Gemeinschaftsdiagnose
DIW greift das Wirtschaftsministerium an

Klaus Zimmermann gilt als impulsiver Typ. Das hat der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nun auch der Öffentlichkeit gezeigt: In einer Pressemitteilung warf er dem Bundeswirtschaftsministerium vor, es habe sich von einer „linkskeynesianischen Kampagne“ bei der Vergabeentscheidung der Gemeinschaftsdiagnose beeinflussen lassen und angekündigt, sich „zur Wehr“ zu setzen.

DÜSSELDORF. Das Hause Glos hatte in diesem Frühjahr erstmals das Gutachten offen ausgeschrieben und zu Wochenbeginn bekannt gegeben, wer bis 2010 in Berlin alle halbe Jahre die Konjunkturprognose abgeben darf. Das DIW – die größte deutsche Denkfabrik, 1925 als Institut für Konjunkturforschung gegründet – zählt nicht dazu.

Was Zimmermann besonders ärgert: Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gehört zu den Auserwählten. Der Gründer dieses gewerkschaftsnahen Institutes, Gustav Adolf Horn, war einst Konjunkturchef am DIW – bis Zimmermann ihn im Jahr 2004 abberufen und damit für einen Eklat gesorgt hatte. Weil der Institutsleiter die Absetzung des profilierten Keynesianers öffentlich nicht schlüssig begründen konnte, kam das DIW monatelang nicht aus den Schlagzeilen. Seither kursieren immer mal wieder Berichte über Personalquerelen.

So auch in diesem Frühjahr – diesmal machte das böse Wort „Maulkorb-Affäre“ die Runde. Zimmermann entzog Steuerschätzer Dieter Vesper seine Aufgabe, nachdem der mit optimistischen Prognosen Finanzminister Steinbrück auf den Plan gerufen hatte – der quälende Debatten über die Verwendung des Geldsegens fürchtete.

„Das Buckeln hat sich nicht gelohnt“, verkündete der wirtschaftspolitische Fraktionssprecher der Linken, Herbert Schui, gestern süffisant via Pressemitteilung. Die Vorstellung, eine Kampagne sei für den Ausschluss verantwortlich, sei aber „bizarr. Von starken linkskeynesianischen Einflüssen war bisher im Ministerium nicht allzu viel zu spüren.“

Auch das Ministerium selbst nannte den Vorwurf einer „linkskeynesianischen Kampagne“ gegenüber dem Handelsblatt „absurd“. Das Wirtschaftsministerium habe die Entscheidung in Einklang mit dem Kanzleramt sowie dem Arbeits- und Finanzministerium getroffen.  

Verständnis dafür, wie der international renommierte Ökonom mit der Niederlage umgeht, bringt auch in der Institutslandschaft keiner auf: „Bevor ich an die Öffentlichkeit gehe, schlafe ich drüber“, rät einer.

Deutlich gelassener als Zimmermann reagierte der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz, dessen Institut gemeinsam mit dem DIW angetreten war – und damit ebenfalls eine Absage erhielt: „Das ist Tagesgeschäft, mal gewinnt man, mal verliert man“, sagte er dem Handelsblatt. Und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das ebenfalls keinen Zuschlag erhielt, meint: „Wenn man an einem Wettbewerb teilnimmt, kann man eben auch nicht Erfolg haben.“

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