Geschäftsklima
Aktienkrise trübt Stimmung in Japan

Das Geschäftsklima in Japan hat sich erstmals seit einem Jahr etwas eingetrübt. Vor allem die Kursverluste an den Weltbörsen und der Anstieg des Yen haben die Firmen verunsichert.

TOKIO. Japans Unternehmen sind im ersten Quartal 2007 überraschend pessimistischer geworden. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten kurzfristigen Wirtschaftsausblick der japanischen Notenbank hervor. Der so genannte Tankan-Bericht erscheint vierteljährlich. Die Bank of Japan (BoJ) befragt dafür knapp 11 000 Unternehmen nach ihrer Einschätzung zu Geschäftslage und Erwartungen.

Der Index für die derzeitige Bewertung des Umfelds für große Industrieunternehmen sank zwei Zähler von 25 Prozentpunkten Ende 2006 auf nun 23 Punkte. Die Analysten schauen besonders auf die Großunternehmen, weil deren Lage sich als entscheidend erwiesen hat. Der Wert war zuletzt 2005 leicht zurückgegangen und seitdem vier Quartale in Folge gestiegen.

Die Schätzungen der Ökonomen reichten zuvor von einem Rückgang auf 20 bis zu einem Anstieg auf 26 Punkte mit einem Mittelwert bei 24 Punkten. Für die nächste Befragung im Juni erwarten die Großunternehmen einen kräftigen Rückgang auf 20 Zähler.

Ökonomen raten jedoch zur Vorsicht bei der Bewertung der Daten zum Wirtschaftsausblick. „Die Daten für den heute erschienen Bericht wurden Anfang März erhoben“, sagt Seiji Adachi, Chefökonom der Deutschen Securities in Tokyo. Zu dieser Zeit seien die Aktien- und Devisenmärkte nach dem Absturz der Börse Schanghai in Aufruhr gewesen. Gerade während des Untersuchungszeitraums hätten die Unternehmen also besonderen Grund zur Skepsis gehabt. Wenn die Bank of Japan die Firmen erst Ende März befragt hätte, könnte das Ergebnis schon besser ausgesehen haben. Dafür spreche auch, dass gerade die Großunternehmen der Tankan-Umfrage zufolge ihre Investitionen im kommenden Geschäftsjahr hochfahren wollen. Die geplante Anstieg der Investitionen erreichte 2,9 Prozent. Die Unternehmen würden diese Ausgaben nicht erwägen, wenn sie kein Wachstum erwarteten, so Adachi.

Die Bereitschaft zu Investitionen stieg bei den großen Dienstleistern mit 3,1 Prozent noch ausgeprägter. Unter den kleinen Unternehmen sank dagegen der Wert um deutliche 17,7 Prozent. Im zweiten Halbjahr 2007 planen der Befragung zufolge alle Geschäftszweige, ihre Investitionen herunterzufahren. Ökonom Satoru Ogasawara von der Credit Suisse Tokyo weist jedoch darauf hin, dass die tatsächlichen Investitionen generell besser ausfallen als der März-Ausblick.

Doch insgesamt passe der Tankan-Rückgang ins größere Bild: „Die Werte sind konsistent mit den jüngsten Daten zu Produktion und Export. Sie zeigen, dass die Industrie sich mitten in einem zyklischen Abschwung befindet“, so Ogasawara. Die leicht besseren Werte für große Dienstleister und Handelsfirmen deuteten zwar darauf hindeuten, dass die Verbraucher mehr Vertrauen fassen. Die Credit Suisse warnt jedoch in Hinblick auf die Tankan-Zahlen vor der Exportabhängigkeit der japanischen Wirtschaft. Ob der nunmehr drei Jahre andauernde Aufschwung in Japan das Jahr 2007 über hält oder nicht, liege an der Entwicklung der US-Wirtschaft. Da die Credit-Suisse ein Durchstarten der USA für die zweite Jahreshälfte vorhersage, sei für Japans Wirtschaft nur ein leichter Rückgang zu erwarten.

Wenn sich die Lage so entwickele wie die Unternehmen es vermuten, dann überhole im Juni erstmals seit 2002 das Dienstleistungsgewerbe die Industrie in der Einschätzung der Lage, hebt Analyst Tetsufumi Yamakawa von Goldman Sachs hervor. 2002 lagen die Indikatoren allerdings im Minus – diesmal würde die Konstellation erstmals seit Beginn der nachhaltigen Krise 1991 im positiven Bereich auftreten. „Das belegt die derzeitige Stärke des Dienstleistungssektors“, schreibt Yamakawa in einem Bericht.

Ökonom Adachi von der Deutschen Securities sieht dagegen auch eine Kehrseite des stärkeren Vertrauens der Dienstleister in die Finanzkraft der Japaner. „Aus der Studie geht hervor, dass Einkommenssteigerungen zu erwarten sind“, so Adachi. Höhere Löhne könnten jedoch wiederum auf die Unternehmensgewinne schlagen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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