Gemeinschaftsdiagnose
DIW von Konjunkturprognose ausgeschlossen

Das Bundeswirtschaftsministerium hat entschieden: Das Autorenteam der Gemeinschaftsdiagnose - einem halbjährlichen Gutachten im Auftrag der Bundesregierung - wird neu besetzt. Das traditionsreiche DIW gehört erstmals seit 1950 nicht mehr zu den Auserwählten.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat entschieden, welche Wirtschaftsforschungsinstitute in den kommenden drei Jahren die Gemeinschaftsdiagnose verfassen werden: das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) zusammen mit dem österreichischen Institut für Höhere Studien, das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) samt IWH Halle und Wifo aus Wien sowie das Münchener Ifo-Institut mit der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Das erfuhr das Handelsblatt aus dem Ministerium.

Das halbjährliche Gutachten wird erstmals im Herbst von dem neuformierten Autorenteam vorgelegt. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte es im Frühjahr offen ausgeschrieben.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das bereits seit der ersten Veröffentlichung des Gutachtens im Jahr 1952 zu den Autoren zählte, wird in den kommenden Jahren nicht mehr dazugehören. Deshalb rückt auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), das sich mit dem DIW beworben hatte, nicht in den Kreis der Konjunkturgutachter auf.

„Wir werden uns wehren“, kündigte DIW-Präsident Klaus Zimmermann gegenüber dem Handelsblatt an. Welche Schritte er einleiten werde, hänge davon ab, wie das Ministerium die Absage begründen werde. Das DIW Berlin sehe durch diese Entscheidung "seine Befürchtung bestätigt, dass die aus linken keynesianischen Kreisen geführte Kampagne gegen den Reformprozess am Institut die Vergabeentscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums beeinflusst hat", schreibt das Institut in einer Pressemitteilung.

Die Absage bedeutet für das traditionsreiche Berliner Institut nicht nur einen gehörigen Imageverlust. Zimmermann rechnet mit finanziellen Einbußen in Höhe von 200 000 Euro jährlich. „Auch organisatorische Veränderungen schließe ich nicht aus“, sagte er. Er sehe im Augenblick aber nicht, dass die Konjunkturabteilung geschlossen werde.

Eine Absage erteilte das Bundeswirtschaftsministerium auch dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln sowie dem Baseler Bak-Institut zusammen mit Oxford Economics.

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