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Mindestreservesätze: China verordnet der Konjunktur eine Geldspritze

Peking hat den Mindestreservesatz gesenkt - aus Sorge um den Export nach Europa will die Regierung ausreichend Kapital vorhalten. Die chinesischen Wirtschaftspolitiker versuchen damit eine komplizierte Doppelstrategie.

Fabrikarbeiter in China: Aus Sorge um den Export will das Land genug Kapital vorhalten. Quelle: Reuters
Fabrikarbeiter in China: Aus Sorge um den Export will das Land genug Kapital vorhalten. Quelle: Reuters

PekingDie chinesische Zentralbank hat für die Banken des Landes den Mindestreservesatz gesenkt. Damit steht mehr Geld für die Kreditvergabe zur Verfügung, was der Wirtschaft im ersten Quartal einen deutlichen Impuls geben dürfte. „Die Regierung will den Märkten ein klares Signal geben, dass in China reichlich Liquidität zur Verfügung steht“, urteilt Ökonom Yu Song von Goldman Sachs in Hongkong. Denn auch vor der Kapitalfreigabe herrschte in China keine Kreditklemme: Die Rate der Kreditvergabe war dem Wachstum bereits völlig angemessen.

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Die chinesische Regierung verfolgt die Politik, in schwierigen Zeiten unter allen Umständen ausreichenden Zugang zu Kapital zu gewährleisten. „Wir halten die Entwicklung genau im Blick und stehen im ersten Quartal bereit, eine Feinsteuerung der Wirtschaft vorzunehmen“, hatte Premier Wen Jiabao kürzlich auf einer Konferenz in Peking gesagt. Im Januar war der Export außergewöhnlich schwach ausgefallen, was die Planer in Peking wohl als erstes Alarmsignal aufgefasst haben, dass die Krise in Europa auf die eigene Industrie zurückschlägt. Wen hatte im gleichen Zusammenhang darauf hingewiesen, dass der Auftragseingang der Industrie zuletzt schwach ausgefallen war.

China

Ein großes Konjunkturpaket wie zuletzt im Jahr 2009 ist jedoch auch bei einer Fortsetzung der Euro-Krise nicht zu erwarten. In China war im vergangenen Jahr der Immobilienmarkt heißgelaufen. Da die Regierung diesem Marktsegment gezielt die Geldversorgung abgeschnitten hat, kommen die Preise zwar schon seit vier Monaten in Folge wieder herunter. Doch Wen will keine Rückkehr von Preissteigerungen und Marktblasen riskieren. Die Zentralbank bestärkt ihn darin und hat einen Bericht veröffentlich, der der Inflationsbekämpfung Vorrang gibt.

Die chinesischen Wirtschaftspolitiker versuchen daher eine komplizierte Doppelstrategie: Sie wollen Wachstumsbranchen reichlich Kapital zuführen und zugleich die Kreditvergabe an überhitzte Sektoren drosseln. Die Banken des Landes sind daher aufgefordert, Mittelständler unbürokratisch mit frischem Geld zu versorgen, aber so wenig Immobilienkredite wie möglich zu vergeben. Deshalb bleibt der Zinssatz auch gleich - die „Feinsteuerung“, von der Wen spricht, erfolgt nicht durch den Markt, sondern gewissermaßen in Handarbeit. Alle Banken gehören in China mehrheitlich dem Staat, und die Zentralbank ist eine willfährige Behörde der Regierung.

Wen und sein Kabinett haben jedoch auch bereits kommuniziert, dass sie eine echte Wachstumsschwäche nicht zulassen, egal wie es Europa und Amerika in diesem Jahr ergeht. Pekings wichtigstes Instrument ist dabei die Steuerung der Kreditvergabe. Ökonomen erwarten daher im Jahresverlauf schnelle Reaktionen der Zentralbank auf die Veröffentlichung von Daten wie Wachstum, Export oder Auftragseingang.

Experten erwarten für die kommenden Monate weitere Reduzierungen der Reserveeinlagen der Banken bei der Zentralbank. Für die People's Bank of China ist das kein Problem, weil der Mindestreservesatz auch mit der Verringerung vom Wochenende immer noch sehr hoch ist. Große Banken müssen 20,5 Prozent der vergebenen Kreditsumme beiseite legen.

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