Geschäftsklima auf niedrigstem Stand seit August 2005
Ifo-Index schockiert Analysten

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich erneut verschlechtert. Der wichtigste Frühindikator Deutschlands, der Ifo-Geschäftsklimaindex, ist auf den niedgrigsten Wert seit August 2005 abgesackt. Konjunkturexperten warnen: „Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in konjunkturell schwieriges Fahrwasser.“

HB MÜNCHEN/BERLIN. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 97,5 Punkten im Juni auf 94,8 Zähler, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte. Der Index fiel damit zum dritten Mal in Folge. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 97,1 Punkte gerechnet.

Der Index fiel damit auf dem niedrigsten Stand seit genau drei Jahren, was weiterhin auf eine merkliche Konjunkturabkühlung in den kommenden Monaten hindeutet. Die Indexergebnisse basieren auf einer Umfrage unter rund 7000 Unternehmen der Bereiche verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel.

„Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in konjunkturell schwieriges Fahrwasser“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Aussichten für die kommenden sechs Monate schätzten die befragten Manager pessimistischer ein. Der entsprechende Teilindex sank von 89,9 Zählern auf 87,0 Punkte. Der Index für die Lage fiel auf 103,2 Punkte von 105,6 Zählern.

Ifo-Index drückt Dax tiefer ins Minus

Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. In Reaktion auf die unerwartet deutliche Eintrübung baute der Dax vorübergehend seine Verluste aus.

„Das ist ein herber Rückschlag. Wir haben nicht damit gerechnet, dass der Ifo-Index erneut so deutlich zurückgeht“, sagte Volkswirtin Antje Hansen von HSBC Trinkaus. „Daraus ergeben sich keine guten Aussichten für das zweite Halbjahr. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession ist gestiegen.“

„In meinen Augen sind die Daten durchaus als dramatisch zu betrachten“, kommentierte Marktstratege Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. „Der Konjunktureinbruch, der sich in vielen anderen Bereichen bereits gezeigt hat, wird sich fortsetzen, das zeigen die Daten.“

Auch die schwache Binnennachfrage belastet deutsche Wirtschaft. Die ebenfalls am Dienstag veröffentlichte neue Konsumklimastudie der Nürnberger Marktforscher GfK zeigt, dass die Bürger die weitere Wirtschaftsentwicklung erneut erheblich skeptischer beurteilen. Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen habe ebenfalls noch einmal nachgelassen und liege auf dem niedrigsten Niveau seit Mitte 2005.

Lediglich was ihre persönliche Einkommensentwicklung angehe, sähen die Menschen wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Für September prognostizieren die GfK-Forscher einen weiteren Rückgang beim Konsumklimaindex auf 1,5 Punkte. Das wäre der schlechteste Wert seit Sommer 2003. Im August lag der Index bei revidiert 1,9 Punkten.

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