Geringe Investitionsbereitschaft: Staatsdefizit 2004 niedriger als erwartet

Geringe Investitionsbereitschaft
Staatsdefizit 2004 niedriger als erwartet

Das deutsche Staatsdefizit ist 2004 geringer ausgefallen als zunächst erwartet, aber erneut klar über die erlaubte Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag lag das Defizit der öffentlichen Hand im vergangenen Jahr bei 3,7 % (80,3 Mrd. €). Mitte Januar waren die Statistiker noch von 3,9 % ausgegangen.

HB WIESBADEN. Das geringere Defizit ergibt sich Angaben der Statistiker aus höheren Einnahmen und geringeren Ausgaben des Bundes im vierten Quartal. So erhöhten sich die Einnahmen 2004 im Vergleich zur Januar- Schätzung um 1,5 Mrd. €, während 2,6 Mrd. € weniger ausgegeben wurden. Das Finanzierungsdefizit des Staates war dadurch 2004 um 4,2 Mrd. € geringer als zunächst angenommen.

Trotz höherer Exporte ist die deutsche Wirtschaft zum Jahresschluss 2004 auch wegen etwas schwächerer Investitionen geschrumpft. Volkswirte erkannten in den Details zur Wirtschaftsentwicklung im vierten Quartal trotz des Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 % Zeichen für eine weitere wirtschaftliche Erholung in Deutschland.

„Ausschlaggebend für den Rückgang der inländischen Verwendung im Berichtsquartal gegenüber dem dritten Quartal 2004 waren deutlich geringere Bruttoinvestitionen bei gleichzeitig stagnierenden Konsumausgaben“, teilte das Statistische Bundesamt mit. Während der Außenhandel dank eines Anstiegs des Exports um real 1,1 % zum Vorquartal einen Beitrag zum Wachstum von 0,5 %punkten lieferte, sank die heimische Nachfrage um 0,8 %. Dabei drückte der Vorratsabbau das Wachstum um 0,8 %punkte.

Die Wirtschaftsleistung lag unbereinigt 1,5 % über dem Niveau des Vorjahresquartals. Im gesamten Jahr 2004 wuchs die Wirtschaft um 1,6 %.

Verbraucher konsumierten mehr

Der vor einer Woche gemeldete BIP-Rückgang zum Jahresende 2004 hatte Volkswirte völlig überrascht. Sie zeigten sich jedoch beim Blick auf die Details wieder etwas beruhigt. „Verglichen mit dem ersten Eindruck vor einer Woche sehe ich die Details insgesamt eher als positives Signal“, sagte Sebastian Wanke von der DekaBank. So habe vor allem ein starker Lagerabbau das Wachstum belastet. „Die deutsche Wirtschaft hat sich sozusagen im dritten Quartal Wachstum aus dem vierten Quartal geborgt - im Sommer haben die Firmen ihre Lager aufgebaut, danach wieder abgebaut.“

Auch Bundesbank-Präsident Axel Weber hatte im zuletzt gewarnt, den BIP-Rückgang von Ende 2004 überzubewerten. Durch die ungewöhnliche hohe Zahl an Arbeitstagen sei die bereinigte Wachstumsentwicklung verzerrt und im ersten Vierteljahr 2005 durchaus eine positive Überraschung möglich.

Angesichts der schwachen Einzelhandelsumsätze sprachen Analysten noch von einer ordentlichen Konsumentwicklung. Der private Konsum stieg real um 0,2 % im Vergleich zum Sommer. Dagegen sank der Konsum des Staates um 0,7 %. Während die Bauinvestitionen mit einem Plus von 0,5 % zum ersten Mal seit Frühjahr 2003 stiegen, gingen die Ausrüstungsinvestitionen um 0,4 % zurück. Die Analysten sahen darin eine Korrektur des starken Anstiegs im Sommer.

Wegen zuletzt wieder günstiger Wirtschaftsdaten und Stimmungsindikatoren gehen Volkswirte davon aus, dass die Wirtschaft zu Beginn des laufenden Jahres wieder an Fahrt gewonnen hat. Die Regierung erwartet für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,6 %, die meisten Volkswirte sind wie auch die Bundesbank deutlich skeptischer.

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