Geldpolitische Studie
EZB ringt um ihre Strategie

Der Streit geht in die nächste Runde: Eine neue geldpolitische Studie der Notenbank stärkt die Position des Vizepräsidenten Papademos. Der kämpft schon lange gegen das Zwei-Säulen-Modell der EZB-Strategie - und damit gegen ein deutsches Vermächtnis.

FRANKFURT. In den Streit innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) um die Reform ihrer geldpolitischen Strategie kommt Bewegung. In einem Forschungsbericht, den die Forschungsabteilung der EZB vor kurzem verbreitete, gelang es dem Autor zufolge, die bisher getrennten Säulen der EZB-Strategie zu kombinieren und so die Inflation genauer vorherzusagen. „Das bekräftigt, dass die beiden Säulen der EZB-Strategie nicht als gänzlich unabhängig voneinander betrachtet werden können“, lautet das Resümee der Studie.

Was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, rührt an eine zentrale Auseinandersetzung innerhalb der Notenbank. Denn es stärkt das Lager des EZB-Vizepräsidenten Lucas Papademos der für die Forschungsabteilung verantwortlich zeichnet, gegenüber seinem Direktoriumskollegen Jürgen Stark.

Die beiden Säulen der EZB-Strategie sind einerseits die Analyse der Geldmenge, andererseits die Analyse aller sonstigen Indikatoren für die Entwicklung von Konjunktur und Preisen. In der Kritik stand bei vielen Ökonomen von Anfang an die Geldmengenanalyse. Sie knüpft an die Bundesbanktradition an, macht die EZB-Strategie aber heute zu einem Unikat unter den Zentralbank-Strategien.

Die Zwei-Säulen-Strategie wurde von Otmar Issing entwickelt, dem ersten Chefvolkswirt der EZB. Die Kritiker monieren entweder, dass die Geldmengenentwicklung keinen verlässlichen Aussagegehalt für die künftige Inflationsentwicklung habe, oder sie plädieren dafür, die Trennung zwischen Geldmengenindikatoren und anderen Indikatoren aufzuheben. „Inflation getrennt mithilfe der Geldmenge und den anderen Indikatoren zu prognostizieren ist nicht sinnvoll“, meint dazu Stefan Gerlach. Der renommierte schwedische Ökonom, der an der Frankfurter Universität lehrt, hat sich unter anderem mit Untersuchungen einen Namen gemacht, die ebenso wie die aktuelle EZB-Studie zeigen, dass man die üblichen Inflationsprognosen unter Zuhilfenahme von Geldmengenindikatoren verbessern kann.

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