Frankfurt/MainDie Zinsen im Euroraum bleiben auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Das beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt, wie die EZB mitteilte. Volkswirte hatten mit der Zinspause gerechnet, nachdem die Notenbank den wichtigsten Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euroraum mit Zentralbankgeld Ende 2011 in zwei Schritten gesenkt hatte. Seither haben Konjunkturdaten positiv überrascht.
Doch die Lösung der Euro-Staatsschuldenkrise und die Rettung Griechenlands lassen weiter auf sich warten. Volkswirte rechnen deshalb mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, sollte sich die Situation zuspitzen. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und können so das Wachstum anschieben.
„Es war keine Sitzung mit großartigen Entscheidungen. Die EZB ist in einem Abwartemodus, um zu sehen, wie die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte wirken, sagte Uwe Angenendt von der BHF Bank. „Eine Zinssenkung im März halte ich durchaus noch für möglich. “ Etwas anders sieht das Rainer Sartoris von HSBC Trinkhaus. „Nach den Aussagen von EZB-Chef Draghi ist eine kurzfristige Zinssenkung sehr unwahrscheinlich geworden. Ganz ausschließen will er sie aber auch nicht. Schließlich habe Draghi auf den weiterhin sehr unsicheren Ausblick für die Wirtschaft verwiesen.
Zunächst hält die EZB ihr Pulver aber trocken - zumal längst beschlossen ist, dass sie den Geschäftsbanken zum Monatsende ein zweites Mal für die außergewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren billiges Geld anbieten wird. Kurz vor Weihnachten hatte die Notenbank auf diese Weise fast 500 Milliarden Euro an Geldinstitute der Eurozone ausgereicht.
Bei dem Refinanzierungsgeschäft Ende Februar könnte die EZB erneut einen hohen dreistelligen Milliardenbetrag in das Bankensystem der Euro-Zone pumpen. Es sei möglich, dass sich die Banken genauso viel Geld leihen wie beim ersten Geschäft dieser Art Ende Dezember, wie EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt am Main nach der Sitzung des Zentralbankrates sagte.
Die EZB will mit den Finanzspritzen die Kreditvergabe in der Euro-Zone ankurbeln und damit indirekt die Wirtschaft. Allerdings beobachtet die Notenbank nach Angaben Draghis, dass große Bankhäuser das Geld horten, anstatt es etwa an kleine Banken weiterzuverleihen, die das Geld wiederum als Kredite an kleine und mittlere Unternehmen weiterreichen. Das Misstrauen der Banken untereinander ist derzeit angesichts der Euro-Schuldenkrise groß.
Die Probleme an den Hypotheken- und Kreditmärkten greifen auf den Interbanken-Geldmarkt über. EZB und Fed sehen sich gezwungen, zusätzlich Liquidität in den Markt zu pumpen.
Die Notenbanken in den fünf wichtigsten Währungsräumen greifen gemeinsam ein, um ein Austrocknen der Geldmärkte zu verhindern.
Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers öffnen die großen Zentralbanken die Geldschleusen, um mitten in der Panik an den Finanzmärkten die Geschäfte am Geldmarkt am Laufen zu halten.
Die wichtigsten Notenbanken weltweit senken gemeinsam die Zinsen - ein historischer Schritt. 4. Dezember 2008: Die EZB senkt ihren Leitzins überraschend um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent. Es ist der größte Zinsschritt seit der Einführung des Euro und der Gründung der europäischen Notenbank.
Die Fed kappt ihren Leitzins auf eine Spanne zwischen null und 0,25 Prozent - ein Rekordtief.
US-Notenbankchef Bernanke kündigt den Ankauf von Staatspapieren für zunächst 300 Milliarden Dollar an. Die Fed erweitert außerdem ihre bestehenden Programme zur Stützung der Kreditmärkte und Banken auf rund eine Billion Dollar.
Die EZB senkt ihren Leitzins auf das Rekordtief von einem Prozent.
Die EZB stellt den Banken der Euro-Zone erstmals für ein ganzes Jahr Liquidität zur Verfügung. Mehr als 1000 Banken rufen die Riesensumme von 442 Milliarden Euro ab. 6. Juli 2009: Die EZB beginnt offiziell mit dem Ankauf von Pfandbriefen.
224 Banken aus der Euro-Zone rufen beim letzten Jahrestender der EZB knapp 100 Milliarden Euro ab. Das ist ein Wendepunkt.
Die Federal Reserve erhöht den Zinssatz für Übernachtkredite von 0,5 auf 0,75 Prozent und verteuert damit Notkredite für Banken erstmals seit Ausbruch der Krise.
