Geldpolitik

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Währungsreserven: Finger weg vom Goldschatz der Bundesbank!

Die deutschen Goldreserven wecken Begehrlichkeiten. Die Bundesbank holt nun einen Teil der Bestände nach Deutschland zurück. Einige Experten würden das Gold gerne ganz verkaufen. Aber dabei könnten sie sich verrechnen.

Eine Mitarbeiterin zählt Goldbarren der Bundesbank in einem Frankfurter Tresorraum. Quelle: dpa
Eine Mitarbeiterin zählt Goldbarren der Bundesbank in einem Frankfurter Tresorraum. Quelle: dpa

DüsseldorfSehnsüchtig haben sie auf diesen Tag gewartet. Die Initiative "Holt unser Gold heim!" fordert seit langem die Rückführung der Bundesbank-Goldreserven nach Deutschland.  Ihren Aufruf haben mittlerweile über 13.000 Menschen unterschrieben, darunter Euro-Kritiker wie der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel und der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler.  Nun scheint der Zeitpunkt gekommen, an dem ihre Wünsche Wirklichkeit  werden - zumindest ein Stück weit. Das neue Lagerkonzept der Bundesbank sieht vor, dass ein Teil der bisher im Ausland gelagerten Goldbestände zurück nach Deutschland kommen soll.

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Was Sie über Gold wissen sollten

  • Was ist Gold?

    Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

  • Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

    Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

  • Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

    Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

  • Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

    In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

  • Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

    Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

  • Was passiert mit dem Gold?

    29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

  • Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

    Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

    Quelle: World Gold Council

  • Wer sind die größten Goldbesitzer?

    Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Grund für den Plan der Bundesbank ist die heftige Kritik des Bundesrechnungshofs. Dieser hatte in einem Bericht ein Lagerkonzept ebenso angemahnt wie eine regelmäßige Überprüfung des Goldbestands. Um das Thema blühen wilde Verschwörungstheorien. Die Initiative "Holt unser Gold heim!" befürchtet, dass die deutschen Goldreserven im Zuge der Euro-Rettung enteignet werden könnten. Dabei lauerte bisher die größte Gefahr für den Goldschatz eher im Inland: Immer wieder versuchten deutsche Finanzminister einen Teil des Bundesbank-Golds in die Staatskasse abzuzweigen.

Der deutsche Goldschatz umfasst 3.396 Tonnen und hat einen Marktwert von rund 131 Milliarden Euro. Er fiel der Bundesbank eher beilläufig in die Hände. Nach dem zweiten Weltkrieg galt bis 1973 das feste Wechselkurssystem von Bretton-Woods. Alle teilnehmenden Länder banden ihre Währung zu einem festen Wechselkurs an den US-Dollar. Da Deutschland bald schon mehr exportierte als importierte, musste es Gold kaufen, damit die D-Mark nicht aufwertete. So wuchsen die deutschen Goldreserven immer weiter an. Bis schließlich das Bretton-Woods-System 1973 zusammenbrach.

Die Goldreserven der Staaten

  • USA

    Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

    Stand: Januar 2014

  • Deutschland

    Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

  • Internationaler Währungsfonds (IWF)

    Goldschatz: 2.814 Tonnen

  • Italien

    Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

  • Frankreich

    Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

  • China

    Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

  • Schweiz

    Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

  • Russland

    Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

  • Japan

    Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

  • Niederlande

    Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

  • Indien

    Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

  • Türkei

    Goldschatz: 506,3 Tonnen

  • Europäische Zentralbank (EZB)

    Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Seither schlummern die Reserven in Tresoren in New York, London, Paris und Frankfurt.  Das trieb manchen deutschen Finanzminister und auch einige Ökonomen schon zur Verzweiflung.  Schließlich gibt es auf den ersten Blick keinen ökonomischen Nutzen: Das Gold liegt ungenutzt in schwer bewachten Kellern herum. Dadurch werden Ressourcen gebunden, die zum Beispiel in Forschung oder  Industrie produktiv genutzt werden könnten. 

Einige Notenbanken wie die Großbritanniens, der Schweiz oder der Niederlande haben deshalb größere Teile ihrer Goldbestände verkauft.  Zwischen 1999 und 2004 platzierten sie zusammen 56 Millionen Unzen am Markt. Beim derzeitigen Marktpreis entspricht das einem Gegenwert von 72 Milliarden Euro. Gleiches schlagen einige Experten für das Gold der Bundesbank vor.

Aber es gibt auch einige gewichtige Argumente, warum die Bundesbank ihren Goldschatz noch braucht.

  • 16.01.2013, 12:37 Uhrsteuerhilfe.net

    Richtig, Finger weg von unserem Gold.
    Es gehört dem deutschen Bürger und nicht irgendwelchen Finanzministern bzw. der politischen Kaste in der Volkskammer der BRD.

    Gold & Silber Ahoi

  • 16.01.2013, 12:43 UhrNumismatiker

    @HB

    Einer dieser "Experten", die das Gold verkaufen wollen, ist ein gewisser Oliver Stock (ROFL).

  • 16.01.2013, 12:45 UhrDerFrankenberger

    Das waren goldene Zeiten als D für seine Exporte noch einen Gegenwert erhielt. Heute lässt die Eurozone in D nur noch am Targetzettel anschreiben. Sehr clever Herr Dr. Schäuble!

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