eine noch aktivere Rolle der EZB in der Bekämpfung der EU-Krise. Quelle: Reuters

FrankfurtDer US-Starökonom Nouriel Roubini sieht in der Eintrübung der Perspektiven für Frankreich kein ernsthaftes Problem. „Bisher betrachten die Finanzmärkte Frankreich als Kernland“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. Er prognostiziert, „dass Frankreich rechtzeitig Pläne für eine mittelfristige Konsolidierung und für Strukturreformen vorstellen wird, die auch glaubhaft genug ausfallen.“

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Roubini fordert eine noch aktivere Rolle der EZB in der Bekämpfung der EU-Krise. „Die Wirtschaftslage sieht nicht gut aus. Die Rezession könnte auch den Kern der EU infizieren“, sagt er. „Länder wie Deutschland sollten nicht sparen, sondern stattdessen Infrastrukturprojekte finanzieren und damit die Ökonomien in Schwung bringen.“

Wie sich Zinssenkung der EZB auswirken

  • Extreme Maßnahme

    Der Leitzins in der Eurozone liegt mit 0,75 Prozent bereits auf einem historischen Tiefstand.

  • Wem nutzen niedrige Zinsen?

    Zinssenkungen schwächen tendenziell den Wechselkurs des Euro. Davon würden die Exporteure profitieren. Die Hoffnung der Währungshüter ist, dass das billige Geld auch bei Unternehmen und Verbrauchern ankommt: Sinkende Zinsen verbilligen tendenziell Kredite. Auch die Zinsen für Staatsanleihen sollten dadurch etwas sinken. Bisher ist das Problem allerdings, dass die niedrigen Zinsen kaum in den Peripherieländern ankommen.

  • Bekomme ich bald weniger Zinsen auf dem Sparbuch?

    Zinssenkungen werden in der Regel schnell an die Kunden weitergereicht - erfahrungsgemäß vor allem bei Angeboten wie Tages- und Festgeld. Anleger müssen also mit sinkenden Sparzinsen rechnen. Allerdings ist der Wettbewerb um Privatkunden sehr groß, gerade in Zeiten strengerer Kapitalvorschriften können es sich Banken nicht leisten, ihre stabile Privatkundschaft zu vergraulen. Gleichzeitig dürften Kredite noch billiger werden.

  • Wem schaden niedrige Zinsen?

    Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon warnt, Steuermilliarden und billiges EZB-Geld drohten den Bankenwettbewerb in Europa zu verzerren. Es müsse viel stärker kontrolliert werden, ob Institute mit den Hilfsgeldern nicht Lockvogelangebote finanzierten - und damit zum Beispiel den deutschen Instituten auf ihrem Heimatmarkt die Kunden abjagten. „Man kann in bestimmten Notsituationen mal Feuer mit Feuer bekämpfen“, sagt der DSGV-Präsident über die Geldpolitik der EZB. „Man muss aber aufpassen, dass man den Brandstifter nicht nach Hause auf den Marktplatz schickt und der einem dort die Dorfkirche anzündet.“

  • Welche Mittel gegen die Krise hat die EZB noch im Köcher?

    Die Notenbank könnte wieder Anleihen klammer Staaten kaufen. Damit könnte sie vor allem Spanien und Italien helfen. Zu den Befürwortern dieses Schrittes gehört IWF-Chefin Christine Lagarde. Aus ihrer Sicht sind Anleihekäufe gezielt einsetzbar, während Zinssenkungen auch Staaten wie Deutschland beträfen, die keine Lockerung der Geldpolitik bräuchten. Die EZB startete ihr Anleihenkaufprogramm (SMP) 2010 und hat aktuell Staatspapiere im Wert von mehr als 210 Milliarden Euro in der Bilanz.

  • Was spricht für den Einsatz dieses Mittels, was dagegen?

    Viele sehen im massiven Kauf von Anleihen durch die EZB den einzigen Weg, die hohen Zinsen zu drücken, die Länder wie Spanien oder Italien derzeit am Markt bezahlen müssen. Fraglich ist aber, wie dauerhaft die Renditen damit gesenkt werden können. Bundesbank- Präsident Jens Weidmann sieht die Gefahr, dass mit einem solchen Eingriff der EZB der Reformdruck in den Krisenländern sinken könnte. Ohnehin sind Anleihenkäufe durch die Notenbank wegen der Nähe zur unerlaubten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse umstritten. Das Programm ruht seit Monaten - und wird so schnell nicht reaktiviert, wie EZB-Ratsmitglied Klaas Knot betonte: „Das Anleihekaufprogramm schläft tief und fest und das wird auch so bleiben.“

  • Wird die EZB das Bankensystem nochmals mit billigem Geld fluten?

    Theoretisch könnte die EZB jederzeit beschließen, den Banken ein weiteres Mal billiges Geld über einen langen Zeitraum zu leihen, um so das Austrocknen des Bankensystems zu verhindern. Im Dezember und Februar hatten sich Europas Banken insgesamt mehr als eine Billion Euro mit drei Jahren Laufzeit geborgt. Im Moment ist es allerdings eher so, dass einige Banken die Mittel, die sie sich damals geliehen haben, wieder zurückzahlen.

  • Wie soll die Rolle der Währungshüter künftig aussehen?

    Nach dem Willen der Politik soll die EZB künftig auch bei der Bankenaufsicht in Europa eine zentrale Rolle spielen.

Nach Meinung von Roubini sind Sparpläne nötig. Aber nicht kurzfristig. „Denn wer jetzt spart, der könnte die Rezession in den Südländern der EU in eine Depression vertiefen. Damit würde man sich unlösbare soziale Probleme einhandeln“, glaubt er. Roubini erwartet weitere Zinssenkungen der EZB im Dezember oder Januar.

EZB

Mit Blick auf die Finanzmärkte rechnet er mit weiter tiefen Renditen für Staatstitel aus Ländern wie USA und Deutschland. An den Bondmärkten der Schwellenländer und bei Unternehmensanleihen erkennt er noch keine Überhitzungen. Lediglich die Anleihen von Firmen mit schlechtem Rating erscheinen ihm anfällig bei trüberer Wirtschaftslage. „Und ich sehe Abwärtsrisiken für die globalen Aktienmärkte“, sagt er.

 

  • 12.12.2012, 15:21 UhrFinanzJesus

    Nun, das Herr R, die Krise vorhergesagt hat ist in diesem Fall wirklich nur Glück, da er zur Lösung der Krise genau diejenige Rezepte aus dem Hut zieht, die grade zur Krise geführt haben.

  • 04.12.2012, 12:22 UhrGlaskugel

    Die Motivation heisst Rothschild. Sonst noch Fragen ?

  • 22.11.2012, 14:14 UhrGast

    @Berndt das Brot. Roubini hat dieselben Aussagen schon getroffen, als es seine Firma noch gar nicht gab.

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