EZB-Chef Trichet kündigt an, dass die Notenbank auch über das Jahresende 2010 hinaus Sicherheiten mit einem schwächeren Rating als „A-“ akzeptieren wird. Sie hilft damit indirekt den griechischen Banken und erleichtert die Refinanzierung Griechenlands.
Die EZB kündigt im Kampf gegen die eskalierende Schuldenkrise in der Euro-Zone an, am öffentlichen und privaten Anleihemarkt in großem Stil aktiv werden zu wollen. Die Notenbank gibt damit ihren Widerstand gegen den Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Länder auf, der Kritikern zufolge zu einem Ansteigen der Inflation führen könnte. Laut EU-Vertrag kann die EZB die Anleihen nur am Sekundärmarkt erwerben und nicht direkt bei den Regierungen.
Die Fed stoppt unter dem Eindruck der nur zähen Konjunkturerholung in den USA und der andauernden Misere am Arbeitsmarkt den begonnenen Exit. Sie will Geld, dass sie durch Fälligkeit bereits erworbener Immobilienpapiere bekommt, wieder reinvestieren und neue Staatsanleihen kaufen.
Japans Notenbank zieht im Kampf gegen Wirtschaftskrise, Deflation und den starken Yen weitere Register. Sie senkt den Leitzins auf null und legt einen fünf Billionen Yen (60 Milliarden Dollar) schweren Fonds auf, über den sie die unterschiedlichsten Wertpapiere ankaufen und so weiteres Geld in die Wirtschaft pumpen will.
Die Fed beschließt den Ankauf von weiteren Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar bis Ende der ersten Jahreshälfte 2011. Zusätzlich sollen auslaufende Papiere aus dem Bestand ersetzt werden. Insgesamt hat die neuerliche Geldspritze damit ein Volumen von 850 bis 900 Milliarden Dollar.
Die EZB beschließt eine Verdoppelung ihres Grundkapitals auf knapp elf Milliarden Euro. Bezahlen müssen dies die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken: Die Bundesbank muss entsprechend des Kapitalschlüssels gut eine Milliarde Euro auf ihren Anteil dazupacken.
Nach Erdbebenkatastrophe, Tsunami und Atomdebakel in Japan intervenieren die wichtigsten Notenbanken der Welt gemeinsam am Devisenmarkt.
Die EZB beginnt mit dem Ankauf von Anleihen Italiens und Spaniens. Beide Länder waren zuvor ins Visier der Märkte geraten.
Die Fed erklärt, dass sie ihren Leitzins wegen der mauen Konjunktur noch für „mindestens“ zwei Jahre nahe Null halten will.
In einer koordinierte Aktion stellen EZB und Fed sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz den von der Krise gebeutelten europäischen Banken Dollar zur Verfügung. Den Instituten fiel es zuletzt schwer, sich Dollar-Kredite zu beschaffen - viele US-Investoren haben ihnen aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise den Geldhahn zugedreht. Fast gleichzeitig lockert auch die chinesische Notenbank unerwartet ihre Geldpolitik. Sie senkte erstmals seit drei Jahren die Mindestreserve-Anforderungen der Banken.
@Euyonimus
"Das Handelsblatt macht wohl Mittagsschlaf.."
Reuters-Meldungen werden billiger je mehr sie abgehangen sind. Fuer Griechenland sollte man nur das Notwendigste ausgeben. Die naechste Reuters-Meldung zu Griechenland kommt bestimmt ;-)
Reuters meldet bereits seit einer viertel Stunde die Einigung Griechenlands mit dem IWF und der EU zum Sparpaket.
Das Handelsblatt macht wohl Mittagsschlaf...
Wozu noch niedrigere Zinsen?
Es gibt ja nicht nur die Staaten. Da wäre auch noch "die Wirtschaft" und schließlich "die Konsumenten", und zwar aus Sicht der EZB für den gesamten Euroraum, nicht nur für Wirtschaftswunderdeutschland.
Mit dieser Entscheidung ist eine ausgiebige Rezession in der Eurozone, also bei einem ordentlichen Prozentsatz der Abnehmer der hiesigen Exporte, besiegelt.
Das bedeutet nicht nur eine Rückkopplung auf die hiesige Wirtschaftsleistung, sondern auch eine Verschärfung der Staatsschuldenkrise.
Diese Hybridstrategie der EZB (Schleusen auf für Staatsanleihen, aber nur dort) führt auf perfidem Wege tiefer in den Abgrund. Ganz unabhängig davon, wie und warum es zu diesem Zinsentscheid gekommen sein mag.
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